Wie erkenne ich Gottes Willen für mein Leben? – ein Gespräch mit Philip Zurbuchen

von Jonathan Malisi
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Wie erkenne ich Gottes Willen für mein Leben? – ein Gespräch mit Philip Zurbuchen

„Was soll ich nach dem Abi machen – eine Ausbildung oder studieren gehen?“

„Was sind meine Gaben, die ich für Gott einsetzen kann?“

„Wen soll ich heiraten – doch nicht den Erstbesten, oder?“

„Bin ich nicht eigentlich zu Höherem berufen?“

„Wie und woher soll ich überhaupt wissen, was Gott mit mir vorhat?“

Hast du dir auch schon solche Fragen gestellt? Gottes Willen für unser Leben erkennen – wie geht das? Es gibt schlechte oder lediglich unnütze Tipps dazu, ungefähr 7.880.000 Ergebnisse auf Google, aber lediglich überschaubare 34 Angebote auf Amazon (Muss man die jetzt alle lesen?!😉) Was also tun?

Philip Zurbuchen hat sich mehrere Jahre mit diesem Thema auseinandergesetzt und einiges davon in seinem neuen Buch Von Gott berufen zu Papier gebracht. Wir durften ihn bereits vor Erscheinen mit unseren Fragen löchern:

Philip, stell dich unseren Lesern doch einmal kurz vor.

Ich bin gebürtiger Schweizer, wohne jetzt aber mit meiner Frau und zwei Söhnen in Laubach, Hessen. Momentan strebe ich ein Lehrerreferendariat als Quereinsteiger in den Fächern Physik und Mathematik an. Parallel dazu lasse ich mich in biblischer Seelsorge ausbilden. Zuvor habe ich einige Jahre in der Betreuung und Seelsorge an Jugendlichen mit allen möglichen Lebensproblemen gearbeitet. Es ist mir ein großes Anliegen, die Bibel genau zu lesen und sie auf den Alltag anzuwenden. Ich bin überzeugt, dass Glaubensfragen durchdacht werden müssen, ehe sie in unsere Hände und Füße übergehen können. Neben der Bibel interessiere mich auch für die Naturwissenschaften, gehe in Musik auf, mag lange Wanderungen oder Skitouren in den Bergen. Meine freien Abende verbringe ich gerne im Gespräch mit meiner Frau oder einem guten Buch.

Wie kamst du dazu, ein Buch zum Thema „Berufung“ zu schreiben?

Das Thema „Berufung“ fiel mir quasi vor die Füße: Ich wurde angefragt, ob ich zu diesem Thema einen Online-Artikel schreiben könne; so kam es dazu, dass ich mich näher mit dem biblischen Begriff auseinandergesetzt habe. Aber viele Unterthemen und Aspekte von Berufung hatten mich schon vorher beschäftigt. Relativ früh in meinem Glaubensleben wurde ich mit Sichten konfrontiert, welche für mich dem Inhalt der Bibel zu widersprechen schienen (z.B. bezüglich Gottes Führung oder der generellen Stoßrichtung, wie viele Christen Berufung verstehen). Ich wurde auf dieser Reise einige Male selbst durch den biblischen Befund korrigiert – zu meinem persönlichen Wachstum und meiner Freude an Gott!

Oft merke ich, dass die Themen im Buch vielen Jugendlichen unter den Nägeln brennen. Ich habe erlebt, wie Gott an Menschen in meinem Umfeld dadurch wirkte, dass sie sich mit seiner Berufung in der Bibel auseinandersetzten. Sie blühten auf, schöpften Hoffnung und folgten Christus entschlossener nach. Darum begann ich in den letzten zwei Jahren gezielter und mit mehr System, die Bibel zum Thema „Berufung“ zu studieren. So führte das eine zum anderen und das Buch Von Gott berufen entstand.

Wer ist denn genau die Zielgruppe deines Buches? Wem würdest du es besonders empfehlen?

Ich würde jungen Christen das Buch empfehlen, die sich nach Gottes Führung sehnen und Ihn in ihrem Alltag ganz neu erleben wollen. Berufung hat viel mit Gottes Wirken in unserem Leben zu tun. Ich erlebe fast keinen jungen Menschen, der sich nicht irgendwie danach sehnt, Gott zu erleben. Aber ich habe auch schon einzelne Kapitel Freunden zu lesen gegeben, die wenig vom christlichen Glauben halten, die enttäuscht sind von den vielen Klischees, die es bezüglich Gottes Willen gibt.

