Die Herrlichkeit Gottes – unser Ziel!? (2)

von Benjamin Tom
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Die Herrlichkeit Gottes – unser Ziel!? (2)

Ich hatte im ersten Teil dieses Artikels die Frage aufgeworfen, welche Fixpunkte König David hatte, um auf seiner Lebensachterbahn zurechtzukommen. Mithilfe der Psalmen ist offensichtlich geworden, dass König David die Zentralität von Gottes Herrlichkeit erkennen durfte. Wenn Gottes Herrlichkeit sogar der absolute Fixpunkt Gottes selbst ist – was heißt das nun für uns?

Das Um-sich-selbst-Drehen des Menschen

Ich bin vor einiger Zeit auf die Aussage gestoßen, wir Christen seien heutzutage viel zu sehr menschenzentriert, weshalb uns von dem ständigen Um-sich-selbst-Drehen auch schnell übel werde. Angeblich hätten wir den Blick für die Herrlichkeit Gottes verloren. Ich hab dann begonnen diese Kritik an meinem Leben zu überprüfen und musste feststellen, dass sie viel Wahrheitsgehalt hat. Anstatt die Herrlichkeit Gottes im Sinn zu haben, machen sich oft überhebliche Gedanken breit, die danach fragen, wie Gott MIR am besten dienen kann.

Hier mal auszugsweise ein paar solcher Gedanken:

  1. Gott will doch, dass mein Leben gelingt. Also habe ich Anspruch auf Gottes Segen bei…
  2. Wenn Gott wirklich gut wäre, dann hätte er doch nicht…
  3. Ich bin wieder mal in einer Glaubenstiefphase. Gott was fällt Dir ein, mich da nicht sofort wieder herauszuholen?
  4. Gott, das Bibellesen hat mir heute schon wieder nichts gegeben. Wenn du willst, dass ich weiter dran bleibe, dann sorge bitte dafür, dass es interessanter wird.

Der Verlust und Wiedergewinn der Herrlichkeit Gottes

Alle diese Gedanken stellen nicht Gottes Existenz in Frage, aber Seine Herrlichkeit. Das war auch der Knackpunkt beim Sündenfall. Die Schlange hat nicht Gottes Existenz in Frage gestellt, aber sehr wohl die Herrlichkeit Gottes. Die katastrophale Folge des Sündenfalls wird in Röm. 3, 23 zusammengefasst: „Es ist kein Unterschied, alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“ Damit sind Sinn und Zweck der menschlichen Existenz verloren gegangen. Wir haben die Herrlichkeit Gottes verloren, d.h. wir haben die Fähigkeit verloren, sie zu sehen/wahrzunehmen und auch widerzuspiegeln. Nach dem Sündenfall konnte der Mensch Gott nur noch passiv verherrlichen. Ich bin im ersten Teil  kurz auf den Pharao eingegangen. Gott hat sich an ihm verherrlicht, aber er, der Pharao, hat das selbst nicht gemerkt und konnte sich währenddessen wohl auch nicht an Gott erfreuen.

Gottes eigentliche Absicht ist jedoch, dass der Mensch Gott aktiv und aus Überzeugung verherrlicht und dabei Freude empfindet. In Jesus hat uns die gute Botschaft erreicht, dass denjenigen, die Ihm glauben, eben das ermöglicht wird. Wir dürfen in Jesus wieder aktiv zur Verherrlichung Gottes leben. Nur durch Jesus haben wir den absoluten Fixpunkt wieder für unser Leben geschenkt bekommen: Die Herrlichkeit Gottes – die Beschäftigung mit der Herrlichkeit Gottes und Erfahrung der Verherrlichung Gottes. In Jesus haben unsere verblendeten Augen die Fähigkeit bekommen, die Herrlichkeit Gottes wieder zu sehen: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“ (2.Kor 4,6)

John Piper hat dazu in Anlehnung an den Heidelberger Katechismus folgendes formuliert: Das Hauptziel des Menschen ist es, Gott zu verherrlichen, indem er sich für immer an IHM erfreut. Letztendlich geht es darum, dass Gott Seine Herrlichkeit insbesondere an uns Menschen als Krone der Schöpfung offenbart. Wir bekommen Anteil an der Freude Gottes über Sich Selbst – das führt uns immer mehr zu Gottseligkeit. Es gibt nichts Besseres für uns, als dass Gott uns wieder die Möglichkeit eingeräumt hat, Seine Herrlichkeit darzustellen und Ihn dadurch zu ehren – mit unserem Sein und Tun. In 1. Korinther 10,31 heißt es dazu: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre / zur Verherrlichung Gottes.“

