Wie erkenne ich den Willen Gottes?

von Gottfried Rühle
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Wie erkenne ich den Willen Gottes?

Hast du Dich schon einmal gefragt, wie Du Gottes Willen für Dein Leben erkennen kannst? Ja? Sehr gut! Denn diese Frage zeugt von einer demütigen und die Führung Gottes erwartenden Lebenseinstellung. Schließlich glauben wir Christen ja, dass alle Menschen Gott die Ehre geben sollen in ihrem Leben. Das wissen wir, weil Gott uns seinen allgemeinen und offenbarten Willen durch sein Wort, die Bibel, mitgeteilt hat.

Aber dann ist da gleichzeitig noch der verborgene Wille Gottes für unser Leben, den wir erst im Nachhinein so richtig erkennen können (Ps 139,16-18), z.B. welchen Menschen Gott zum ewigen Leben erwählt hat. Der offenbarte und verborgene Wille Gottes bilden somit den vollkommenen und endgültigen Ratschluss Gottes.

Wir können aber nur auf die Bibel zurückgreifen um zu erfahren, wie sich Gott unser Leben vorstellt und was er von uns fordert. Die Bibel ist daher maßgebend, um zu einer Entscheidung im Leben zu gelangen, aber den endgültigen Ratschluss Gottes werden wir durch sie dennoch nicht erfahren können.

Deshalb soll es in diesem Artikel weniger darum gehen wie Du Gottes Willen für Dein Leben entdecken kannst, sondern ich möchte vielmehr eine biblisch fundiert Hilfestellung darbieten wie Du zu einer Gott wohlgefälligen und dementsprechend geistlich reifen Entscheidung für Dein Leben gelangen kannst. Im Folgenden ist es dann auch wichtig diese Erkenntnis anzunehmen und praktisch umzusetzen. Das kann nämlich noch ein viel größeres Problem sein. Doch dazu später mehr in diesem Artikel.

Auf dem Weg zu einer Gott wohlgefälligen und geistlich reifen Entscheidung sollten folgende fünf Punkte beachtet werden[1]:

Wie oben erwähnt, ist zuallererst die Bibel maßgebend für eine solche Entscheidungsfindung. Denn sie ist Gottes aufgeschriebenes Wort an uns Menschen. Aber nicht nur das Lesen der Bibel allein wird Dir helfen, sondern auch das persönliche Gebet zu Gott, bei welchem Du ihn auch um Hilfe bitten kannst. Desweiteren solltest Du auch andere Christen offen um Rat fragen. Wir müssen das Rad nicht immer wieder neu erfinden. So manch erfahrener Christ hat bestimmt schon ganz ähnliches erlebt, wie das, was Du gerade durchmachst. Zwei weitere Punkte sind dann noch die äußeren Lebensumstände und ob Du ein ruhiges Gewissen mit Deiner Entscheidung hast.

Auf diese fünf Punkte: Gottes Wort und Gebote, Gebet, Rat von geistlich Erfahreneren, die äußeren Lebensumstände und dein innerer Frieden mit der getroffenen Entscheidung möchte ich nun noch etwas genauer eingehen.

1. Durch Gottes Wort

In Gottes Wort lässt sich der allgemeine und offenbarte Wille Gottes für jeden Menschen finden. Es ist autorisiert durch Gott und ist deshalb maßgebend für uns (2.Tim 3,16 und 2.Pet 1,19-21). Wir Menschen sollen an den dreieinigen Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist glauben und ihm allein in unserem Leben die Ehre geben durch unser Reden, Denken und Handeln (Jakobus 2,14 ff.). Durch Gottes Wort soll unser Reden, Denken und Handeln geprägt sein!

Gottes offenbarter Wille ist konzentriert in den 10 Geboten erkennbar, die sein Sohn Jesus Christus sogar noch deutlicher erklärte und gegen die wir nicht verstoßen sollten. Denke nur an das Doppelgebot der Liebe aus Mt 22,34-40 oder die goldene Regel aus Mt 7,12.

