Dem Volk aufs Maul singen

von Larry Norman
14 Kommentare

Liebe Deutsche,

Ich habe eine Bitte an euch. Ich selbst bin gebürtiger Engländer, wohne aber seit 5 Jahren gerne in Deutschland und hoffe hier zu bleiben, bis der Herr mich heimruft. Ganz klar, es gibt einiges, was ich aus England vermisse. Familie, Freunde, echten Speck und gutes englisches Ale. Wohl bemerkt, ich habe meine Muttersprache nicht auf diese Liste gesetzt. Ich vermisse sie nicht, es gibt ja viele von euch, die Englisch sehr gut können. An manchen Tagen scheint ihr es sogar besser als ich zu können.

Deswegen habe ich eine Bitte an euch. Ich finde es sehr lieb von euch, dass ihr mir entgegenkommen wollt, und Sachen in euren Gottesdiensten und Jugendtreffen so gestaltet, dass ich mich Zuhause fühlen könnte, würde ich bei euch vorbeikommen. Aber ich vermisse meine Muttersprache nicht und deswegen bitte ich euch: Hört auf, Lieder auf Englisch in deutschsprachigen Gottesdiensten oder Jugendtreffen zu singen. Ich werde nicht sauer sein, wenn ihr meine Muttersprache ausschließt. Ich wäre euch sogar sehr dankbar.

Ja ich weiß, manche englischen Lieder sind sehr gut. Aber ihr braucht sie nicht zu singen. Nicht wegen mir. Singt bitte auf Deutsch.

Singt bitte auf Deutsch, damit:

  1. Das Evangelium uns eint, und nicht unsere Sprachkenntnisse.
  2. Der Unglaube Menschen von Anbetung ausschließt, und nicht der Mangel an Englischkenntnissen.
  3. Menschen nicht während den Liedern zuschauen, solange die auserwählten Englischkönner mitsingen.*
  4. Diese Generation ermutigt wird, das deutsche Liedgut ihrer Väter und Vorväter wiederzuentdecken.**
  5. Diese Generation die Herausforderung annimmt, gute Theologie und gute Melodien auf Deutsch zusammenzubringen.
  6. Die nächste Generation sieht, dass sie wunderbare Lieder auf Deutsch zur Ehre Gottes schreiben können.
  7. Die Anbetung Gottes Plan für Menschen ist, die sein Evangelium glauben (siehe Offenbarung 7,9).
  8. Deutsche Nichtchristen ihre Skepsis verlieren, dass der Evangelikalismus aus den USA importiert sei und keinen Platz in Deutschland verdiene.

Gut, wir sind uns einig. Das freut mich.

Liebe Grüße,
Der Inselaffe.

*Hast du schon Mal darüber nachgedacht, wie viele Menschen kein Englisch können? Kleine Kinder, ältere Leute, Leute, die anderen Sprachen in der Schule gelernt haben, Leute, die nicht in der Schule waren, Leute, die fremdsprachlich nicht so begabt sind. Sicherlich gäbe es noch mehrere Gruppen, die man hier nennen könnte.

**Paul Gerhardt. Martin Luther, Philipp Sponheimer, Graf von Zinzendorf, Michael Hahn, Karl Brockhaus, Samuel Gottlieb Bürde, usw. Um nur ein paar Liederdichter aus meinem Exemplar eines alten „Gemeindepsalters“ zu nennen.

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14 Kommentare

Rudi Tissen 20. Februar 2016 - 21:45

Sehr gut, Larry! 🙂

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Christian Münch 22. Februar 2016 - 18:48

Danke Larry, dem kann ich mich nur anschließen!
Hoffe wir sehen uns demnächst mal wieder, (vielleicht in Hamburg?) 🙂

Lieben Gruß
Christian

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Dem Volk aufs Maul singen - weigandtLabs 24. Februar 2016 - 10:00

[…] Dem Volk aufs Maul singen – http://www.josiablog.de […]

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Standpunkt: Dem Volk aufs Maul singen! | Hanniel bloggt. 25. Februar 2016 - 13:33

[…] Es ist über die Jahre eine "heilige Kuh" vieler freikirchlicher Gottesdienste geworden: Lieder in englischer Sprache. Larry Norman, Inselaffe in Deutschland (so seine Selbstbezeichnung) ruft auf, diese Tradition zu hinterfragen. […]

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Michael 26. Februar 2016 - 14:40

Lieber Larry,
kann deine 8 Argumente größtenteils gut nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht restlos teile. Wenn in unserer Gemeinde englische Lieder gesungen werden, haben wir in der Regel eine deutsche Übersetzung eingeblendet.
„manche englischen Lieder sind sehr gut. Aber ihr braucht sie nicht zu singen. Nicht wegen mir.“ Eben – manche sind einfach sehr gut und quasi nicht übersetzbar, ohne sie restlos abzuschleifen und wenn mann dann die Wahl hat zwischen deutschen Liedern, die eher flach sind …. Den Rest des Satzes finde ich übrigens etwas dick aufgetragen.

LIebe Grüße
Michael

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Larry Norman 27. Februar 2016 - 09:01

Lieber Michael,
Dank für deinen Kommentar. Der Stil des Artikels war „dick aufgetragen“ 😉 Also war das nicht der einzige Satz, der provozieren sollte.

