Bedeutet Freiheit Unabhängigkeit?

von Samuel Stolz
0 Kommentar
Bedeutet Freiheit Unabhängigkeit?

Wie kannst du nur heutzutage noch heiraten? Damit machst du dich doch total abhängig.“ „Wenn du dauernd den Regeln deiner Eltern gehorchst und das machst, was sie sagen, bist du gar nicht richtig frei.“ „Nur der, der seine eigenen Entscheidungen ohne Einfluss anderer trifft ist wirklich unabhängig und frei.“ „Freiheit bedeutet Unabhängigkeit.

Kennst du solche Aussagen? Freiheit wird heute oft als Unabhängigkeit gesehen. Auch eine Aussage von Jesus aus Johannes 8 scheint in diese Richtung zu weisen:

„Wenn nun der Sohn euch freimachen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.“

Joh 8,36

Freiheit ist anscheinend Unabhängigkeit. Aber was sagt Jesus mit dieser Aussage wirklich? Und was ist richtige Freiheit eigentlich?

Jesus und Drachen

Wer schon einmal in einer windigen Jahreszeit am Strand war, kennt sie: Bunte, in allen Größen erhältliche Flugdrachen aller Art. Kinder lieben diese lustigen Spielzeuge, die mit kurzen Handbewegungen und ausreichendem Wind alle möglichen Formen fliegen können. Zu diesen Zeiten sieht man dann Väter mit ihren kleinen oder größeren Jungs und Mädchen über die Wiesen springen, verzweifelte Eltern ihre gerade erst gekauften Drachen reparieren oder weinende Kinder vor den mehrfach verwobenen Stricken der Flugobjekte stehen.
So ein Drachen vermittelt das Gefühl von Freiheit. Wie er in der Luft steht, wie er in Kreisen und Loopings seine Bahnen zieht, wie er sich ganz langsam oder extrem schnell von A nach B bewegt: Er scheint frei zu sein. Und doch ist er es nicht. Jeder Drachen ist nur dann zu solchen Bewegungen fähig, wenn er verbunden ist – verbunden mit einer dünnen Nylon-Schnur, die den Drachen mit seinem Besitzer verbindet. Und obwohl dieser Drache nicht unabhängig ist, so ist er dennoch frei. Denn nur durch die Verbindung mit der Schnur kann er Formen fliegen und freie Bewegungen machen. Ohne diese Verbindung würde er sang- und klanglos zu Boden stürzen und keinem Kind oder Erwachsenen Freude bereiten.

Jesus spricht in einem Gespräch, aus dem auch der Vers von oben kommt, mit einigen jüdischen Nachfolgern über das Thema „Freiheit“. Er erklärt ihnen, dass sie gar nicht wirklich frei sind. Sie meinen zwar, freie Menschen zu sein, aber Er entlarvt ihre Selbstgerechtigkeit und nennt sie sogar „Sklaven der Sünde“ (Joh 8,34). Er zeigt ihnen auf, dass sie nicht frei sind, nur weil sie jüdischer Abstammung sind oder besonders fromme Verhaltensweisen haben. Doch Jesus zeigt ihnen nicht nur ihre Unfreiheit auf, sondern gibt ihnen auch die Lösung mit: Sich selbst

Echte Freiheit: verbundene Freiheit

Wir denken heute oft, Freiheit würde Unabhängigkeit bedeuten. Je weniger ein Mensch sich von anderen abhängig macht, desto mehr Freiheit erlangt er. Jemand, der sich durch die Ehe an einen Partner lebenslang bindet, ist unfrei. Jemand, der Kinder hat, ist unfrei. Er muss in allen seinen Entscheidungen auch andere Menschen mit einbeziehen. Er ist abhängig und damit nicht wirklich frei.

Wenn Jesus von Unfreiheit spricht, dann ist das für Ihn die Versklavung unter die Sünde. Jemand, der nicht frei ist, ist abhängig von der Sünde. Er ist damit sogar ein „Kind Satans“ und befindet sich in Abhängigkeit von ihm (Joh 8,44). Aber Jesus zeigt auf, dass, wie bei dieser Unfreiheit, auch echte Freiheit abhängig ist. Jemand, der sich frei nennen kann, ist in erster Linie frei von Sünde. Er wird von seiner Abhängigkeit gegenüber der Sünde befreit, indem er abhängig von Jesus und seiner Lehre wird (Joh 8,31-32). Menschen, die in Seinem Wort bleiben, sind wirklich frei.

„Wahre Freiheit ist verbundene Freiheit!“

Wie bei einem Drachen sollen wir uns also frei bewegen: Unsere Kreise ziehen, unser Leben führen. Aber bei allen Bewegungen halten wir uns fest und sind verbunden mit dem Wort Gottes. Wir sind verbunden mit Jesus Christus selbst. Dadurch erst sind wir gesichert vor dem Abstürzen und können wirklich frei sein. Ein Loslösen von diesem „Faden“ wird mit einem Absturz enden, der schlimme Folgen hat. Aber richtige, echte Freiheit, ist immer abhängig. Sie ist abhängig von Jesus Christus. Wahre Freiheit ist verbunden mit seinem Wort und seiner Person. Nur so können wir frei sein.

Diese Wahrheiten hast du vielleicht schon oft gehört. Trotzdem glaube ich, dass sie extrem relevant sind. Es gibt nämlich zwei Seiten von falscher Freiheit, die immer wieder von Jesus wegziehen wollen. Sie lassen uns in falsche Richtungen laufen, sie sind nicht mehr verbunden mit der Schnur: Die entbundene und die gebundene Freiheit.