Wenn Du nun eine weise Entscheidung in Deinem Leben treffen möchtest, dann solltest Du zuerst fragen, ob diese Entscheidung auch in Übereinstimmung mit den allgemeinen Grundsätzen der Bibel und somit dem Willen Gottes steht. Natürlich wirst Du in der Bibel nicht erfahren können, welche Socken Du Dir am Morgen anziehen sollst oder dergleichen, aber an ihr sollte sich unser Leben ausrichten. Deshalb ist es wichtig sich in der Bibel „auszukennen“. Dabei wird Dir besonders die tägliche persönliche Bibellese helfen. Lies am besten zu einem festen Zeitpunkt und dann auch ruhig ein paar Kapitel am Stück, um auch die großen Gedankenlinien erkennen und immer mehr im Gedächtnis halten zu können. Das Bibellesen sollte für Dich aber keine bloße Pflichterfüllung sein. Es gibt auch keine Regel, wo und wann Du eine bestimmte Bibelstelle lesen solltest.

Vielleicht kennst Du Dich auch schon im Großen und Ganzen gut in der Bibel aus und weißt wie Du Dich gegenüber Gott und anderen Menschen verhalten sollst, wie es z.B. in Galater 5 ab Vers 16 beschrieben wird. Gott sagt uns zu, dass er jedem helfen will, der bei ihm nach Erkenntnis und Weisheit sucht und Gottes Willen tun will (z.B. Spr 8,14-18 und Mt 7,7-8). Gottes Wort gibt also hauptsächlich die Richtung an, die wir gehen sollen und macht das durch viele einzelne Beispiele klar. Aber sie wird Dir nicht jede kleine Detailfrage beantworten, sondern bietet vielmehr Prinzipien, an denen wir uns orientieren können.

2. Durch Gebet

Darum ist es wichtig die Bibellese und die spezifische Entscheidungsfindung mit Gebet zu begleiten. Ich möchte an dieser Stelle keine umfassende Definition von Gebet darlegen, aber Dir sollte bewusst sein, dass Beten mehr ist, als Gott nur um persönliche Dinge in Notzeiten und vor Entscheidungen zu bitten. In den Psalmen finden sich Lobpreis, Dank, Klage, Buße und Bitten direkt nebeneinander. Jesus selbst lehrt uns in Lk 11, 1-13 wie wir beten sollen und auch Paulus zeigt in Phil 4,6  und 1.Tim 2,1 wie umfangreich unser Gebet sein sol.

Aber natürlich geht es beim Beten auch darum, direkt für die persönliche Lebensführung Gottes zu bitten und dass man diese auch erkennen möge, jedoch nicht darum, den eigenen Willen bestätigt zu bekommen. Jesus sagte am Ende seines flehenden Gebetes im Garten Gethsemane, dass letztlich doch der Wille seines Vaters im Himmel geschehen möge (Mk 14,36; Lk 22,42). Du darfst Dir gewiss sein, dass Gott ein ernstgemeintes Gebet hört und erhört, denn unser Gott ist ein lebendiger (Mt 16,16) und gnädiger Gott (2.Mos 20,6).

Wir dürfen dabei immer wieder mit den gleichen Dingen zu Gott kommen, denn wir sollen beständig im Gebet sein, auch wenn uns Gott scheinbar nicht gleich so erhört wie wir es gerne hätten (Lk 18,1-8). Schließlich kennen wir den endgültigen Plan Gottes nicht und auf welchem Wege er uns letzten Endes führen will (Jes 55,8), aber wir dürfen wissen, dass Gott uns mit unseren Entscheidungen nicht allein lassen wird (Mt 28,20 und Phil 2,13). Gerade deshalb haben wir ja sein Wort, an das sich der Heilige Geist gebunden hat. Mit ihm will uns Gott den Weg weisen und wir dürfen und sollen Gott im Gebet um Weisheit bitten (Jak 1,5), so dass wir sein Wort auch richtig verstehen und deuten und in unserem Leben zur Anwendung kommen lassen.

3. Durch Rat reifer Christen

Wenn Du nun über eine Entscheidung gebetet hast und auch in Gottes Wort geforscht hast wie Du handeln solltest (und Du Dir immer noch nicht sicher bist), kannst Du Dir auch noch den Rat reifer Christen einholen. Gott selbst sagt, dass dies eine Weise Handlung sei (Spr 12,15 und 13,10b). Dieser Rat kann Dich in Deiner bisherigen Anschauung unterstützen, er kann Dir aber andererseits auch eine ernüchternde Warnung sein. Wähle Deine Ratgeber darum gut aus. Du musst keine Meinungsumfrage starten und alle möglichen Leute fragen. Ziehe lieber nur ein paar wenige gottesfürchtige und geistliche Männer und/oder Frauen zu Rate, die schon etwas Lebenserfahrung haben, geistliche Reife besitzen, denen Du vertraust und bei denen Du weißt, dass sie verschwiegen sein können. Es sollten keine Freunde von Dir sein, die Dir immer nur recht geben, wie es die Propheten beim König Ahab getan haben (1.Kön 22). Letztlich musst Du eine Entscheidung treffen, die Dir niemand abnehmen kann. Deine Ratgeber können und sollten Dir nur helfen bei der Entscheidungsfindung, aber nicht für Dich entscheiden.

