Liebe ohne Unterschiede (Phil 1,1-11) – Teil 4

von Alexander Hiller
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Liebe ohne Unterschiede (Phil 1,1-11) – Teil 4

In Teil 3 hatten wir uns die Liebe Christi für seine Gemeinde angeschaut. In diesem letzten Abschnitt beantworten wir die Frage, von was unsere Liebe als Christen untereinander gekennzeichnet sein sollte.

III. Unsere Liebe füreinander 

Lasst uns Paulus Nachahmer sein, wie er Christi Nachahmer war! Wir sollten bei Paulus in die Schule gehen, wie er in der Schule Jesu war. Was lernte er dort?

Sich erniedrigen und demütigen, den andern höher achten als sich selbst!
Paulus hat die Philipper in seinem Herzen (V.7). Er sehnt sich nach den Philipper mit der herzlichen Liebe Jesu Christi (V.8). Sein Herz ist erfüllt mit der Sehnsucht nach seinen Geschwistern in Christus. Sein Herz ist nicht erfüllt mit Eigensinn und Selbstsucht. Denn wer nur sich selbst und seine eigenen Wünsche und Begierden im Herzen hat, der sucht nur das Seine. Sobald irgendetwas diese egozentrische Lebensweise gefährdet, wird es mit aller Macht bekämpft. Wie viele Menschen um uns herum leben so? Wie viele, die sich Christen nennen, suchen nur ihren eigenen Vorteil? Von solchen schreibt Paulus in Philipper 2,21: „Denn sie suchen alle das Ihre, nicht das was Jesu Christi ist.“ Wie oft suchen wir nur das Unsere? Unser Wohlbefinden, unseren Frieden, unsere Freizeit? Wie oft entsteht Streit und Entzweiung, selbst unter Christen, wenn jeder nur das Seine sucht?

Eine vielleicht ungewöhnliche Illustration fiel mir auf, während ich diese Zeilen schrieb. Ich saß an meinem Schreibtisch. Beim Überlegen hob ich meinen Blick über den Bildschirm und schaute in Gedanken aus dem Fenster in den Garten. Plötzlich wurden meine Gedanken von etwas unterbrochen. Ich sah wie zwei Vögel miteinander „stritten“. Es waren zwei kleine Amseln, die wegen ein bisschen Futter „in die Federn“ geraten waren. Sie jagten auf der Wiese und in der Luft herum. Auch balancierten sie in ihrem Kampf auf dem Rand der offenen Regentonne – sehr gefährlich, vielleicht sogar tödlich. Für mich war das ein Bild des Menschen, dessen Herz von eigenen Begierden und selbstsüchtigen Wünschen erfüllt ist. Anstatt Nahrung zu teilen, bekämpft man sich gegenseitig. Die Sünde hat uns alle zu Krüppeln gemacht, die, anstatt barmherzig im Teilen zu sein, sich lieber bekämpfen. In solchen Situationen kommt durch unsere Worte und Taten heraus, was in unserem Herzen ist. Lasst uns Liebe in unserem Herzen haben für unsere Geschwister, und nicht Hass, Streit, Neid, Entzweiung, Hochmut, Stolz.

Liebe zeigt sich in Taten
Was hat Paulus nicht alles für die Gemeinde erduldet? Von all seinen Leiden und Mühen, die er für die Gemeinde auf sich nahm, lesen wir z.B. in 2. Korinther 11,16-33. Was hat der Herr Jesus nicht alles für seine Gemeinde getan! Jesus Christus ist Mensch geworden und hat den Jüngern die Füße gewaschen! Ich zeige meine Liebe und achte den andern höher als mich selbst, indem ich mich selbst zurücknehme und für den andern eine liebende Tat tue, ihm zuhöre, ihm helfe!