Fake-Freiheit #1: Entbundene Freiheit

Schneidet man bei einem Drachen die Nylon-Schnur ab, fällt er zu Boden und kann nicht mehr fliegen. Genau das gleiche passiert, wenn sich Menschen auf ihre eigenen Fähigkeiten stützen, anstatt auf Jesus und Sein Wort zu vertrauen. Entbundene Freiheit sagt: „Ich bin frei, also kann ich tun und lassen, was ich will.“ Man könnte diese falsch verstandene Freiheit auch als Unabhängigkeit, Gesetzlosigkeit oder Libertinismus bezeichnen. Christen, die diese Art der Freiheit anerkennen, vertrauen sich selbst mehr als ihrem Retter Jesus. Sie stehen in der Gefahr, Gottes Liebe und Gnade höher zu stellen als Seine Gerechtigkeit und Strafe. Ihre Lebensziele ähneln eher einer Selbstverwirklichung, als dass sie den Zielen Gottes folgen. Diese Freiheit ist nicht wirklich frei, weil sie sich nur an sich selbst orientiert und damit in eine falsche Richtung läuft.

Fake-Freiheit #2: Gebundene Freiheit

Bindet man einen Lenkdrachen an einen Baum (komische Vorstellung), dann kann er nicht mehr fliegen. Er ist unfrei und zu nichts zu gebrauchen. So verhalten sich Christen, die sich selbst durch ihre guten Werke und ihr „christliches Leben“ Anerkennung bei Gott erhaschen wollen. Sie wollen Jesus beweisen, dass sie es wert waren, von Ihm gerettet zu werden. Dafür müssen sie viel Bibel lesen, beten, regelmäßig in die Gemeinde gehen, usw. Diese falsche Freiheit kann man als Moralismus oder Gesetzlichkeit bezeichnen. Wer in diese Richtung tendiert, hat in seinem Gottesbild ausschließlich den strafenden, gerechten Gott vor Augen, ohne Seine Liebe und Gnade in Jesus Christus. Sein Leben besteht eher in der Angst, Jesus zu enttäuschen, als in der Freiheit, Ihm Ehre bringen zu können. Auch dieses Verständnis von Freiheit ist nicht wirklich frei, weil es um das „Gut-Sein“ vor Gott geht, dass man sich durch strenge Befolgung von Regeln verdienen will.

Beispiel: Filme und Serien

Wie stehen die drei Freiheits-Vorstellungen nun zu verschiedenen Themen? Wenn ich zu einer dieser falschen Vorstellungen tendiere, wie merke ich das in meinem Alltag? Ich möchte das anhand unserer heutigen Art von medialer Unterhaltung demonstrieren.

Nehmen wir einen harmlosen Film: Ocean´s Eleven. In diesem Film geht es um elf Männer, die einen genialen Raubzug planen. Sie schaffen es, viel Geld zu stehlen und der Zuschauer fiebert mit, ob er das tatsächlich vollbringt. Reflektiert man einmal, was man sich da anschaut, stellt man Folgendes fest: Der Zuschauer lässt sich von einem Diebstahl unterhalten. Man schaut damit einer Sünde zu. Jeder, der den Film Ocean´s Eleven (ein „ganz harmloser Film“) schaut, vergnügt sich mit Sünde. Er erfreut sich daran, dass Männer es schaffen, viel Geld zu stehlen.

Wie ist die Antwort auf diese Tatsache? Die Freiheit durch Christus, die verbundene Freiheit, würde sagen: „Jesus hat mich befreit, deshalb muss ich diese Filme nicht mehr schauen. Ich muss mich nicht mehr von Sünde unterhalten lassen. Ich kann mich mit Dingen beschäftigen, die keine Sünde sind. Ich bin frei, das zu tun.
Die Fake-Freiheit #1, also die entbundene Freiheit, würde behaupten: „Ich bin frei, also kann ich das tun, was ich für richtig halte. Ich kann also jeden Film schauen, der für mich in Ordnung ist. Ich kann selbst entscheiden, was für mich gut und richtig ist.
Die zweite Fake-Freiheit würde antworten: „Ich bin frei, aber ich muss mir diese Freiheit auch erhalten. Daher schaue ich gar keine Filme mehr, jeder Film ist Sünde. Dann wird Gott zufrieden mit mir sein.

Beide Fake-Freiheiten machen nicht wirklich frei. Nur die Freiheit durch die Verbindung mit Jesus kann uns frei machen. Nur sie kann es bewirken, dass wir uns nicht mehr von Sünde unterhalten lassen müssen. Sie zeigt uns, dass wir abhängig sein müssen von Jesus, um wirklich frei zu sein. Er kann uns befreien von falscher Gesetzlichkeit oder Gesetzlosigkeit. Wir halten uns an Jesus, unseren Retter und Herrn. Unser König hat uns befreit! Wir dürfen frei sein!

Zum Weiterdenken:

  • Wo stehst du in der Gefahr, einer falschen Freiheits-Vorstellung hinterher zu rennen? Wie ist das Evangelium (die verbundene Freiheit) die Antwort darauf?
  • Wen kennst du, der eine falsche Vorstellung von Freiheit hat? Wenn du diesen Artikel hilfreich fandst, schick ihm den doch einfach. ?

Auch interessant

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Du die Seite weiter benutzt, gehen wir von Deinem Einverständnis aus. OK