4. Durch äußere Lebensumstände

Deine äußeren Lebensumstände können Dir ebenfalls nur bedingte Wegweiser sein. Sie sollten nie der Hauptgrund für Deine Entscheidung sein, sondern sie sollten nur eine sekundäre Rolle spielen. Es ist also wichtig, dass Du mit offenen Augen durchs Leben gehst und das, was in Deinem Leben passiert, reflektierst. Das heißt, dass Du darüber nachdenkst was, warum und wozu passiert sein könnte oder gerade  passiert.

Manchmal lässt uns Gott nicht direkt zum Ziel gehen und wir kommen erst über Umwege ans Ziel. So war es z. B. auch beim Prophet Jona, als dieser vor Gott und seiner Berufung und Verantwortung flüchten wollte und in Tarsis ein Schiff fand, welches ihn mitnahm (Jona 1,3) und ihn weit weg von seiner Berufung führen sollte. Aber Gott lenkte Jona dennoch an sein Ziel. Durch die Erkenntnis, dass wir an manche selbstgesteckte Ziele nicht gelangen will Gott uns demütig machen, damit wir uns vollends unter seine Führung begeben. Gott will uns nicht auf unseren Wegen begleiten, sondern wir sollen seinen Weg gehen. So kann es sein, dass die Entscheidung, die Du getroffen hast vielleicht sogar gut ist und Gott Dir dennoch einen anderen Weg als besseren aufzeigt, weil es sein Weg ist (Apg 16,6-7 und 1.Kor 16,6-9).

Bei all diesen Möglichkeiten brauchen wir jedoch keine Angst haben, denn Gott hat seinen Erwählten, den gläubigen und bekennenden Christen, seinen Heiligen Geist zur Hilfe und als Berater gegeben, der in uns wirkt (Joh 14,16+26 und 16,7).

5. Durch ein ruhiges Gewissen

Und so komme ich schon zum letzen Punkt: ein ruhiges Gewissen. Auch dieser Punkt allein ist kein eindeutiger Hinweis für die „richtige“ Entscheidung. Du solltest stets alle Punkte miteinander bedenken und keinen Punkt außen vor lassen oder mehr betonen als ihm zusteht. Manch einer nennt das ruhige Gewissen auch inneren Frieden, aber diesen hat man nicht unbedingt, wenn man ein ruhiges Gewissen hat. Ein ruhiges Gewissen zu haben heißt nicht zwangsläufig glücklich mit der Entscheidung zu sein, denn es kommt nicht darauf an wie Du Dich fühlst. Dein Gewissen macht Dir deutlich, welches Verhältnis zwischen Deinem Handeln und Deiner schon vorher geprägten (ethischen) Einstellung besteht. Hast Du z.B. schon einmal etwas gestohlen, dann wird Dich wahrscheinlich Dein Gewissen gemahnt haben, dass Dein Verhalten nicht gut ist, weil stehlen unrecht ist. Dies ist Dir jedoch nur bewusst geworden, weil Du vorher schon wusstest, dass Stehlen falsch ist und Gott es verboten hat. Aber natürlich nur dann, wenn Du Dein Gewissen nicht vorher schon lange unterdrückt und geschädigt hast durch wiederholten Ungehorsam gegenüber Gottes Wort. Desweiteren sind Menschen bekannterweise ganz unterschiedlich geprägt, entweder vom Willen des dreieinigen Gottes oder durch irgendeine menschliche Ideologie oder ethisches Verständnis.

Wie Du Deine Lebenseinstellung richtig „prägst“ und Dein Gewissen „wachhalten“ kannst, wirst Du Dir sicher schon denken – nur durch Gottes Wort, welches wahr und gut ist. Dementsprechend wirst Du Dir am besten durch beständiges Bibellesen, Predigten hören oder andere Bibelauslegungen ein waches und gutes Gewissen erhalten (2.Tim 3,14-17) und weise entscheiden können. Und damit schließt sich der Kreis der fünf Punkte.

