Identitätskrise – Warum bin ich, wer ich bin?

von Lion von Schumann
0 Kommentar

Identität – Das Bourne-Dilemma

Im ersten Teil der spannungsgeladenen Bourne-Trilogie sucht ein Mann verzweifelt seine Identität. Er wird bewusstlos von einigen Fischern mitten aus dem Meer gezogen, mit Kugeln im Rücken und einem Chip in der Hüfte. Er ist Jason Bourne, aber das weiß er nicht, denn als er aufwacht wird klar, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Von da an gibt es nur eins, das ihn antreibt: herauszufinden wer er ist. In einer Szene des Films steht er vor dem Spiegel und stellt immer wieder dieselbe Frage: Wer bin ich?

Stell Dir einen Augenblick lang vor, Du stehst da vor diesem Spiegel. Du starrst Dich an, während Dir 1000 Fragen durch den Kopf gehen: „Wie heiße ich? Wie alt bin ich? Habe ich Familie? Bin ich reich oder arm? Was mag ich gerne, was mache ich beruflich, was kann ich überhaupt? Wo wohne ich und wie heißt mein bester Freund? Habe ich überhaupt Freunde?“. Aber auf keine dieser Fragen kennst Du die Antwort. Du kannst Dich einfach nicht erinnern. Denn Du weißt nicht, wer Du bist!

Warum es wichtig ist, Deine Identität zu kennen

Nicht zu wissen, wer Du bist, würde Dich innerlich zermürben. Du würdest es nicht aushalten; ja, Du würdest wahnsinnig werden! Ich bin mir sicher, Du würdest – genauso wie Jason Bourne – alles daran setzen, herauszufinden, wer Du in Wirklichkeit bist. Wir sehen also: Identität ist wichtig, sogar lebenswichtig. Du bist Dir dessen vielleicht nicht bewusst, aber das, was Du meinst zu sein, bestimmt Dein Handeln! Mit der Antwort auf die Frage, „Wer bin ich?“, kommt auch die Antwort auf die Frage, „Was soll ich tun?“. So ist es z.B. bei einem Fußballspieler. Wenn der auf dem Feld steht und den Pfiff hört, muss er sich nicht zuerst überlegen, was er als nächstes tun soll. Er hat eine bestimmte Rolle und Position im Spiel. Und aus dieser ergeben sich für ihn Aufgaben und Spielweisen. Er weiß, wer er auf dem Feld ist und darum weiß er, was er auf dem Feld zu tun hat.

Denke an Jesus. Er wusste schon sehr früh in seinem Leben was seine Identität war und was diese mit sich brachte. Mit zwölf Jahren antwortete er seinen Eltern, die ihn in der großen Stadt Jerusalem verzweifelt gesucht hatten: „Weshalb habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). Hier und in seinem gesamten Dienst wird sichtbar: Jesus wusste, dass Er der Messias ist, der Sohn Gottes, der gekommen war, um Gottes Willen zu tun. Er wusste, wer Er ist und dieses Wissen hat sein Handeln geprägt. Blättern wir im Lukasevangelium nur ein wenig weiter lesen wir, wie Jesus sagt: „Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen; denn dazu bin ich gesandt“ (Lk 4,43; vgl. auch 12,50; 13,33; 19,5).  

Für Dich ist es genauso wichtig, zu wissen wer Du bist. Je mehr Dir Deine Identität bewusst ist, desto klarer liegt Dir der Weg vor Augen, den Du gehen sollst. Aber woher bekommst Du Deine Identität?

„Du bist, was Du isst“ und sonstige Identitätskrisen  

Wer bin ich? Wie würde die Welt an unsere Frage vor dem Spiegel rangehen? Wurdest Du schon mal mit Aussagen konfrontiert wie: „Du bist, was Du isst/ anziehst/ kaufst/ liest/ schaust/ …“? Die Gesellschaft will Dir vermitteln, dass Du Deine Identität durch Dein Tun erhältst. Man würde Dir vermutlich sagen: „Forsch nicht lange nach! Sei Du selbst“. Konkret heißt das z.B.: „Tue gute Dinge, dann bist Du ein guter Mensch“. Mit anderen Worten: Das was Du tust, macht Dich zu dem, was Du bist. Aber dieser Ansatz ist verkehrt. Es ist genau andersherum, denn niemand von uns kommt „identitätslos“ daher und entwickelt seine Identität durch sein Handeln.

Gleichzeitig begegnet Dir auch eine Überbetonung des Gefühls. Damit wird gesagt, dass Deine Identität durch Dein Empfinden bestimmt wird. Du bist, wie Du Dich fühlst. Achte mal darauf und Du wirst diese Ideologie in hundert Werbespots entdecken. Die Gesellschaft, in der Du lebst hat die Ideologie des Individuums an die Spitze getrieben! Wenn sich etwas nicht gut für Dich anfühlt, dann ist es nicht richtig, denn schließlich bist Du ja, wonach Du Dich fühlst. Das geht bis hin zu Deiner Geschlechtsidentität. Heutzutage kannst Du Dich entscheiden, ob Du Mann, Frau oder divers bist. Aber all das ist eine Lüge. Wenn Du ehrlich bist, dann weißt Du, dass Du Dich nicht auf Deine Gefühle verlassen kannst. Gefühle sind oft so wechselhaft wie das Wetter an einem stürmischen Tag. Deine Identität wird nicht dadurch bestimmt, wie Du Dich fühlst. Und darüber solltest Du froh sein. Stattdessen gibt es jemanden, der Deine Identität bestimmt: Gott, Dein Schöpfer!