Was es heißt, Gott zu ehren

Was ist die Verherrlichung Gottes? Die Verherrlichung Gottes bedeutet, Gottes Herrlichkeit darzustellen und widerzuspiegeln. So wie ein Display Daten und Bilder darstellt, so sollen wir ein Display der Herrlichkeit Gottes sein. Wir sollen Seine Charaktereigenschaften in mildem Abglanz darstellen. Man soll unsere Gedanken und unser Verhalten beobachten und daraus Rückschlüsse darauf ziehen können, wie Gott ist und was Seine Herrlichkeit bedeutet – ist das nicht krass?

Was heißt es Gott zu ehren? Ehren heißt die Gewichtigkeit, Macht oder Autorität einer Person anerkennen. Wie lebt man zur Ehre Gottes? Vor einiger Zeit antwortete mir jemand auf diese Frage: Tu alle Dinge gemeinsam mit Jesus, sei im Gespräch mit Jesus! Das hat mich irgendwie bewegt. Seitdem wurde mir nochmal viel bewusster, dass das Denken bei einem Leben zur Ehre Gottes eine sehr wichtige Rolle spielt. Alles Tun wurzelt im Denken. Wenn wir alle Dinge zur Ehre Gottes tun wollen, dann muss dem ein Denken vorausgehen, das Gott und Seine Herrlichkeit zum Inhalt hat.

Das Denken und die Ehre Gottes

Wie denkt man nicht zur Ehre Gottes? Auf jeden Fall, wenn man wild sündigt. Aber im Grunde beginnt das schon dann, wenn man nicht an Gott denkt, weil man dann keinen Blick für Seine Herrlichkeit hat. Unsere Gedanken sollen anders sein: Es gibt einen Gott – und nicht irgendeinen Gott, sondern den einzig wahren und herrlichen Gott. Gottes Herrlichkeit sehen heißt, sie in den Gedanken zu haben. Gottes Ehre stehlen – das fängt nicht erst da an, wo man explizit sündigt, sondern da, wo man einfach schon nicht an Gott denkt, wo man Ihn nicht als Ursache und Ziel von allen Dingen anerkennt. Gott sehnt sich nach einer radikalen Ausrichtung unserer Gedankenwelt auf IHN. Das Beschäftigen mit der Herrlichkeit Gottes soll unser Herz erfüllen.

Wir Menschen denken im Prinzip unaufhörlich. Mithilfe des Internets habe ich herausgefunden, dass der Mensch am Tag etwa 60.000 Gedanken denkt. Es gibt ein riesiges Themenspektrum, das wir in unserem inneren Seelengespräch behandeln. Auf einer Internetseite steht folgendes über die Statistik unserer Gedanken:

  • 3% – aufbauende und hilfreiche Gedanken, die Dir und anderen nützen.
  • 25% – destruktive Gedanken, die Dir und anderen schaden.
  • 72% – flüchtige, unbedeutende Gedanken, dennoch mit Wirkung auf Dich selbst.

Gedanken über Gott maximieren

Vor kurzem bewegte mich die Frage: Wenn du den Zeitstrahl bis zum Ende deines Lebens bedenkst und die Anzahl der Gedanken, die du bis dahin noch denken kannst (ca. noch 1,3 Milliarden, wenn ich noch 60 Jahre lebe): Was willst du maximieren? Welche Inhalte sollen deine Gedanken haben? Ich kam dann zu folgendem Schluss: Bis zum Ende des Lebens will ich auf jeden Fall meine Anzahl an Gedanken über Gott und an Gott maximieren.

Was spricht dagegen, so viele kostbare Gedanken wie möglich denken zu wollen? Eigentlich nichts. Es gibt nichts kostbareres, als die Anzahl der Gedanken an Gottes Herrlichkeit zu maximieren. In der Wirtschaft wird auch nur das maximiert, was am meisten Gewinn verspricht. Gedanken über Gottes Herrlichkeit sind wohl auf der ganzen Erde der größte Gewinn. Wie denkt man zur Ehre Gottes? Ich würde sagen, jedes Mal, wenn wir an Gott denken, dann ist das schon eine Verherrlichung Gottes.

