Buchrezension: Gerettete Rebellen (Brian H. Cosby)

von Andreas Münch
6 Kommentare
Buchrezension: Gerettete Rebellen (Brian H. Cosby)

Was glauben eigentlich diese Calvinisten, von denen immer mal wieder in der christlichen Szene die Rede ist? Geht es nur um die Erwählung zum Heil? Was ist kennzeichnend für die reformierte Theologie, im Gegensatz zu anderen Denkweisen?

Diese, und weitere zusammenhängende Fragen, möchte der Autor Brian H. Cosby kurz und knackig beantworten. Denn sein kurzes Büchlein richtet sich vornehmlich an Teenager und Jugendliche (wie sich bereits anhand des Buchcovers erahnen lässt) denen er Geschmack auf Theologie – also das Studium von Gottes Wesen und Handeln – machen möchte.

Der neugierige Leser wird direkt mit dem Thema konfrontiert:

„Ich bin Calvinist!“ – diesen Satz laut zu rufen, kann einen in große Schwierigkeiten bringen. Zumindest war das bei mir so. Meine Klassenkameraden sahen mich an, als ob ich vom Planeten „Engstirnig“ käme – oder noch schlimmer. Mein Lehrer blickte finster drein, meine Mitschüler starrten mich zornig an und meine Gesichtsfarbe wechselte von einem Rot-Ton zum nächsten.

Meine erste Frage war, wo ist der Autor zur Schule gegangen ist, da in meinem Fall vermutlich niemand etwas mit dem Begriff Calvinist anzufangen gewusst hätte. Heute erlebt die Bezeichnung „Calvinist“ eine kleine Renaissance innerhalb des deutschen Evangelikalismus, weshalb es hilfreich ist zu wissen, was ein Calvinist eigentlich glaubt.

Reformierte oder calvinistische Theologie versteht sich in erster Linie als biblische Theologie. Die sogenannten Lehren der Gnade kommen demnach direkt aus der Bibel, dem Wort Gottes.

In 9 kurzen Kapiteln möchte der Autor einen Überblick und einen Einstieg in diese Theologie geben und aufzeigen, wo diese Lehren in der Bibel zu finden sind.

In der Einleitung erhält der Leser skizzenhaft die „5 solas“, sowie die „5 Punkte des Calvinismus“ – die Grundpfeiler reformatorischer Theologie – dargestellt:

Die 5 Solas

  1. Sola Scriptura – Allein die Schrift
  2. Sola Fide – Allein der Glaube
  3. Sola Gratia – Allein die Gnade
  4. Solus Christus – Allein Christus
  5. Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre

Die 5 Punkte des Calvinismus

  1. Völlige Verderbtheit
  2. Bedingungslose Erwählung
  3. Begrenzte Sühne
  4. Unwiderstehliche Gnade
  5. Ausharren der Heiligen

Diese Lehren werden vom Autor in kurzer Weise dargestellt. Der Schreibstil ist auf ein junges Publikum zugeschnitten. Der Autor greift gerne auf Alltagsbeispiele aus seiner Jugendzeit zurück, um somit dem jungen Leser eine Brücke zu bauen. Das gelingt ihm meines Erachtens auch recht gut. Seine Ausführungen lassen sich leicht nachvollziehen und geübte Leser werden mit diesem Buch keine große Mühe haben. Als erster Einstieg in diese Thematik würde ich das Buch nicht nur Teenagern empfehlen, sondern durchaus auch Erwachsenen, die keine großen Leser sind, sich aber dennoch für das Thema interessieren.

Im Anschluss an jedes Kapitel finden sich Fragen für die persönliche Reflexion. Somit ist das Buch auch für einen Hauskreis oder ähnliches brauchbar.

Der einzige Wermutstropfen ist für mich der inhaltliche Aufbau des Buches. Der Autor führt in der Einleitung sehr gut die oben genannten 10 Lehrsätze auf. Jedoch hat er sich dann dazu entschieden, diese 10 einzelnen Punkte in 8 Kapitel aufzuteilen. Für jemanden, der mit der reformierten Theologie in Grundzügen vertraut ist, stellt der Aufbau keine Probleme dar. Wer sich jedoch der reformierten Theologie zum ersten Mal nähert (und damit die Zielgruppe ausmacht), wird am Ende mitunter seine Schwierigkeiten haben, die einzelnen Punkte in den 8 Kapiteln ausfindig zu machen. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, man hätte die 10 Lehrsätze in jeweils 10 eigenständigen Kapiteln untergebracht.

Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen kann ich das Buch jedem interessierten Leser empfehlen.

Ihr könnt das Buch hier direkt beim 3L Verlag für 4,90 Euro bestellen.

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6 Kommentare

Peter Geerds 29. Februar 2016 - 19:56

Hallo Andreas,
danke für die Rezension. Ein gutes und brauchbares Buch. Das einzige, was mich stört, hat überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun, sondern mit dem Layout: Der Titel mit dieser unleserlichen Schrift schreckt doch manche ab.
sdg
Peter

antworten
Timotheus Magazin 29. Februar 2016 - 21:09

Danke für die Review. Sehr treffend und kurz. Keep up the great work!

antworten
ali 1. März 2016 - 15:10

Wir brauchen keinen Calvinismus.

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Simon Mayer 2. März 2016 - 17:24

Lieber Ali,

das ist richtig: Wir brauchen keinen Calvinismus.
Aber wir brauchen Gnade.

Herzlichen Gruß
Simon

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Reformierter Spiegel #24 | 6. März 2016 - 00:21

[…] BUCHREZENSION: GERETTETE REBELLEN (BRIAN H. COSBY) […]

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10 Bücher, die ich Heranwachsenden zum Lesen gebe – Hanniel bloggt. 28. November 2016 - 09:42

[…] Überblicke das Wichtigste. Brian H. Cosby. Gerettete Rebellen. […]

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