Gibt es dazu auf Deutsch nicht schon genug Literatur – etwa von Tim Keller oder Kevin DeYoung?

Sie alle behandeln einzelne Aspekte unserer Berufung: Keller etwa fokussiert sich auf den Aspekt „Arbeit und Beruf“, DeYoung auf die Frage „Wie finde ich den Willen Gottes?“. Aber meine Absicht ist nicht, diese Fragen neu oder besser zu behandeln. Stattdessen will ich Menschen von heute eine grundsätzliche Sicht von sich selbst und Gott; eine Perspektive auf das Leben schmackhaft machen. Diese Perspektive, durch die wir unser Leben vor Gott beurteilen, soll christuszentriert sein – voller Evangelium. Das ist gleichzeitig eine der größten Nöte unserer Zeit. Auch wir Christen haben nur zu schnell das Denken unserer Gesellschaft übernommen, obwohl wir uns dabei vielleicht „frommer“ ausdrücken würden. Diese Gefahr des Selbstbetrugs, der Weltlichkeit, des tragischen Verlustes besteht gerade auch beim Thema „Berufung“.

Zudem spreche ich weitere Themen an, welche einladen sollen, Gott in unserer Berufung zu vertrauen und diesen Weg mit Ihm zu gehen. Ich erhebe aber nicht den Anspruch, einzelne Themen wie „Gaben“ oder „den Willen Gottes finden“ erschöpfend zu behandeln (das machen andere Autoren viel besser).

In jeweils wenigen Worten: Was ist unter Berufung zu verstehen und was nicht?

Man darf Berufung nicht auf einen Aspekt des Lebens beschränken. Vielmehr ist Berufung Gottes Methode, wie er rettet und uns aus der Dunkelheit in sein Licht versetzt. Somit geht es bei Berufung um ein Leben unter der guten Herrschaft eines Gottes, der für uns Seinen Sohn gegeben hat. Dieses Leben ist eng verwoben mit dem Evangelium, mit dem Sühneopfer Gottes, mit Seiner Erwählung. Es ist ein Leben aus Glauben. Natürlich wird dieser Glaube in den einzelnen Bereichen unseres Lebens (Arbeit, Familie, Gemeinde, etc.) seine Auswirkungen haben. Natürlich kommen Fragen auf (z.B. „Wie finde ich Gottes Willen?“). Aber Gott selbst ist zentral: Sein Rufen, Sein Handeln, Sein Wirken, Sein Wesen und letztlich Seine Ehre.

Daraus wird schnell ersichtlich, was Berufung nicht ist. Berufung ist z. B. keine Selbstverwirklichung. Unsere Berufung ist etwas weit Besseres: Anstelle, dass sich begrenzte, sündige Menschen selbst verwirklichen, verwirklicht sich ein unfassbar weiser, gewaltiger, gerechter Gott in den Leben der Berufenen selbst!

Worin liegt denn nun aber der Unterschied, wie und wozu Gott etwa einen Paulus oder Martin Luther und dich oder mich berufen hat?

Wir müssen hier zwei Seiten einer Münze beleuchten:

  1. Einerseits wissen wir nicht, wo die Unterschiede sind: Niemand kennt Gottes Plan mit seinem Leben. Aber es ist letztlich nicht entscheidend, das zu wissen. Ich bin froh, dass ich Gottes Willen für mein ganzes Leben nicht weiß.
  2. Anderseits könnte man hier sagen: Wenn du wie ein Luther oder Paulus von Gott gebraucht werden willst, dann suche Gott so wie er. Lass Gottes Wort deine Pläne und Prioritäten bestimmen, suche Gott selbst, ändere deine Gewohnheiten: Sag beispielsweise „Nein!“ zu Zeitverschwendung, trivialen Filmen und endlosem YouTube-Konsum. Tu Buße über Lethargie, Faulheit, Unglauben. Sei stark, sei mannhaft (vgl. 1Kor 16,13)! Lebe dieses Leben aus Glauben, dann wirst du in deiner Berufung zufrieden sein und dich nicht nach der Luthers sehnen.

Kann ich Gottes Willen/Berufung für mein Leben verpassen, wenn ich mich z.B. falsch entscheide?