Gott gibt Dir Identität

Wer bin ich? Lass uns nachlesen, was Gott selbst dazu sagt. Öffne z.B. einmal den Schöpfungsbericht. Er endet damit, dass Gott den Menschen erschafft. Aber Gott formt nicht einfach den Menschen, um ihn dann in diese neue Welt zu setzen mit den Worten: „So Du kleines Etwas, geh und schau mal, zu was Du Dich entwickelst“. Nein, Gott gibt dem Menschen Identität!

Lesen wir 1.Mose 1,26-30:

„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen […] über die ganze Erde […] Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie“.

Hier sehen wir, dass Gott es genau andersherum macht als die Menschen meinen: Gott gibt uns Identität. Und aus dieser Identität ergeben sich für uns dann Aufgaben, Verantwortung und Lebenssinn. In diesen zwei Versen ist so viel enthalten, das unsere Identität ausmacht und es ist für Dich ungemein wichtig, Dir dessen bewusst zu sein. Denn Gott hat Deinem Leben einen Sinn und einen hohen Wert gegeben. Darum nimm Dir die Zeit, ein wenig tiefer in diese Verse einzusteigen.

1. „Lasst uns Menschen machen“ – Wir sind Gottes Schöpfung. Wir sind kein Produkt des Zufalls (was bedauerlicherweise viele Menschen annehmen). Wir stammen auch nicht von den Affen oder sonstigen Wesen ab, sondern Gott hat uns „ein wenig niedriger gemacht als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre [hat er uns] gekrönt“ (Ps 8,6). Er hat uns bewusst geformt. Nicht nur unseren Körper, sondern auch unser Wesen.

2. „nach unserem Bild, uns ähnlich“ – In der Theologie nennt sich dieser Identitätsaspekt das Imago Dei. Dieser Begriff, der einfach lateinisch für „Bild Gottes“ steht, gibt Deinem Leben einen unglaublich tiefen und schönen Wert. Diese Gottesähnlichkeit zeigt: der Mensch ist einzigartig in der Schöpfung. Gleichzeitig gibt sie dem Menschen ein wunderbares Gefühl der Zugehörigkeit, denn das haben alle Menschen gemeinsam: wir sind nach Gottes Bild geschaffen. Außerdem zeigt diese Wahrheit, dass Du Sein Wesen widerspiegeln sollst. Das erkennen wir, wenn wir weiterlesen.

3. „die sollen herrschen“ – Der gottgegebenen Identität folgen Aufgaben, die Gottes Wesen reflektieren. In Vers 28 (und später in Kapitel 2) gibt Gott dem Menschen diese Aufgabe in einer direkten Aufforderung. Sie sollen „fruchtbar sein“, sollen „die Erde befüllen“ und „sich ausbreiten“, sollen sie „bebauen“ und über die Schöpfung „herrschen“ (so, wie Gott es tut). Du siehst also: Zuerst gibt Gott dem Menschen Identität und daraus folgen dann Aufgaben und Verantwortung. Nicht andersherum. 

4. „als Mann und Frau schuf er sie“ – In unserer Zeit ist es sehr wichtig zu betonen, dass Gott auch die Geschlechteridentität von Anfang an festgelegt hat. Es gibt hier keinen Spielraum: Nur Mann und Frau. Leider wirst Du trotzdem (vor allem, wenn Du noch zur Schule gehst) immer häufiger mit der Behauptung konfrontiert, dass es noch viel mehr als diese zwei Geschlechter gibt. Ein klarer Angriff auf unsere Identität! Aber es bleibt, wie es immer war: Gott bestimmt unsere Identität. Dein Schöpfer zeigt Dir, wer Du bist.

Zu guter Letzt

Die Frage war: „Wer bin ich und woher bekomme ich meine Identität?“ Wir haben gesehen: Gott ist derjenige, der Deinem Leben Sinn und Erfüllung gibt. Das tut Er auch dadurch, dass Er Dir von Anfang an Identität verleiht. Diese gottgegebene Identität hat Einfluss auf Dein Handeln und Fühlen. Vieles in der Welt ist darauf aus, Deine Identität anzugreifen und Deine Vorstellungen davon zu verdrehen. Umso wichtiger ist es für Dich, Deine Identität und ihren Ursprung zu kennen. Nimm die Sache ernst und werde Dir bewusst, dass ein Zustand wie der von Jason Bourne, schrecklich ist! Wenn Du aber ein Kind Gottes bist, dann darfst Du Dich freuen. Denn die Suche nach Deiner Identität wird nicht traurig, brutal und angsteinflößend sein, wie bei dem Agenten mit Gedächtnisverlust. Und ebensowenig wird die Entdeckung Deiner Identität so verwirrend und schrecklich sein. Im Gegenteil. Deine Identität ist in Christus! Ich werde in einem weiteren Artikel genauer darauf eingehen, was das bedeutet. Lass Dich aber jetzt schon dazu ermutigen, Deine Bibel in die Hand zu nehmen und darauf zu achten, was Gott darüber sagt, wer Du bist. Die Imago Dei gibt Deinem Leben einen unglaublichen Wert und ebenso einen Sinn. Diesen Sinn vor Augen zu haben bedeutet für uns, dass wir nicht wanken, auch wenn der Rest der Welt unsere Identität erbittert angreift. Wir sind Gottes Schöpfung, wir sind Gottes Kinder!

Auch interessant

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Du die Seite weiter benutzt, gehen wir von Deinem Einverständnis aus. OK