Hast Du es letztlich geschafft, eine wichtige Lebensentscheidung zu treffen, dann kann es je nach Situation nützlich sein, diese Entscheidung vielleicht noch einmal auf folgende Weise zu hinterfragen:

  1. Wird Deine Entscheidung zur Vermehrung der Ehre Gottes beitragen?
  2. Kannst Du Deine Entscheidung klar und deutlich vor Deinen Glaubensgeschwistern erklären, so dass ihnen klar wird, dass Du bewusst um diese Entscheidung gerungen hast, auch wenn Dich vielleicht nicht jeder verstehen wird?
  3. Wird Dir Deine Entscheidung zum geistlichen Wachstum verhelfen oder dieses eher verhindern?
  4. Hast Du für Deine Entscheidung auch die nötige Zeit aufgebracht, um zumindest die genannten fünf Punkte zu beachten und darüber nachzudenken?

Und noch etwas, manchmal kann es sein, dass Du ein ruhiges Gewissen hast und Du Dich trotzdem fürchtest vor der Durchführung der richtigen Entscheidung (Mk 5,25-34; Phil 2,12). Deshalb forderte Gott z.B. im AT die Leiter des seines Volkes immer wieder auf stark und mutig zu sein (5.Mose 31,6-7; Ps 27,14; 31,25). In Josua 1,7-9 spricht Gott in dieser Weise zu Josua, den jungen Anführer und Nachfolger Moses:

Sei du nur stark und sehr mutig, und achte darauf, dass du nach dem ganzen Gesetz handelst, das dir mein Knecht Mose befohlen hat. Weiche nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du weise handelst überall, wo du hingehst! Lass dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln! Habe ich dir nicht geboten, dass du stark und mutig sein sollst? Sei unerschrocken und sei nicht verzagt; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du hingehst!

Gott der Herr kennt die Ängste und Sorgen seiner Kinder und er hat ihnen immer wieder freundlich zugesprochen, dass sie mutig und stark in ihrem Leben voran gehen und seinem Wort entsprechend nach bestem Wissen und Gewissen Handeln sollen (Mt 5,3-12; 14,27; Mk 10,49; Joh 16,33; Eph 5,1-20). Natürlich wünschten wir uns gern deutliche Zeichen Gottes, wie bei Gideon und dem Vlies (Richter 6,36-40), aber wir dürfen nicht übersehen, dass Gideon schon vor diesen Zeichen Gottes genau wusste was Gott mit ihm vor hat und was er tun sollte. Wenn Du also eigentlich schon längst weißt was Gott für Dein Leben will und von dir fordert, dann zögere nicht und tu es! Und wenn Du Dir unsicher bist, zögere nicht ewig, sondern vertraue auf Gott und fang an. Gott fordert zwar von uns demütig und gehorsam zu sein, aber sagt zugleich zu, dass er auch das Vollbringen in uns wirken wird (Phil 2,12-15). Das musste auch Mose lernen, als er zurück nach Ägypten geschickt wurde (2.Mose 3) und Jona, als er nach Ninive gesandt wurde und selbst unser Herr Jesus Christus (Heb 5,8) hat den Willen seines Vaters über seinen menschlich ängstlichen Willen gestellt (Mk 14,36).

Bei alledem ist es sehr wichtig Geduld für die Lebensführung Gottes aufzubringen. Kennst du den Satz: Gottes Züge fahren spätestens pünktlich? Wir müssen uns dem Zeitplan Gottes fügen, nicht andersherum, denn er wird genau zur richtigen Zeit handeln (Lk 1,20 und Gal 4,4).

Lies die Bibel, bete darum den Willen Gottes zu erkennen, suche die Gemeinschaft mit anderen Christen auf (Heb 10,24-25). Aber bitte nutze die behandelten fünf Punkte nicht als eine Art Werkzeugkasten, bei dem es irgendwann nur noch um die Methode geht und nicht mehr um den eigentlichen Willen Gottes.

Sei mutig und stark und bleibe dabei in demütiger „Abhängigkeit“ von Gott. Dann kannst Du darauf vertrauen, dass Du von ihm alles was Du zum Leben brauchst zur rechten Zeit erhalten wirst gemäß Mt 6,33-34:

Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage.“


[1] Die fünf Punkte und weitere Denkanstöße habe ich aus einem Text zu dem gleichen Thema von Gerd Kirschnick entnommen. http://www.ec-albertshausen.de/main1.htm [abgerufen am 10. April 2013]

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