Gott und mein Stolz: Das Leid, das er verursacht (V. 11-14)

von Jonathan Malisi
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Gott und mein Stolz: Das Leid, das er verursacht (V. 11-14)

Das ist Teil II einer Reihe zum Buch des Propheten Obadja. Hier findest du Teil I.

Dass Stolz immer Konsequenzen, ja letztendlich sogar Gericht mit sich bringt, hatte Gott Edom gleich zu Beginn des Buches Obadja angekündigt. Aber Stolz zerrüttet nicht nur unser Verhältnis zu Gott, indem wir Seine Herrschaft über unser Leben abschütteln wollen. Gerades durch den Umgang mit unseren Mitmenschen, Gottes Geschöpfen, offenbart sich die Haltung unseres Herzens: Stolz gegenüber Gott wird auf Dauer Leid verursachen.

Leid durch Stolz: erkennbar an unserem Handeln

Edoms Stolz hat es zuerst einmal blind gegenüber der Heiligkeit, Gerechtigkeit und Schönheit Gottes gemacht. Und das zieht sich in der Bibel wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte dieses Volkes. Diese Gleichgültigkeit fängt an mit Esau: Er hat Gottes Segen nicht wertgeschätzt, hat Frauen geheiratet, die nicht zu Gottes Volk gehört haben und als Israel aus Ägypten in das von Gott versprochene Land ziehen will, versperren Esaus Nachkommen ihren Verwandten den Weg dorthin. Manchmal war Edom mit Israel verbündet, doch im Zweifelsfall hat es sich auf die Seite der Feinde von Gottes Volk gestellt. Und genau das sehen wir in den Versen 10 bis 14:

10x erwähnt Obadja „den Tag“. Für Judah ist es der „Tag des Missgeschicks“, „der Not“, „des Verderbens“, der Tag der Demütigung und Erniedrigung. Es war der Tag, als Gottes Volk gekidnappt und verschleppt wurde. Es ist der Tag, an dem Jerusalem, der Ort, an dem die Menschen Gott anbeten sollen, geplündert, niedergebrannt und zerstört wird. Einer der traurigsten Tage, den die Menschheit bis dahin erlebt hatte. Der Tag, an dem auch Edom hätte weinen müssen, wenn dieses Volk noch an den Gott geglaubt hätte, der sich seinen Vorfahren gezeigt hatte. Aber,

  • die Edomiter erschrecken nicht, als ihre Verwandten umkommen. Stattdessen freuen sie sich über den Mord, den die Babylonier begehen.
  • die Edomiter helfen nicht, als ihre Verwandten zu ihnen fliehen wollen. Stattdessen blockieren sie wieder einmal den Weg, damit Überlebende nicht fliehen können.
  • die Edomiter weinen nicht, während Tausende ihrer Verwandten verschleppt werden. Stattdessen verspotten sie die, die am meisten leiden.

Leid durch Stolz: Ausdruck unseres Verhältnisses zu Gott

Dass Gott Sein Gericht an Juda vollzogen hat, wie er es vorher schon durch andere Propheten angekündigt hatte, das steht vollkommen außer Frage. Genau deshalb muss Juda nicht noch von Edom daran erinnert werden, dass das Gericht, das es erlebt, schlimm und verdient ist. Obadja muss nicht daran erinnert werden. Und vor allem: Gott muss nicht daran erinnert werden.

Aber Edom muss an etwas erinnert werden: Spätestens jetzt war es an der Zeit für Edom, umzukehren. Warum? Weil in all dem, wie Edom über Juda spricht, unverkennbar klar wird, wie erschreckend wenig die Edomiter Gott eigentlich kennen:

Komm nicht in das Tor MEINES Volkes am Tag ihres Verderbens, und gerade DU sieh nicht schadenfroh auf sein Unheil am Tag seines Verderbens und strecke deine Hand nicht nach seiner Habe aus am Tag seines Verderbens!“ (V.13)

Juda ist das Volk Gottes. Und Edom freut sich, ja es beteiligt sich sogar an der Zerstörung von Gottes Eigentum und Volk. Und das passiert auch uns schneller, als wir oft denken: Was zeigt uns das über unser Herz? Dort, wo wir in der Gefahr stehen, Gott aus bestimmten Bereichen unseres Lebens auszusperren und nicht mehr bereit sind, uns von Ihm korrigieren zu lassen, können wir das oft als erstes an unserem Umgang mit Seinen Geschöpfen und ganz besonders Seinen Kindern erkennen: Edom verachtet, verhöhnt seinen Bruder Juda als es diesem am schlechtesten geht.

Leid durch Stolz: weil wir nicht unbeteiligt sind

Wenn es um Sünde geht, ist es gefährlich, sich nur als unbeteiligten Zuschauer oder als spöttischen Kommentator zu verstehen. Gott selbst schaut nicht zu, wenn Menschen sündigen, zuckt dann teilnahmslos mit den Achseln und kommentiert noch böswillig:

Und nun sieh nicht schadenfroh auf den Tag deines Bruders, auf den Tag seines Missgeschicks! Und freue dich nicht über die Söhne Juda am Tag ihrer Vernichtung und reiß nicht dein Maul auf am Tag der Not!“ (V.12)

Wenn du konkret siehst, wie jemand in der Gemeinde die leidvollen Konsequenzen für seine Sünde erfährt, dann ist unsere erste Reaktion sehr oft: „Das hat er davon! Muss er sich auch nicht wundern… Ich habe es ihm ja gleich gesagt.“ Es kann aber auch einfach damit beginnen, dass wir die Augen verdrehen oder wegschauen, weil das Leben des anderen gerade nicht so glatt läuft wie unseres… Oder wir sind ungeduldig und fragen empört in unserem Herzen: „Kann der sich nicht mal zusammenreißen?“

Leid durch Stolz: Gottes Bewahrung und Ausweg

Dann kann Gott Seinen Finger sehr tief und spürbar in die Wunde unseres Stolzes Ihm und anderen gegenüber legen. Das Verhängnisvolle an Stolz ist gerade, dass er eine Wunde und Krankheit ist, für die wir viel zu oft blind sind, die wir nicht spüren oder die wir sogar für eine Stärke halten. Dann denken und handeln wir genau wie Edom in V.3 und sagen zu uns selbst „Ich bin absolut im Recht. Mir kann nichts passieren. Wer wird mich zur Erde hinabstürzen?“

  • Die Haltung, die Jesus stattdessen ins uns sehen will, fragt: „Wenn es mir so ginge, wie würde ich mir wünschen, dass mir andere helfen?“ Danach können wir einander konkret fragen, miteinander dafür beten und uns darin unterstützen. Wen kennst du, dem du so beistehen kannst?
  • Vielleicht bist du aber auch jemand, der in letzter Zeit oder gerade unter dem Stolz oder „nur“ der Gleichgültigkeit anderer leidet? Weil du seit Jahren für Verwandte oder Freunde betest, aber sie nichts von Gott wissen wollen? Oder weil andere Christen über dich Gerüchte in die Welt gesetzt haben; und diese Gerüchte machen mittlerweile die Runde? Dann sagt dir Gott durch Obadja, dass er nicht wie Edom ist, lacht und zuschaut, während du leidest. Er nimmt dein Leid nicht nur wahr, zuckt mit den Schultern oder schaut einfach weg. Nicht die, die dich verspotten, haben das letzte Wort, sondern Gott.

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