Gottes Herrlichkeit sehen – aber wie?

von Nathanael Girges
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Gottes Herrlichkeit sehen – aber wie?

„Trachtet mehr danach, Gottes Herrlichkeit in allen Dingen zu suchen, und vor allem danach, mit allem, was ihr tut, Ihn zu verherrlichen.“

Diese oder eine ähnliche Aufforderung haben vermutlich die meisten von uns schon mal in einer Predigt gehört, in einem Buch gelesen oder vielleicht sogar in einem Gespräch selbst gesagt. Gottes Herrlichkeit ist ein Begriff, den wir häufig benutzen, ohne uns wirklich darüber Gedanken zu machen, was er bedeutet. Und das wird uns spätestens dann bewusst, wenn wir ihn erklären sollen oder wenn wir – so wie ich im April dieses Jahres – darüber predigen sollen.

Der Predigtabschnitt war Ex 33 und erzählte die Geschichte des Volkes Israel, wie es seine Sünde bereute, nachdem es das goldene Kalb angebetet hatte. Und er spricht auch von zwei Bitten, die Mose an seinen Gott richtete: Erstens, dass Er Seinem Volk gnädig bleiben möge und weiterhin mit den Israeliten ins Verheißene Land zog, obwohl sie dies nicht verdient hatten. Und zweitens bat Mose darum, doch Gottes Herrlichkeit sehen zu dürfen (Ex 33,13). Ich musste mir also in meiner Vorbereitung die Frage stellen, was Gottes Herrlichkeit überhaupt bedeutet und wie man diese möglichst anschaulich beschreiben kann. Wenn du dir diese Frage beim Lesen der Überschrift auch gestellt hast, dann hilft dir vielleicht ein Vergleich, den ich meiner Jugend damals auch mitgegeben habe.

Gottes Herrlichkeit: Die Offenbarung Seiner Heiligkeit

Wir können Gottes Herrlichkeit gut mit den Sonnenstrahlen vergleichen. Wenn die Sonne selbst so wie Seine Heiligkeit, also Gottes perfektes und reines Wesen, ist, dann sind die Sonnenstrahlen das, was wir davon sehen können. Wenn wir Gottes Herrlichkeit spüren, dann spüren wir auf der einen Seite Gott. Aber auf der anderen Seite auch nur die Offenbarung dessen, was Er von sich preisgibt. Du spürst ja auch nicht die Sonne selbst, denn sie wäre viel zu heiß, sondern nur die Sonnenstrahlen, wenn du z. B. am Strand versuchst, an deiner Bräune zu feilen.
Dieser Vergleich mit der Sonne passt ganz gut, denn jedes Kind weiß, dass man nie direkt in die Sonne schauen darf, obwohl von ihr doch das lebensnotwendige Licht ausgeht. Sie ist einfach viel zu hell für unser menschliches Auge. Und genauso sagt Gott auch zu Mose in Vers 20, dass er Sein Angesicht nicht sehen dürfe, da kein Mensch leben kann, der Gottes Angesicht sieht. Es wird dadurch also klar, dass Gottes Herrlichkeit die Offenbarung Seiner Heiligkeit ist.

Aber wie können wir dann die Sonnenstrahlen von Gottes Wesen und Seiner Heiligkeit in unserem Leben sehen? Genau das habe ich mich in meiner Vorbereitung auch gefragt. Ich habe viel gebetet, dass ich doch Gottes Herrlichkeit sehen dürfe und dass Gott durch meine Predigt auch anderen Seine Herrlichkeit offenbaren würde. Immer wieder betete ich, dass Gott mir Seine Worte in den Mund legen würde, damit die Predigt diesem ziemlich komplexen Thema gerecht werden könnte. Mein Wunsch war es, dass Gottes Herrlichkeit in dem, was ich sagte, sichtbar werden würde.
Doch als ich in der Gebetsrunde vor dem Jugendgottesdienst saß, merkte ich, wie unzufrieden ich mit der Predigt eigentlich war und wie sich in mir Zweifel entwickelten, weil ich als sündhafter Mensch über Gottes Herrlichkeit predigen wollte. Meine Unvollkommenheit brach über mich herein, und die Predigt wurde zu einer der schwierigsten, die ich bisher gehalten habe. „Wie soll ich, der ich allein in dieser Woche vielfach in Sünde gefallen bin, noch von Gottes Herrlichkeit erzählen?“ Diese Frage ließ mich nicht los.
Ich glaube, auch für uns heute ist es häufig eine große Herausforderung, Gott mit unserem Leben ehren zu wollen, wenn wir uns gleichzeitig jeden Tag eingestehen müssen, dass wir Sünder sind, die gegen Sein Gesetz rebellieren. Vielleicht kämpfst du momentan auch damit, dass du Gott mit deinem Leben ehren und Seine Herrlichkeit verkünden willst. Aber dir ist gleichzeitig deine Unvollkommenheit so präsent, dass du dich fragst, ob das überhaupt möglich ist. Doch unser Gott ist ein gnädiger Gott. Er war es damals beim Volk Israel, Er war es seitdem und Er war es seitdem unentwegt.

Gottes Gnade: Die Krone Seiner Herrlichkeit

Im Endeffekt war es dann ein Satz aus meiner eigenen Predigt, mit dem Gott mich von meiner Ich-Zentriertheit überführt hat: „Gottes Gnade ist die Krone Seiner Herrlichkeit.“ Indem Gott Seinen Kindern gnädig ist, offenbart Er Sein Wesen am deutlichsten – nämlich, dass Er ein gerechter Gott ist, der keine Ungerechtigkeit duldet, aber auch dass Er uns liebt und uns unsere Sünden vergibt. Das ist Gnade. Deshalb glaube ich auch, dass Gott Seine Herrlichkeit ganz besonders scheinen lässt, wenn wir zum einen unsere Unvollkommenheit erkennen, aber zum anderen dann auch, dass Er in unserer Schwachheit mächtig ist (2Kor 12,9).

Lebe aus Seiner Gnade und sieh Seine Herrlichkeit

Wenn du dich also in dieser Woche fragst, wie du Gottes Herrlichkeit sehen und Ihn mit deinem Leben verherrlichen kannst, dann lebe aus Seiner Gnade: Das bedeutet, dass du erkennst, dass du nicht aus dir selbst gerecht sein kannst, und auch, dass du nicht deine eigene Ehre suchst oder anderen Menschen gefallen willst. Suche stattdessen Gott jeden Morgen neu im Gebet, denn dadurch drückt sich unsere Abhängigkeit zu Ihm aus, und vertraue darauf, dass Er sich in deiner Schwachheit verherrlichen wird. Denn wenn wir schwach sind, so ist Gott stark.

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