Ja und Nein; ich gehe mal von einer Seite an die Frage: Letztlich beginnt die Menschheitsgeschichte damit, dass wir uns alle, mit Jesus als einzigen Ausnahme, falsch entscheiden. Von Adam bis zu dir und mir entscheiden wir uns bezüglich Gott krankhaft falsch (siehe Röm 1-3: „Da ist keiner, der Gott sucht“). Letztlich verpassen alle Menschen Gottes offenbarten Willen – indem sie Sein Gesetz verwerfen. Und trotzdem beruft Gott uns aus diesem geistlichen Tod heraus in ein Leben hinein, welches sich immer mehr nach Gottes Willen ausstreckt und Seine Berufung lebt.

Berufung ist folglich per Definition ein Handeln Gottes, durch das er Falsches wieder gut macht und Krummes wieder geradebiegt. Der Berufene hat sein ganzes Leben lang immer wieder falsch entschieden und wird noch weitere falsche Entscheidungen treffen! Trotzdem kommt Gott zum Ziel und wendet selbst unsere falschen Entscheidungen zum Guten (siehe z. B. 1. Mose 50:20). Dennoch haben sie Auswirkungen und Er nimmt uns in Verantwortung für unsere Entscheidungen. Vor allem aber gebraucht Er unsere Entscheidungen samt ihren Konsequenzen für Seinen Zweck: Uns Christus ähnlich zu machen. Auch die negativen Konsequenzen falscher Entscheidungen können uns voranbringen und so Gottes Willen in unserem Leben bewirken.
Sagen wir z.B. eine junge Frau folgt Jesus nach, träumt aber davon, einen Mann zu heiraten der wohlhabend, gutaussehend und charmant ist. Nun, das sind definitiv keine biblischen Prioritäten für die Partnerwahl. Nach der Heirat entpuppt er sich als geistlich unreif, lethargisch und unverantwortlich. Sie beginnt in dieser Ehe zu leiden; die Wahl war falsch, die Entscheidung unweise. Doch Gott wird diese schwierige Ehe benutzen, um sie Christus ähnlicher zu machen. Er kann etwa den unreifen Mann benutzen, um ihre Prioritäten von weltlichen Dingen (z.B. gutem Aussehen) hin zu geistlichen Dingen zu lenken. Denn Gott hat sie berufen, er wird das nicht wieder rückgängig machen. Und in diesem Sinne können wir Gottes Willen nicht verpassen; Er wird mit all seinen Kindern zum Ziel kommen.

Übrigens ist das tatsächlich ein Thema, welches ich im Buch nicht direkt anspreche… Aber gut, dass du gefragt hast!

Mal ganz ehrlich: In der Bibel steht doch nicht, ob ich Elektriker, Astronaut oder Lehrer werden soll… wie kann ich aber dann in ihr Orientierung und Hilfe für meine Lebensentscheidungen finden?

Das stimmt natürlich. Die Bibel gibt uns nie eine Anleitung für unser Leben; sie weist uns eher auf Prinzipien, Denkweisen hin. Und dann wird sie in einigen Angelegenheiten sehr spezifisch, damit wir lernen, wie diese Denkweisen im Leben anzuwenden sind. Dieses Lernen nennt die Bibel „Weisheit“. Und wie wir Weisheit erlangen, dazu sagt die Bibel sehr viel.

Ein Beispiel dieser Prinzipien finden wir in Philipper 2: Die grundsätzliche Einstellung der Demut. Demut ist ein Prinzip, eine Denkweise. Aber in Phil 2,1-4 werden einige spezifische, handfeste Auswirkungen dieser Demut beschrieben (z. B. um die Interessen der anderen besorgt zu sein). Paulus wird konkret, damit wir besser verstehen, wie Demut sich in unserem Alltag auswirken muss. Nun sind wir aber dazu aufgerufen, in allen unseren Entscheidungen dieses Prinzip zu befolgen. Plötzlich kommen Fragen auf, wie:

  • Wie kann ich mich in meiner Berufswahl von Demut leiten lassen?
  • Wie sind meine Motive zu beurteilen, während ich entscheide, ob ich diese oder jene Fortbildung machen soll?
  • Könnte es sein, dass dieser potenzielle Partner nur meinen Stolz fördert (weil er oder sie z. B. klug oder beeindruckend auftreten kann)?

Diese Demut, aber auch viele weitere biblische Grundsätze, werden uns in konkreten Situationen des Alltags helfen, Gott wohlgefällig zu entscheiden.

Ich, für mich, habe mich gegen die Astronautenausbildung entschieden – aus Demut😉

Vielen Dank für das Interview!

Das Buch Von Gott berufen könnt ihr hier günstig kaufen.

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