Anschauungsunterricht in Gottes Treue – Predigt über Josua 2

von Raphael Schuster
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Das Buch Josua erzählt uns, wie Josua das Volk Israel in das verheißene Land Kanaan führt. Wir wissen, dass Josua schon früh in hoher Position stand. Er war schon zu Zeiten Moses der Heerführer Israels und war dessen langjähriger Diener. Trotzdem hat Josua mit Sicherheit unter der Verantwortung geächzt, die ihm da mit einem mal auferlegt wurde. Jeder von uns hat an seinen täglichen Lasten schon genug zu tragen. Wie es Josua erging, der über eine Million Menschen führen musste, können wir nur erahnen. Die Gefahr von den Feinden ringsum geschlagen zu werden oder eine vorschnelle, unbedachte Entscheidung zu treffen, und jederzeit mit dem Murren und Aufbegehren des Volkes rechnen zu müssen, ließ ihn gewiss viele Nächte ruhelos und viele Momente verzweifelt sein. Doch Gott ermutigt Josua, sich den Herausforderungen zu stellen. Es heißt in Kapitel 1 drei Mal: „Sei stark und mutig!“ Josua soll auf Gottes Verheißungen vertrauen, aus seinem Wort leben und mit seiner Gegenwart rechnen.

Josuas Gott ist treu in seiner Vorsehung

Jetzt könnte es eigentlich losgehen mit der Überquerung des Jordan und der Einnahme des Landes. Aber Josua berichtet uns zuvor noch etwas anderes. Eine Begebenheit, die man eigentlich in einem Satz abhandeln könnte:

Und Josua, der Sohn Nuns, sandte von Sittim heimlich zwei Männer als Kundschafter aus und sprach: Geht hin, seht euch das Land an und besonders Jericho!

Josua sandte als ein erfahrener Heerführer heimlich zwei Späher aus, um die Lage in Kanaan und vor allem in der Stadt Jericho zu erkunden. Die große Frage war, ob die beiden Späher genauso furchtsam zurückkehren würden wie zehn der zwölf damals nach Kanaan gesandten Kundschafter (4. Mo 13)? Wir lesen weiter:

Und sie gingen hin und kamen in das Haus einer Hure namens Rahab und übernachteten dort.

Wie genau die beiden Spione in das Haus der Hure Rahab kamen wird uns nicht berichtet. Stellen wir uns das vor:

In Jericho wurde in dieser Zeit jeder Fremdling zuerst für einen feindlichen Israeliten gehalten, die ja nur wenige Kilometer vor der Stadt lagerten. Es herrschte Kriegszustand in der Stadt. Alle Bürger teilten dieses Schicksal. Ihre Familien, Kinder, Häuser und ihr Besitz waren genauso in Gefahr wie ihr Leben. Sprich ihre gesamte Existenz war bedroht. In solch einer Situation kommt eigentlich keiner raus oder rein ohne ausgiebig kontrolliert zu werden. Heutzutage würde man so etwas ein „Himmelfahrtskommando“ nennen.

Dass sie nun gerade in ein Haus an der Stadtmauer gelangten, aus dem sie leichter fliehen konnten, war ein Zeichen göttlicher Führung. Das ist auch der erste Punkt, den uns der Text nahebringt: Josuas Gott ist treu in seiner Vorsehung. Vorsehung ist ein theologischer Begriff. Der Heidelberger Katechismus antwortet auf die Frage, was mit dem Begriff Vorsehung gemeint ist, folgendes (Frage 27):

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.

Gott hat Josua zugesagt, dass er mit ihm sein wird und es gleich in Josuas erster Handlung bestätigt. Gott macht nicht nur leere Worte. Er ermutigt Josua auf wunderbare Weise, indem er ihm am Beispiel der Kundschafter zeigt, wie er auch seinen Weg führen wird.