Als ich mit diesen Augen die Bibel gelesen habe, fiel mir auf, dass letztendlich die Summe der Bibel damit zu tun hat, möglichst viel über Gott nachzudenken.

  • „Gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“ (Spr 3,6)
  • „Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten. (2. Tim 2,8)
  • „Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“ (Hebr 12,3)

Gedanken über Gott trainieren

Vor einigen Tagen habe ich mich neu dazu entschieden, dass ich genau danach streben möchte möglichst viele meiner Gedanken auf Gott auszurichten. Ich hab sozusagen ein Gedanken-Herrlichkeitstraining begonnen. Das ist kein krampfhaftes Programm, wo ich mich zu irgendetwas zwinge, sondern ein Mittel, um in Gottes Herrlichkeit einzutauchen – und das begeistert und belebt zutiefst. Durch das Nachdenken über Gott, passiert etwas mit dem Menschen: Ich habe gemerkt, wie ich meinen Fixpunkt in Gott finde. Immer wieder merke ich, dass es das Schönste ist, wenn ich Gott, mein Leben und andere Menschen nicht aus meiner Perspektive sehe, sondern aus Gottes Perspektive.

Ein Gedankentraining ist auch deshalb nicht krampfhaft, weil wir mit offenen Augen eigentlich gar nicht anders können, als über Gott nachzudenken. Gott ist die Ursache alles Guten. Uns geht es in Deutschland so gut – deshalb kann fast alles für uns ein Anlass sein, Gott zu verherrlichen (Arbeit, Mitmenschen, Schöpfung etc.). Es macht richtig Spaß, bewusst wahrzunehmen, dass mein Leben dazu dient, Gottes Herrlichkeit darzustellen. Ich merke, wie ich immer mal wieder Lichtblicke dieser Freude an Gott erleben darf, wenn ich meine Gedanken bewusst auf Ihn ausrichte.

Wir haben nicht irgendeinen Gott, sondern den einen wahren Gott, der eine große Herrlichkeit hat. Gott ist das Wertvollste, was unser Denken als Inhalt haben kann. Beim Lob denken wir an das Gute, das Gott uns aufgrund Seiner Herrlichkeit geschenkt hat. Bei anbetenden Gedanken ist Gottes Wesen Selbst der kostbare Gedankeninhalt – kostbarere Gedanken gibt es weder in Zeit noch Ewigkeit.

Da, wo uns vermeintlich Schlechtes widerfährt, bleibt uns nichts anderes übrig als trotzdem anzuerkennen, dass Gottes Herrlichkeit so groß ist, dass Er uns alle Dinge zum Besten dienen lässt. Es ist völlig unbegreiflich, wie Gott das macht, aber ER hat gesagt, dass Er es machen will.

Verändert durch die Herrlichkeit Gottes

Das Beste ist: Durch das Anschauen der Herrlichkeit Gottes werden wir verändert. Es soll ja nicht nur beim Denken bleiben: „Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“ (2. Kor 3,18) Das Anschauen der Herrlichkeit Gottes, indem wir an Ihn denken, verändert unseren Charakter und damit letztendlich auch unsere Taten. Weil wir noch nicht perfekt sind, gibt es darin Höhen und Tiefen für uns. Aber es geht vorwärts, wenn wir uns mit aller Kraft auf Gott ausrichten, wobei uns der Heilige Geist helfen möchte. Er ist dazu ja auch auf diese Erde gesandt worden.

Zum Schluss bleibt festzustellen: In den Psalmen können wir erkennen, dass David mit den Augen seines Herzens immer wieder zu Gott aufgeschaut hat. Dadurch erkannte er, dass sich die Welt im Grunde nicht um den Menschen dreht. Unser Problem ist, dass wir den Spieß oft umdrehen und sagen: Gott, wer bist du eigentlich, dass du mir nicht dieses oder jenes gibst? Warum hast du mich nicht gesegnet? Wo warst du, als mir diese Sache widerfahren ist? Stattdessen sollten wir uns darin üben und einander dazu motivieren, über die Herrlichkeit Gottes nachzudenken. Möge Gott uns die Gnade geben, immer wieder erleuchtete Augen des Herzens zu haben, die ihren Fixpunkt in Seiner Herrlichkeit suchen und finden (Eph 1,18).

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Reformierter Spiegel #53 – Timotheus Magazin 7. November 2016 - 19:02

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