Verfolgung ist keine Randnotiz
Christenverfolgung ist kein exotisches Randthema, sondern eine der großen, oft übersehenen Realitäten unserer Zeit. Millionen von Geschwistern leben unter starkem Druck: Sie verlieren Arbeit, Freiheit, Heimat – manche sogar ihr Leben, nur weil sie Jesus nachfolgen.
Besonders in Afrika südlich der Sahara konzentriert sich ein großer Teil der tödlichen Gewalt gegen Christen. Nigeria steht dabei seit Jahren ganz oben auf den Listen: Ein erheblicher Anteil der weltweit wegen ihres Glaubens getöteten Christen stirbt dort, während in Ländern wie Kenia Verfolgung weniger sichtbar, aber dennoch schmerzhaft real ist. Und diese Gewalt macht selbst vor den „festlichsten“ Tagen nicht halt: In Nordnigeria wurden rund um Weihnachten 2023 bei koordinierten Angriffen in mehreren Dörfern über hundert Christen getötet, und auch in den folgenden Jahren mussten Gemeinden mit erneuten Überfällen während der Feiertage rechnen.
Die Frage „Wie fühlt es sich an, Weihnachten in der Kirche zu feiern und nicht zu wissen, ob man danach lebend nach Hause kommt?“ ist für viele Christen im Norden Nigerias keine theoretische Überlegung, sondern ihre normale Realität. Feste wie Weihnachten oder Ostern, an denen Kirchen besonders voll sind, sind dort immer wieder gezielte Angriffszeiten – und viele Geschwister feiern diese Tage mit echter Freude, aber auch mit echter Angst im Herzen.
Nigeria und Kenia – zwei Gesichter der Verfolgung
Nigeria gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Christen. Islamistische Gruppen wie Boko Haram und ISWAP sowie bewaffnete Milizen greifen vor allem christliche Dörfer und Kirchen an; Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren getötet, entführt oder vertrieben, und Zehntausende wurden durch die Zerstörung von Kirchen und Häusern heimatlos. In manchen Regionen bedeutet „sonntags zum Gottesdienst gehen“ buchstäblich, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen – erst recht an Hochfesten, an denen Gemeinden zum Ziel besonders brutaler Angriffe werden.
Kenia wirkt auf den ersten Blick ganz anders: offiziell mehrheitlich christlich, mit vielen Gemeinden, Jugendwerken und Missionsinitiativen. Doch besonders im Nordosten und an der Grenze zu Somalia erleben Christen gezielte Anschläge durch Gruppen wie al-Shabaab, und Konvertiten aus dem Islam stehen in muslimisch geprägten Regionen oft unter starkem familiärem und sozialem Druck – bis hin zu Gewalt oder vollständiger Ausgrenzung. Nigeria zeigt die „laute“, brutale Seite der Verfolgung, Kenia eher die „leise“, verborgene, die sich in Druck, Drohungen und alltäglicher Unsicherheit ausdrückt.
Biblische Brille: Glückselig verfolgt – leidender Leib
Jesus überrascht nicht mit einer „Verheißung auf Leichtigkeit“, sondern bereitet Jünger auf Widerstand vor: „Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden“ (vgl. Matthäus 10,22). In der Bergpredigt nennt er gerade die verfolgten Jünger „glückselig“, weil ihr Lohn im Himmel groß ist (vgl. Matthäus 5,11–12). Das bedeutet nicht, dass Verfolgung gut oder harmlos ist – sie bleibt schrecklich –, aber sie steht nie außerhalb von Gottes souveräner Hand: Christus ist auch dann HERR, wenn eine Gemeinde Heiligabend unter freiem Himmel zwischen Ruinen feiert, weil ihr Gebäude niedergebrannt wurde. Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“ (Römer 12,15).
Wenn Christen in Nigeria ihre Pastoren verlieren oder ganze Dörfer niederbrennen, wenn junge Kenianer im Verborgenen die Bibel lesen, weil ihre Familie ihnen droht, dann sind das „unsere“ Geschwister – nicht nur statistisch, sondern geistlich real. Ihre Tränen gehören in unsere Gebete, und ihre Treue stellt unsere Komfortzonen in Frage: Während wir uns fragen, ob ein zweiter Weihnachtsgottesdienst nicht zu früh ist, fragen andere sich, ob sie den ersten überhaupt überleben werde.
