Film-Besprechung: Courageous

von Simon Schuster
2 Kommentare
Film-Besprechung: Courageous

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich von christlichen Filmen höre, dann denke ich zum einen an Filme, die zwar gut gemeint (und inhaltlich vielleicht auch ganz gut), aber schlecht gemacht sind. Zum anderen sind da die pseudo-christlichen Filme, die zwar filmisch professionell sind, aber inhaltlich sogar kontraproduktiv – klassisches Beispiel: Nur mit Dir.

Vielleicht sind jetzt einige schockiert, wie ich diesen Film hier nennen kann. Aber er ist wirklich voll von schlechter Theologie. Unkommentiert heißt es da „Ich denke Gott will nur, dass ich glücklich bin“. Der ungläubige Freund ist das ersehnte „Wunder“ und der „Engel“ im Leben der gläubigen Frau, und alles in allem ist der Film evangeliums- und christuslos, und stattdessen menschenzentriert („Finde heraus wer du bist, und sei dabei ganz du selbst“). Der Vater des Mädchens wird zwar im Lauf des Filmes ein ganz netter Kerl, aber sieht dann dennoch zu, wie seine Tochter einen Ungläubigen heiratet. Er versagt darin, geistlicher Vater zu sein.

„Courageous“ dagegen ist ein Film, der zu meiner Überraschung sowohl technisch und dramatisch gut ist, als auch inhaltlich viele gute Momente und reichlich Gesprächsstoff bietet. Das große Thema des Filmes ist, dass Männer Verantwortung für ihre Familie zu übernehmen haben. Jeder der fünf Männer, die beleuchtet werden, steckt in einer anderen Situation – Scheidung, Verlust eines Familienmitgliedes, ein uneheliches Kind und Armut sind nur einige der Herausforderungen, mit denen die Männer konfrontiert sind. Die Männer entschließen sich, eine Erklärung zu unterschreiben, in der sie festhalten, welchen Pflichten sie als Väter nachkommen wollen. Vielmehr möchte ich aus dem Inhalt nicht preisgeben. Auf jeden Fall fiebert man mit den Männern mit, leidet und freut sich mit ihnen. Dabei fehlt es nicht an Witz, Spannung und Action.

Theologisch betrachtet, schafft es der Film gut, die Verantwortung von Vätern zu verdeutlichen. Man könnte auch sagen, dass deutlich wird, was es bedeutet, als Christ zu leben – es heißt, dass Gottes Wort der Maßstab für das Leben ist. Und wenn wir dadurch vor schwere Entscheidungen gestellt sind, vor denen wir uns lieber drücken wollen, dann gehen wir eben nicht den leichten Weg, sondern folgen Gottes Gebot, egal was es kostet. Auch andere Themen wie Gebet, Vertrauen, Seelsorge und der Umgang mit Leid finden ihren Platz.

Dabei geht es aber in dem Film nicht nur um das Gesetz. Auch das Evangelium von Jesus Christus, Gottes Sohn, der Gottes Zorn und Gericht über die Sünder trug, wird verkündigt.

Wo hat der Film kleine Schwächen? Ich möchte nicht das Haar in der Suppe suchen, aber da wir hier mit dem Blog das Ziel verfolgen, euch theologisch gut auszurüsten, möchte ich doch einige Punkte ansprechen. Obwohl das Evangelium vorkommt, sollte der Film mehr davon erhalten. Auch für diese Männer als Christen geht es nicht nur um die Frage „Wie lebe ich als Christ?“ Gerade wenn man sich mit den Anfechtungen und den eigenen Sünden beschäftigt, muss das Evangelium zentral sein. Der Film zeigt gut, dass man sich zwar ernsthaft vornehmen kann, Fortschritte zu machen, aber dennoch wieder in Sünde fällt. Gerade dann ist das Evangelium unverzichtbar. Und gute Werke sind eine Frucht des Glaubens und des Evangeliums. Wenn das aber zu kurz kommt, hat man nur einen guten Vorsatz, aber kein gutes Werk. Das emotionale „Ich will“, das die Männer zu ihrer Berufung als Väter sagen, ist nicht nur filmisch etwas übertrieben, sondern auch theologisch zu einseitig. Gerade beim Thema Vatersein bietet es sich an, darüber zu reden, wie Gott durch Jesus Christus unser liebender Vater ist. Das geschieht leider nicht. Obwohl es für ein richtig verstandenes „Was würde Jesus tun?“ einen Platz im christlichen Leben gibt, sollte es hauptsächlich von einem „Was hat Jesus getan?“ geprägt sein.

Ich empfehle den Film dennoch – mit diesem Wissen im Hinterkopf. Vielleicht bietet es sich besonders an, den Film in einer Gruppe (vielleicht auch einmal nur unter Männern und solchen, die es werden wollen) anzusehen und hinterher noch zu vertiefen. Der Hauptcharakter sagt im Film: „Ich wüsste gern, was Gott als Vater von mir erwartet“ (gemeint ist: was Gott von mir als Vater) … Ich tue ungefähr nur die Hälfte dessen, was ich als Vater tun sollte. In der Bibel steht so viel darüber, wie man ein guter Vater ist, und ich habe es nie nachgeschlagen.“

Weißt du, was Gott von dir als (zukünftigem) Vater erwartet? Hast du es nachgeschlagen? Der Film selbst bietet keine Fünfzehn-Punkte Liste, die dir dein Bibelstudium zu diesem Thema abnimmt, aber einige gute Anhaltspunkte.

Auch interessant

2 Kommentare

Andreas Münch 1. Dezember 2014 - 10:10

Danke für die ausführliche Vorstellung. Ich habe den Film noch im Regal stehen, habe ihn aber noch nicht angeschaut, da ich „christlichen“ Filmen gegenüber skeptisch bin, aus genau den Gründen, die Du oben angeführt hast. Vielleicht werde ich ihn mir die Tage doch mal anschauen.

antworten
Simon Schuster 3. Dezember 2014 - 08:03

Danke, für die Rückmeldung. Ja, ich habe den Film auch nur angeschaut, nach dem ich die Empfehlung eines Freundes hatte, von dem ich wusste, dass ich seiner Empfehlung vertrauen kann. Und ich wurde positiv überrascht. Auf die Probleme, der fehlenden Evangeliumszentriertheit und einige andere Kleinigkeiten, muss man sich halt einstellen; ist aber immer noch ein wertvoller Film.

antworten

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Du die Seite weiter benutzt, gehen wir von Deinem Einverständnis aus. OK