Kindergottesdienst ohne Jesus?

von Sarah Sittner
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„Wir haben gute Ratschläge statt der guten Nachricht weitergegeben. Irgendwann werden die Kinder unserer Ratschläge überdrüssig, egal wie gut sie auch sein mögen. Viele werden die Kirche verlassen. Andere werden ein anständiges Leben als Gemeindemitglieder führen, aber ohne jegliches Feuer für Christus. Wir werden uns wundern, warum sie die Gute Nachricht abgelehnt haben, weil wir annahmen, sie seien gut in ihr verwurzelt. Doch in Wirklichkeit waren sie das nie. Obwohl wir Geschichten von Jesus und seiner freien Gnade erzählten, verwässerten wir sie durch Eigenbemühung – und das war es, was sie hörten.“

Klumpenhower, Show them Jesus, S.19

Das Evangelium von Jesus – die verdrängte Botschaft

Seit ich vor einigen Monaten angefangen habe, Kindergottesdienste in der Gemeinde zu machen, habe ich damit zu kämpfen gehabt, was eben beschrieben wurde. Obwohl ich daran glaube, dass meine Errettung allein in Jesus begründet ist und dass ich seine Gnade nicht durch gute Taten verdienen kann, habe ich eine Tendenz bei mir festgestellt, diese wunderbaren Tatsachen unter den Teppich zu kehren, wenn es darum geht, mit Kindern über Geschichten aus der Bibel zu reden. Aber ich durfte in der Zeit auch lernen.

Wenn du selbst auch in diesem Bereich in deiner Gemeinde tätig bist, hoffe ich, dass dich dieser Artikel ermutigt, den Kindern (oder Jugendlichen) immer wieder zu zeigen, was für einen herrlichen Erlöser wir in Jesus haben. Aber auch, wenn du nicht im Kinderdienst involviert und gerade im Begriff bist, den Artikel zu schließen, ist es auch für dich nicht unbedeutend. Denn der Glaube von uns allen, auch Erwachsenen, lebt davon, immer wieder von dem zu hören, was Jesus für uns getan hat.

Die Botschaft, die sich durch die gesamte Bibel hindurch zieht, bezeugt, dass Menschen sündigen, versagen und Gott den Rücken kehren, Er aber seine Herrlichkeit, seine Größe, und seine unfassbare Liebe zeigt, indem er ihnen vergibt und sie zu seinen Kindern macht – und am Kreuz selbst die Strafe für alle Rebellion gegen ihn erduldet:

Das ist die wunderbare, einzigartige Botschaft, die uns Menschen wirklich freimachen kann. Sie ist unsere einzige Hoffnung; sowohl für dieses Leben als auch für das Leben nach dem Tod, wo Gottes Kinder in Ewigkeit bei ihm sein dürfen.

Das Evangelium von Jesus – wie es verdrängt wird

Was Jack Klumpenhower in Show them Jesus als einen der Gründe aufführt, weshalb das Evangelium in Kindergottesdiensten außen vor gelassen wird, war auch bei mir der Fall: ich bin einfach davon ausgegangen, dass die Kinder aus der Gemeinde das Evangelium kennen. Sicher haben sie es schon zigmal in anderen Kinderstunden oder Zuhause von ihren Eltern gehört, und wissen bestimmt, was Jesu Tod und Auferstehung bedeuten. Ich habe das unbewusst als „Basis-Wissen“ vorausgesetzt.

Die Folge war, dass ich bei der Vorbereitung der Lektionen dachte, ich könnte diesen Punkt überspringen und war geneigt, bei den Bibelgeschichten, die für den jeweiligen Sonntag vorgesehen waren, einen anderen Fokus zu setzen. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie ist der erste Impuls immer der, auf die Personen in der Geschichte zu schauen und zu überlegen, wie man sie sich zum Vorbild nehmen kann.

Ich will das in einem Beispiel verdeutlichen, nämlich anhand der Geschichte von David in der Höhle von En-Gedi (1Sam 24). David verschont darin Sauls Leben und rächt sich nicht an ihm für die jahrelange Verfolgung, die er durch ihn erleiden musste, obwohl er die Gelegenheit dazu gehabt hätte.

Worauf soll die Stunde zu dieser Erzählung jetzt hinauslaufen? Man könnte auf Davids Verhalten Saul gegenüber verweisen: David, der sowieso DER HELD SCHLECHTHIN ist, sollte für uns ein Vorbild sein in Sachen Vergebung. So wie David sollen auch wir als Christen uns nicht rächen, wenn uns jemand Böses tut oder unfreundlich zu uns ist, sondern dies Gott überlassen.

Das moralische Evangelium – war das alles?