Doch trotz aller Vorsicht ist ihre Anwesenheit bekannt geworden:

Es wurde aber dem König von Jericho berichtet: Siehe, in dieser Nacht sind Männer von den Kindern Israels hierher gekommen, um das Land auszukundschaften. Da sandte der König von Jericho [Boten] zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir gekommen und in dein Haus eingekehrt sind; denn sie sind gekommen um das ganze Land auszukundschaften! Die Frau aber hatte die beiden Männer genommen und verborgen und sprach nun: Es sind freilich Männer zu mir hereingekommen; aber ich wußte nicht woher sie waren; und als man die Tore schließen mußte bei Einbruch der Dunkelheit, da gingen die Männer hinaus. Ich weiß nicht, wohin die Männer gegangen sind. Jagt ihnen rasch nach, denn ihr werdet sie einholen! Sie aber hatte [die Männer] auf das Dach steigen lassen und sie unter den Flachsstengeln versteckt, die sie für sich auf dem Dach ausgebreitet hatte. Die Leute nun jagten ihnen nach auf dem Weg zum Jordan bis zu den Furten; und man schloß das Tor zu, als die, welche ihnen nachjagen, hinausgegangen waren.

Nun wird es wirklich brenzlig! In jedem spannenden Film sind wir jetzt bei der Stelle angelangt, bei der wir tiefer in den Sessel rutschen und aufgeregt mit dem Filmhelden Protagonisten bangen. Genau in so einer Situation steckten die beiden Späher. Doch auch hier erblicken wir die unsichtbare Hand Gottes. Er hat die Kundschafter in diese furchtbare Situation geführt, um uns seine Macht und Weisheit noch deutlicher und herrlicher darzustellen. Die Sache ist schon beinahe vorbei und die Soldaten sind der Erfüllung ihres Auftrages zum Greifen nahe – da rettet Gott die Beiden. Wahnsinn! Die Soldaten stellen das Haus nicht auf den Kopf, stattdessen glauben sie der Frau, dass die beiden geflohen sind. Die beiden Helden der Geschichte haben überlebt. Im Kino würden wir jetzt aufatmen und innerlich wieder entkrampfen (Lies Ps 91,1-8).

Wir sehen: Gott hat alles erstaunlich geführt! Rahab war gläubig und gehörte zum Volk Gottes. Sie bekannte mutig ihren Glauben, als sie die beiden Spione aufnahm. Ihre Lüge kann allerdings nicht gerechtfertigt werden. Damit hat sie sich gegen Gott versündigt. Trotzdem hat er alles gut gemacht. Der Gott der Späher, der Gott Josuas, er ist auch unser Gott. Er hat sich nicht verändert. Er führt uns genauso durch unzählige, scheinbar aussichtslose Situationen. Wie oft hatten wir am Ende Erfolg, wo wir mit Misserfolg und Niederlage rechneten. Er bewahrt uns auch vor so vielen Übeln und schenkt uns oft Freude und Dankbarkeit. Und selbst in Kummer und Leid ist Gott mit uns. Lasst uns deshalb dankbar sein und Gott bitten, dass wir seiner Führung in allen Situationen glauben und ihm vertrauen, anstatt zu zweifeln, zu zürnen oder zu verzagen.

Es heißt dann weiter:

Ehe aber die Männer sich schlafen legten, stieg Rahab zu ihnen auf das Dach hinauf und sprach zu ihnen: Ich weiß, daß der Herr euch das Land übergeben hat; denn es hat uns Furcht vor euch überfallen, und alle Einwohner des Landes sind vor euch verzagt (V.11). Denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser des Schilfmeeres vor euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten gezogen seid, und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordan getan habt, an denen ihr den Bann vollstreckt habt. Und als wir dies hörten, da wurde unser Herz verzagt und es ist kein rechter Mut mehr in irgendjemand vor euch; denn der Herr euer Gott ist Gott, oben im Himmel und unten auf Erden!