Alle Geschwister gleichermaßen lieben
Machen wir einen Unterschied in der Gemeinde? Halten wir viel von dem, der einen tollen Job hat, und den, der vielleicht nicht ein Topverdiener ist, verachten wir? Bei dem Herrn Jesus haben wir etwas anderes gelernt. In Matthäus 23,8 sagt er uns: „Ihr aber, laßt ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.“ Du solltest jeden Bruder und jede Schwester gleichermaßen lieben. Bete für dich selbst, dass du eine herzliche Liebe für deine Geschwister hast. Bete um ein weiches Herz, welches Fehler vergibt und deinen Nächsten lieben kann. Der englische Puritaner Richard Sibbes (1577-1633) schreibt in seinem Buch Josiah’s Reformation (deutscher Titel: Die von Herzen kommende Demut) über das weiche Herz:

Ein weiches Herz ist fügsam und nachgiebig. Nun wird das als nachgiebig und fügsam bezeichnet, was der Berührung von allem nachgibt, was man dagegen drückt und diesem nicht standhält. Nicht wie bei einem Stein, der zurückprallt, wenn er gegen eine Mauer geworfen wird. …[Es ist] wie Wachs, der der Lenkung dessen nachgibt und sich dem fügt, der es bearbeitet, und dafür geeignet ist, jede Prägung anzunehmen, die ihm aufgedrückt wird. Bei einem weichen Herzen gibt es keinen Widerstand, sondern es fügt sich sogleich jeder Wahrheit und besitzt Geschmeidigkeit und die Fähigkeit, jede Prägung anzunehmen und jede Sache auszuführen; ein solches Gemüt ist wahrlich geeignet für ein Herz, das vom Geist gewirkt wurde… So ist ein weiches Herz für alle Pflichten gegenüber Gott und allen Aufgaben der Liebe gegenüber Menschen qualifiziert.

Wie ein weiches Kissen, im Gegensatz zum harten Stein, wo nur alles abprallt, so soll unser Herz im Umgang mit Gott und den Menschen sein. Tagtäglich bei Anfechtungen – nicht nur in der Schule, an der Arbeit – besonders in der Gemeinde: Wenn ein anderer Stein mir vermeintlich wehtut, dann im Gebet zu Gott kommen – den Stein, der mich stört, an Gott abgeben: „Liebe ist langmütig,… sie lässt sich nicht erbittern.“ (1Kor 13,4f) Wir alle wissen, wie sehr wir in diesem Punkt mangeln! Versteht, dass ihr zum gleichen Leib gehört und der Herr Jesus euch gleichermaßen liebt. Lasst uns solche Liebe füreinander haben!

Füreinander beten
Denke wie Paulus oft über deine Geschwister nach. Finde heraus, wie es ihnen ergeht. Höre ihnen genau zu, wenn sie dir etwas erzählen, oder in der Gebetsstunde aus ihrem Leben berichten. Empfinde mit ihnen Freude, wenn sie sich freuen. Teile ihr Leid, wenn sie betrübt sind. Interessiere dich für jeden. Danke Gott für sie, für alles was Er in ihrem Leben tut. Bete, dass deine Liebe zu ihnen wächst. Bete für sie, dass ihre Liebe wächst, in Erkenntnis und Einsicht. Bete dafür, dass du mit den Christen in deiner Gemeinde Gemeinschaft am Evangelium haben kannst, in persönlichen Gesprächen und im öffentlichen Verkündigen des Evangeliums. Und bete für Christen aus anderen Gemeinden, mit denen du Gemeinschaft am Evangelium hast.

Ein praktischer Vorschlag: Mache eine Liste mit allen Gemeindemitgliedern (wenn du noch keiner Gemeinde angehörst, dann mit allen Christen, die du kennst). Dann versuche, eine Sache im Leben von jeder Person zu finden, wofür du dankbar bist. Danke Gott für diese Person und bete für sie.

Ihr habt gelesen, wie die Philipper von Paulus gleichermaßen geliebt wurden und wie Christus alle Gläubigen liebt. So sollen auch wir uns nun lieben – ohne Unterschiede!

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