Ps 119,9: Der junge Mann braucht Gottes Wort – Teil 2

von Alexander Hiller
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Psalm 119:9

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Hier geht es zurück zu Teil 1.

2. Das unsträfliche Leben

„Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte.“

Was bedeutet ein unsträflicher Weg? Vom deutschen Wortsinn her bedeutet es, so zu leben, dass man nicht bestraft wird – das wäre eine negative, verneinende Antwort. Der hebräische Wortsinn gibt jedoch eine positive, bejahend formuliert Antwort: Es bedeutet, rein zu leben, ja mehr noch, sogar so zu leben, wie Gott heilig ist. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ (1. Petrus 1,15)

„Heiligkeit ist die Gewohnheit, dass unser Denken mit Gottes Denken übereinstimmt, wie wir seine Gedanken in der Schrift vorfinden“ sagt J.C. Ryle. Es bedeutet, Gott zu fürchten, mit Gottes Urteil übereinzustimmen, das zu hassen, was Gott hasst, das zu lieben, was Gott liebt und alle Dinge in der Welt anhand seines Wortes zu beurteilen. Alle Entscheidungen, die man zu treffen hat, mit Gott zu besprechen und seinem Wort zu gehorchen. Wie auch der Psalmist schreibt: „Ich will dein Gesetz halten immer und ewiglich.“ (Psalm 119,44). Gleichzeitig ist Heiligkeit ein Bestreben, mit jeder Sünde zu brechen und jedes Gebot Gottes zu halten „Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige“ (Psalm 119,11). Aber wir sehen hier auch den Bezug zu den ersten Versen des 119. Psalms: „Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln.“ Nachdem der Psalmist über diese Seligpreisung nachgedacht hat, fragt er sich, wie ein junger Mann denn so leben kann.

Der Lebensweg muss, damit er unsträflich, rein und heilig sei, frei gehalten werden von Sünden bzw. von den bereits begangenen Jugendsünden gereinigt werden und dann frei gehalten werden von den vor ihm liegenden Sünden, zu denen ihn das Leben verführen könnte!

Darum handelt es sich. Und dies ist alles andere als leicht!  Und jeder junge Mann sollte sich dieser Herausforderung stellen. Denn es gibt keine herrlichere und höhere Aufgabe, als ein reines, unbeflecktes und unsträfliches, ein heiliges Leben, ein Leben in Gemeinschaft mit Gott zu leben! Denke aber nicht, dass du den Weg schon von allein finden und den Sieg leicht erringen werdest, dass es genug sei deiner jetzigen Klugheit und Stärke zu vertrauen!

Du hast vielleicht gerade viele Fragen, die dein zukünftiges Leben betreffen – wie wird mein zukünftiges Berufsleben aussehen – werde ich eine Familie gründen – was nehme ich mir vor im nächsten Jahr – was will ich in meinem Leben noch so tun. Der Psalmist legt dir hier aber eine andere Frage vor, die viel wichtiger ist als alle anderen: Wie kannst du deinen Weg unsträflich und rein gehen?

Junge Männer in der Bibel – ein ermutigendes Vorbild eines unsträflichen Lebens

Aus dem Alten Testament ließen sich hier viele gute Beispiele anführen von jungen Männern, die schon früh Gott dienten und für ihn lebten. Lest nur mal die Geschichten von Samuel, David, Salomo, Hiskia, Josia, Jeremia und Daniel. Wir wollen uns aber noch kurz ein Beispiel aus dem Neuen Testament anschauen: Den jungen Mann Timotheus.

Timotheus war ein Mitarbeiter von Paulus. Der leibliche Vater von Timotheus war ein Grieche und seine jüdische Mutter Eunike sowie seine Großmutter Lois waren Gläubige (Apg 16,1-3; 2. Tim 1,5).  Aber warum dient Timotheus als Vorbild eines jungen Mannes? 3 Gründe:

  1. Timotheus lebte ein unsträfliches Leben:
    „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit.“ (1. Tim 4,12)
    Die Leute sollten sich sogar davor hüten, ihn nur wegen seines jungen Alters zu verachten. Obwohl Timotheus ein junger Mann war, konnte Paulus ihn der Gemeinde von Philippi empfehlen, weil er schon eine Vorbildfunktion für andere Gläubige erfüllte, indem er ein dem Evangelium entsprechendes Leben führte – ein reines und heiliges Leben.
  2. Timotheus brauchte Ermahnung und nahm sie an:
    „Fliehe die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.“ (2. Tim 2,22)
    Es war aber auch für einen vorbildlichen jungen Mann wie Timotheus keine leichte Aufgabe, ein unsträfliches Leben zu führen. Auch ihn musste Paulus warnen, dass er sich davor hüten sollte, es seinen Altersgenossen gleich zu tun und der Sünde nachzugeben. So wurde auch der gottesfürchtige Timotheus ermutigt, seine Vorbildfunktion zu erfüllen, aber auch ermahnt, die Begierden der Jugend zu fliehen.
  3. Timotheus hatte das Wort Gottes als Grundlage:
    „Du aber, bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.“ (2. Tim 3,14+15)
    Schließlich wusste Paulus, was die Grundlage für das unsträfliche und heilige Leben von Timotheus war. Es war nicht sein eigenes Vermögen. Es war die Heilige Schrift, das Wort Gottes. Damit war Timotheus von Kindesbeinen an vertraut. Von Kind auf hat Timotheus das Wort geliebt, studiert, gelernt, festgehalten, es zur Grundlage für Entscheidungen gemacht. Und deswegen wurde aus ihm ein Mann Gottes. Entscheidungen, die in der Kindheit und Jugend gemacht werden, prägen das ganze Leben. Er war aufgewachsen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, und war auch dabei geblieben (1.Tim 4,6). Das ist sehr wichtig für alle jungen Männer. Bleibt bei der Schrift, bei der guten Lehre und den Worten des Glaubens. Aber um bei etwas zu bleiben, braucht man Disziplin. Gute Gewohnheiten wie Bibellese und Gebet jeden Tag kommen nicht von allein, sondern nur wenn man sich täglich diszipliniert. Ein Buch außer der Bibel, was mir persönlich geholfen hat und noch hilft ist „Diszipliniert leben“ von Richard S. Taylor.

Im nächsten Teil knüpfen wir hier direkt mit Punkt drei, dem Wort Gottes, an.

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