Was hat das mit uns im Westen zu tun – und was können wir tun?
Wer im Westen relativ frei glauben kann, steht nicht neben der Geschichte, sondern mitten in ihr – nur auf einer anderen Seite. Unsere Freiheit ist kein Grund für schlechtes Gewissen, sondern ein Auftrag, sie für Christus und seine weltweite Gemeinde zu nutzen. Drei Bereiche sind besonders wichtig:
Prüfung unserer eigenen Nachfolge
Verfolgte Christen erinnern uns daran, dass Nachfolge immer etwas kostet – wenn nicht äußere Freiheit, dann zumindest Bequemlichkeit, Ansehen oder Komfort. Wenn Geschwister in Nigeria und Kenia bereit sind, für Christus Nachteile, Verlust und sogar Tod in Kauf zu nehmen, dann kann das bei denen eine „billige Gnade“ entlarven, die nur so lange mit Jesus geht, wie es nichts kostet.
Die Frage stellt sich persönlich: Bin ich Christ, weil Jesus kostbar ist – oder nur, solange er mich nichts kostet?
Mit-leiden, Mit-beten, Mit-tragen
Die Bibel ruft uns deutlich dazu auf, mit den Leidenden zu weinen (Römer 12,15) und „für alle Heiligen“ zu beten (Epheser 6,18).
Konkrete Gebetsanliegen für Nigeria und Kenia können sein:
Standhaftigkeit und Treue für Gemeinden unter Druck – dass sie Christus nicht verleugnen, auch wenn Drohungen, Erpressungen oder Gewalt auf sie einprasseln.
Trost und Heilung für traumatisierte Christen: Hinter jeder Zahl stehen Gesichter, Geschichten, zerbrochene Familien – bete, dass Gott Wunden heilt, Hinterbliebene versorgt und zerstörte Gemeinden wieder aufrichtet.
Schutz und Bewahrung: für Gottesdienste, Pastoren, Evangelisten, für Christen auf gefährlichen Wegen zur Arbeit oder Schule – besonders an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern, wenn das Risiko gezielter Angriffe steigt.
Mutiges Zeugnis: Wie Paulus im Gefängnis um Freimut bat, können wir beten, dass Christen in Nigeria und Kenia das Evangelium klar und liebevoll bezeugen – auch gegenüber ihren Verfolgern.
Umkehr der Täter: Jesus fordert uns auf, für die zu beten, die uns verfolgen (Matthäus 5,44); bete, dass aus Verfolgern Anbeter werden, wie bei Paulus.
Informieren, unterstützen, sensibilisieren
Informieren: Verlässliche Berichte von Werken, die sich auf die verfolgte Kirche konzentrieren, helfen, nicht in Ohnmacht oder Gleichgültigkeit zu verfallen, sondern konkret, zielgerichtet zu reagieren (z. B. Open Doors).
Unterstützen: Durch Spenden werden Hilfsgüter, Wiederaufbau, Traumaseelsorge und Schulung von Gemeindeleitern in Ländern wie Nigeria und Kenia möglich. Materieller Segen hier kann geistlicher Segen dort werden, wenn er bewusst für den leidenden Leib Christi eingesetzt wird.
Sensibilisieren: In Jugendkreisen, Gemeinden und auf Social Media können wir die Geschichten unserer leidenden Geschwister sichtbar machen – nicht sensationsheischend, sondern respektvoll, bibelzentriert und mit dem Ziel, Gebet und Hingabe zu wecken. Gerade rund um Weihnachten kann ein bewusst platzierter Hinweis (z. B. in einem Gottesdienst, Jugendabend oder Post) daran erinnern, dass andere zur gleichen Zeit unter Angst feiern.
Hebräer 13,3 NGU2011
Denkt an die Gefangenen und nehmt an ihrem Schicksal Anteil, als wärt ihr selbst mit ihnen im Gefängnis. Habt Mitgefühl mit den Misshandelten, als wäre es euer Körper, dem die Schmerzen zugefügt werden.
Dieser Vers erinnert daran, dass wir als ein Leib mit unseren verfolgten Geschwistern verbunden sind und ihr Leid nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern im Herzen mittragen sollen. Gleichzeitig tröstet er uns damit, dass Christus seine Gemeinde nicht vergisst, sondern gerade im Leiden gegenwärtig ist und sie treu bis ans Ziel bewahren wird.
Let’s Pray