Die Kanaaniter haben von den mächtigen Taten des israelitischen Gottes gehört. Ihre Götter vermochten solche Dinge nicht. Wie wunderbar ist das doch! Noch bevor die Israeliten einen Fuß über den Jordan gesetzt haben, sind die Feinde schon verzweifelt vor Angst. Noch bevor ein einziges Schwert gezogen wurde ist die halbe Schlacht schon geschlagen. Am liebsten wären die Kanaaniter geflohen, wenn da nicht das Mittelmeer wäre. Dabei schließt sich die Formulierung an die Verheißung in Exodus 15,15-16 an: „Es erschrecken die Fürsten Edoms, Zittern befällt die Gewaltigen Moabs; alle Einwohner Kanaans werden verzagt. Schrecken und Furcht überfällt sie wegen deines mächtigen Armes, so dass sie erstarren wie Steine, bis dein Volk hindurchzieht, oh Herr, bis dein Volk hindurchzieht, das du erworben hast!“ – Was hier geschieht, hat Gott genauso vorhergesagt.

Josuas Gott ist der wahre Gott des Himmels und der Erde

Doch Rahab schließt noch etwas anderes aus den Ereignissen von denen sie gehört hat. Sie durfte hinter den Vorhang der Wunder Gottes blicken und den ehrfurchtgebietenden Gott Israels erkennen. Sie sagte: „denn der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden.“ Das ist ein Hammer-Bekenntnis! Es ist das Bekenntnis einer unter Heiden lebenden Amoriterin, die von den göttlichen Taten des Herrn nur vom Hörensagen wusste und auch nur lückenhaft. Aber nicht die Frau, die sich zu Jahwe bekennt steht im Mittelpunkt des Textes, sondern Gott selbst. Rahab wendet sich von dem Polytheismus ihres Umfeldes ab und erkennt den einen, wahren Gott Israels an. Das ist ein Wunder der Gnade Gottes. Also gilt zweitens: Josuas Gott ist der wahre Gott des Himmels und der Erde.

Dieser eine ist Gott – er ist Elohim. In diesem Namen Gottes liegt seine Absolutheit und Erhabenheit über allem Geschöpflichen, wie wir wenige Verse vorher in Dt 32,39 lesen: „Erkennet nun, dass ich allein es bin und neben mir kein andrer Gott besteht! Ich bin’s der tötet und lebendig macht, ich verwunde, aber heile auch wieder, und niemand kann aus meiner Hand erretten.“ Rahab hat an dem Wenigen was sie gehört hat die totale Überlegenheit Gottes über Himmel und Erde erkannt. Er ist es, der die Sterne in ihren Bahnen lenkt und das Universum ordnet. Wer ist also der Gott, der Josua die Verheißung der Landeinname gab? Es ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er wird Josua nicht nur bei der Eroberung Jerichos beistehen, sondern das ganze Land in seine Hand geben.

Der Text fährt dann fort, indem an das Gespräch zwischen Rahab und den Spähern angeknüpft wird:

Und nun schwört mir doch bei dem Herrn, daß, so wie ich an euch Güte erwiesen habe, auch ihr am Haus meines Vaters Güte erweisen werdet; und gebt mir ein sicheres Zeichen, daß ihr meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern samt allen ihren Angehörigen am Leben lassen und unsere Seelen vom Tod erretten werdet!
Und die Männer sprachen zu ihr: Wir bürgen mit unserem Leben für das eurige, sofern ihr diese unsere Sache nicht verratet! Und es soll geschehen: Wenn der Herr uns dieses Land gibt, so wollen wir an dir Güte und Treue erweisen! Da ließ sie dieselben an einem Seil durch das Fenster hinunter; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer. Und sie sprach zu ihnen: Geht in das Bergland, daß euch eure Verfolger nicht begegnen, und verbergt euch dort drei Tage lang, bis eure Verfolger zurückgekehrt sind; danach geht eures Weges!
Und die Männer antworteten ihr: [Unter diesen Bedingungen] werden wir frei sein von deinem Eid, den du uns hast schwören lassen: Siehe, wenn wir in das Land kommen, so sollst du diese Schnur aus karmesinrotem Faden in das Fenster knüpfen, durch das du uns hinabgelassen hast, und deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und das ganze Haus deines Vaters zu dir in das Haus versammeln. Und wer dann zur Tür deines Hauses hinaus auf die Straße geht, dessen Blut sei auf seinem Haupt, wir aber unschuldig; wenn aber Hand gelegt wird an jemand von denen, die bei dir im Haus sind, so soll ihr Blut auf unserem Haupt sein. Und wenn du etwas von dieser unserer Sache verraten wirst, so werden wir frei sein von deinem Eid, den du uns hast schwören lassen. Da sprach sie: Es sei, wie ihr sagt! und ließ sie gehen. Und sie gingen hin; sie aber knüpfte die karmesinrote Schnur ins Fenster.
Und jene gingen in das Bergland und blieben drei Tage lang dort, bis ihre Verfolger zurückgekehrt waren; und die Verfolger hatten sie auf dem ganzen Weg gesucht und doch nicht gefunden. Und die beiden Männer kehrten zurück und stiegen vom Bergland hinunter; und sie setzten über und kamen zu Josua, dem Sohn Nuns, und erzählten ihm alles, was ihnen begegnet war. Und sie sprachen zu Josua: Der Herr hat das ganze Land in unsere Hand gegeben; auch sind alle Einwohner des Landes verzagt vor uns!

Josuas Gott ist treu in seinen Bundeszusagen

Was Rahab und die Späher hier miteinander ausmachen trägt viele Züge eines Bundes. Dabei geht es Josua, wenn er uns davon berichtet, nicht um einen Bund zwischen Menschen. Es geht um den Herrn. Gott, der Herr, hat sich an seine Worte gehalten. Der dritte Aspekt der Treue Gottes lautet demnach: Josuas Gott ist treu in seinen Bundeszusagen. Er hat seine Verheißung an Mose erfüllt, dass er „das ganze Land“ in die Hände der Israeliten geben wird. Die Kundschafter kehren jubelnd zu Josua zurück und sind sicher, dass der Herr ihnen das Land bereits gegeben hat. Wer diesem Gott vertraut, der hat ein festes Fundament und steht in einem unerschütterlichen Bund. Seine Verheißungen gehen wirklich in Erfüllung.

Josua berichtet uns diese kurze Episode der Späher, diesen Anschauungsunterricht in Gottes Treue, weil sie ihn selbst über die Maßen ermutigt und bestärkt hat. Er weiß nun mit Gewissheit, dass sein Gott treu ist. Für ihn gibt es nach dieser spannungsgeladenen und Zuversicht weckenden Geschichte der Späher daran nichts mehr zu rütteln. Die letzten Zweifel und Befürchtungen sind weggefegt. Sodass sich Josua nun fröhlich und frei an die Überquerung des Jordans und die Eroberung des Landes machen kann.

Auch wir haben mehr als genug Grund zu solcher Freiheit und Fröhlichkeit. Die uralte Bundeszusage und Verheißung Gottes in Genesis 3,15: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Verse stechen.“ ist in Christus Wirklichkeit geworden. In ihm liegt das „Ja und Amen“ für alle Verheißungen. Und Paulus schreibt im Philipperbrief (1,6): „… ich bin davon überzeugt, daß der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.“ Er ist ein anderer Josua, dessen Namen im Griechischen ja Jesus heißt. Der hat seinem Namen, „Der Herr ist Rettung“, alle Ehre gemacht und hat sein Volk, hat uns, von unseren Sünden erlöst.

Wir fassen die Gedanken dieses Abschnittes zusammen, wenn wir gemeinsam staunen, dass Rahabs Name, zusammen mit anderen offensichtlichen, aber begnadigten Sündern, in Jesu Stammbaum steht (Mt 1,5). Deshalb können auch wir mit den Worten eines kurzen Liedes sagen:

„Eins macht mich frei, ich bin in Gottes Hand,
ich bin in Gottes Hand, das macht mich frei!
Eins macht mich froh, er starb für meine Schuld,
er starb für meine Schuld, das macht mich froh!“

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