Ja, mehrere englischen Lieder sind herrlich. Ich liebe sie. Aber aus der Liebe zu den vielen deutschsprachigen Christen in deutschsprachigen Gemeinden in Deutschland sollen wir im Gottesdienst darauf verzichten. Auch wenn es gute englische Lieder gibt, wenn Leute die sie nicht verstehen, sind wir eigentlich wieder beim Stand der Dinge vor der Reformation, wo der Gesang auf Lateinisch war, was nur eine Minderheit konnte.

Es gibt auch viele deutsche Lieder, die nicht so flach sind (Unsere Gesangbücher sind davon erfüllt) sowie auch gute Übersetzungen von einigen neueren Lieder, so dass man eigentlich nicht zwischen Englisch/Gut und Deutsch/schlecht wählen müss.

Beste Grüße,
Larry

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Michael 27. Februar 2016 - 11:35

Lieber Larry,
habe deinen leicht satirischen Unterton schon verstanden (schöne Grüße an den „Inselaffen“) – okay.
Ich stimme dir wie gesagt auch weitgehend zu. Auch in unserer Gemeinde gibt es manchmal Stimmen, die es „cool“ und „angesagt“ finden, englische Lieder zu singen, wobei ich dann kräftig auf die Bremse trete. Und natürlich gibt es auch gute deutsche Lieder, wobei man da auch immer über die musikalische Seite reden muss. Als Leiter eines Musikteams bin ich mir meiner Verantwortung sehr bewusst und in dieser Verantwortung bevorzuge ich deutschsprachige Lieder, wo es nur geht. Nur möchte nur nicht von vornherein eine Schere im Kopf haben und zudem ist ein Lied immer ein Zusammenspiel von Text und Musik. Als Aufruf, die „Tradition“ englische Lieder zu singen, zu hinterfragen, wie Hanniel es genannt hat, finde ich deinen Einwurf völlig in Ordnung. Die Auswahl von Liedern ist allerdings eine sehr komplexe Angelegenheit, die sich nach meiner Erfahrung nicht allein an der Frage englisch/deutsch festmachen lässt.

Liebe Grüße
Michael

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Reformierter Spiegel #23 | 28. Februar 2016 - 00:30

[…] LARRY NORMAN: DEM VOLK AUFS MAUL SINGEN […]

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Name 29. Februar 2016 - 20:12

Und bitte hört auf die wunderbaren englischen Hymnen ins Deutsche zu übersetzen…! Zu einer sehr hohen Prozentzahl mehr gewollt als gekonnt!

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Michael 1. März 2016 - 17:33

Lieber „Name“,

Einspruch!

Schau mal unter: http://www.impactev.de/?main=hilfreiches/downloads.html#Lieder

Liebe Grüße
Michael

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Jörn 3. März 2016 - 08:11

Drei kleine Gedanken:

(1) Michael hat schon geschrieben, dass Liedauswahl sich mit mehr als der Sprache befassen muss. Das sehe ich auch so – aber Liedauswahl muss sich eben auch mit der Sprache befassen. Ein Lied zu singen, welches in allen anderen Kriterien (welche auch immer das sein mögen) perfekt ist, aber eben in englischer Sprache ist, kann gravierendere Nachteile haben, als ein deutsches Lied zu singen, welches nur knapp überdurchschnittlich ist. Das erläutert Larry ja ganz gut. Als Plädoyer, nun lieber schlechte deutsche Lieder zu singen, sollte man es nicht verstehen – und auch die knapp überdurchschnittlichen Lieder würde ich nur so lange singen, bis genug gute (deutsche) Lieder in der Gemeinde etabliert sind. (Und ähnlich sollte man vermutlich auch mit den momentan etablierten englischen Liedern umgehen.)

(2) Die deutsche Sprache hat in den letzen 300 bis 400 Jahren einen nicht geringen Wandel gemacht. Für manche Jugendliche ist ein Luther- oder Paul-Gerhardt-Lied ebenso schwer verständlich wie ein englisches Lied (und oft zudem „sprachlich abschreckend“). Wie gehen wir damit um? Das fällt mir (als Liebhaber alter Lieder und alter Sprache) nicht so leicht.

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Reformierter Spiegel #27 | 28. März 2016 - 00:44

[…] der Ostertage ein sehr schönes Lied über die Liebe Gottes. Mache mich damit sicher zum Freund von Larry […]

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R.Heldt 5. Mai 2016 - 19:14

Hallo Larry,
Ich bin 63 und heute schwelgte ich in Erinnerungen, wie ältere Menschen dies ab und zu mal gerne tun.Ich suchte im Internet die Musik meiner Jugend, die Musik, die meinen Glauben stark beeinflusst hat. Die Musik von deinem Namensvetter Larry Norman. Dadurch bin ich irrtümlich auf diese Seite gestoßen. Bitte lass die Menschen doch singen wie sie wollen. Muss man aus allem, was Spaß macht, ein Problem machen? Musik kann ein Botschafter Gottes sein, egal in welcher Sprache.In meiner Jugend haben mich deutsche Lieder, auch christliche, sehr abgeschreckt. Da bin ich im Alter etwas lockerer geworden. Toleranz ist wichtig.

Liebe Grüsse
ROWI

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Peter Geerds 12. Mai 2016 - 17:57

Oft wird behauptet, man müsse fremdsprachige Texte singen, um zu zeigen, dass wir fremdsprachige Menschen in den Gottesdiensten wahrnehmen. Hm – dann müssten wir allerdings viel mehr auf russisch singen 😉

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