Zum 500. Reformationstag: Ein Bekenntnis Luthers

von Simon Mayer
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Am Ende seines Buches „Vom unfreien Willen“ findet Luther noch einmal sehr persönliche Worte:

Von mir selber bekenne ich: Wenn ich zu wählen hätte, wünschte ich mir keine Willensfreiheit. Ich möchte nicht die Möglichkeit haben, mich um meine Seligkeit selber zu bemühen. Denn wie dann bestehen? Es gibt so viele Anfechtungen und Gefahren, es bedrängen den Menschen so viele böse Geister – von denen jeder einzelne stärker ist als alle Menschen zusammen -, dass niemand selig werden könnte. Doch ebenso, wenn es keine Gefahren, keine Anfechtungen und keine bösen Geister gäbe. Ich müsste mich aufs ungewisse plagen. Ich hätte keinen Grund unter den Füßen. Selbst wenn ich eine Ewigkeit damit verbringen dürfte, gute Werke zu tun, könnte mein Gewissen mir niemals sagen, wieviel ich tun muss, um Gott zu genügen. Bei jedem Werk, das ich vollbrächte, bliebe das quälende Bedenken: wird es Gott gefallen? Fordert Gott nicht noch mehr? Das ist die Erfahrung aller Werkgerechten. Auch ich habe das alles zu meinem großen Leidwesen viele Jahre lang durchmachen müssen. Doch Gott hat mir die Sorge um meine Seligkeit abgenommen. Ich weiß jetzt, dass meine Seligkeit von seinem und nicht von meinem Willen abhängt. Er hat verheißen, mich zu retten, nicht durch mein Tun und Laufen, sondern durch seine Gnade und Barmherzigkeit. Jetzt habe ich Gewissheit. Denn Gott ist treu. Er belügt mich nicht. Er ist so mächtig und so groß, dass kein böser Geist, keine Anfechtung ihn stürzen und mich ihm entreißen kann. Christus sagt: „Niemand wird die, die mir gehören, aus meiner Hand reißen, denn der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles andere“ (Joh 10,28f.). Auf diese Weise werden – wenn nicht alle – so doch einige, ja viele Menschen selig; während der freie Wille nicht einen Menschen vor dem ewigen Verderben retten kann. Wir können jetzt die Gewissheit haben, dass wir Gott gefallen. Es liegt jetzt alles nicht an unsern Werken und Verdiensten, sondern allein an seiner Gnade und Barmherzigkeit. Die hat er uns verheißen.

Martin Luther, Vom unfreien Willen [übers. von Otto Schumacher], Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1937. Seite 222f.

Es ist an der Zeit, das wahre Evangelium wieder zu entdecken und die Größe der Gnade Gottes zu verkündigen: zu Seiner Ehre und zum Wohle Seiner Kinder.

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