So ungefähr würde eine „Kinderstunde nach erstem Impuls“ aussehen. Es ist sicher gut, sich David als Vorbild zu nehmen, wenn es darum geht, wie man seinen Feinden begegnen sollte. Schließlich entspricht das dem, was Jesus selbst zu diesem Thema in der Bergpredigt von seinen Nachfolgern fordert:

„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid.“

Mt 5,44-45a

Ist das alles, was wir aus dieser Bibelstelle lernen können? Wie gesagt, Kindern schon früh zu zeigen, wie biblisch geprägtes Verhalten aussehen kann, ist wichtig. Doch wenn es bei einer reinen Anleitung bleibt, WIE sie sich besser und christlicher verhalten können, geht etwas Entscheidendes verloren. In einer Stunde, wie ich sie eben geschildert habe, lernen die Kinder nichts über ihre eigene Sünde und Gottes Gnade. Vielleicht motiviert es den einen oder anderen, in Zukunft freundlicher zu dem Klassenkameraden zu sein, der ihn oder sie ständig aufzieht. Aber WARUM sollte er freundlich sein? Weil man das einfach als Christ so macht? Weil David es so gemacht hat? Weil sie dadurch vor Gott besser dastehen?

Die anfängliche Motivation nach dem Kindergottesdienst kann bald verloren gehen. Und ein Kind stellt dann vermutlich fest, dass es nicht immer so freundlich sein kann, wie es sich das vorgenommen hat – und Druck kommt auf. Die (langfristigen) Auswirkungen von solchen Kindergottesdiensten können bei einigen Kindern sein, wie das Zitat sie oben beschreibt: Kinder erfahren das christliche Glaubensleben als eine Reihe von Verhaltensregeln. Und je nachdem, wie gut sie mit diesen Regeln klarzukommen meinen, sind sie entweder frustriert und verlassen möglicherweise die Gemeinde oder sie versuchen, sie so gut wie möglich einzuhalten – jedoch ohne Liebe zu Jesus und ohne wirklich zu verstehen, wie dringend sie Ihn brauchen.

Kindern Jesus zeigen – der Kern des Evangeliums

Zurück zum Beispiel von David und Saul. Ich habe Mt 5,44-45a aufgeführt, Jesu Gebot zur Feindesliebe. Vielen Kindern dürfte die Stelle schon bekannt sein. Als ich diesen Vers für die Kinderstunde herausgesucht habe, um auch Jesus darin erwähnen zu können, ist mir etwas aufgefallen: Jesus hat den Menschen nicht nur gesagt, dass sie ihre Feinde lieben sollen. Er hat es selbst getan. Er hat seine Feinde – uns – geliebt:

„Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Röm 5,8

Er hat es in noch viel größerem Ausmaß getan als David, denn Er hat sein Leben hingegeben, sich verspotten, quälen und demütigen lassen, damit wir Gottes Kinder sein können und nicht mehr seine Feinde:

„Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn. Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.“

Jes 53, 6-7

Ist das nicht, was wir uns für die Kinder aus der Gemeinde wünschen? Dass sie ihre ganze Hoffnung auf Jesus setzen und darauf vertrauen, dass sie durch sein Leben und Sterben vollständige Vergebung haben können, anstatt dass sie auf ihr gutes, christliches Verhalten vertrauen?

An diesem Beispiel sehen wir, auf welche verschiedenen Weisen der Fokus von biblischen Geschichten gesetzt werden kann. Man kann sich die handelnden Personen zum Vorbild nehmen und sich darauf konzentrieren, oder man schaut, wie Gott sich offenbart und wie das Geschehen mit Gottes Plan zur Erlösung der Menschen durch Jesus zusammenhängt, sodass er der Mittelpunkt der Kinderstunde ist.

Verschiedene Bibelstellen verweisen mal mehr, mal weniger offensichtlich auf Jesus. Es ist natürlich aufwändig, sich Gedanken zu machen, wie eine Stelle mit dem Evangelium zusammenhängt – und wie man es den Kindern so vermitteln kann, dass nicht zu kompliziert wird oder zu weit hergeholt wirkt. Besonders bei kleinen Kindern ist das eine Herausforderung. Ich will auch keinen Druck machen, dass jeden Sonntag das Evangelium vollständig von vorne bis hinten erklärt werden muss. Ich stehe selbst noch ziemlich am Anfang dieses Lernprozesses und werde bestimmt noch auf manche Schwierigkeiten stoßen. Aber ich glaube, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, welches Ziel ich vorrangig bei den Kindern verfolge: Verhaltensänderung („Heiligung“, „Nachfolge“) durch wachsende Liebe zu Jesus.

Kindern Jesus zeigen – als ganze Gemeinde

Wenn du bis hierher gelesen hast und vielleicht damit ringst, wie du Jesus zum Mittelpunkt der Kinder- oder Jugendarbeit der Gemeinde (in welcher Form auch immer) machen kannst, ist es hilfreich, ältere Mitarbeiter zu fragen, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Oder du fragst deine Pastoren zu konkreten Bibelstellen, in welcher Weise sie mit dem Evangelium zusammenhängen, wenn es dir selbst auf Anhieb nicht einleuchtet.

Falls du mit Kindergottesdienst nicht viel zu tun hast: sei trotzdem ermutigt, darüber nachzudenken, was eigentlich deinen Glauben ausmacht und was das Leben als Christ für dich bedeutet. Ist es für dich vielleicht zur bloßen Pflichterfüllung geworden? Sich einfach nur ein bisschen besser verhalten als die Menschen um dich herum und hin und wieder in der Bibel zu lesen? Oder hast du einen tiefen Wunsch danach, mehr von Jesus und von seiner Herrlichkeit zu sehen? Zu verstehen, wie unfassbar das Geschenk des ewigen Lebens ist, was schon hier mit Ihm beginnt?

Literatur

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