Der Gedanke, der im Titel des neuen Buches von Kevin DeYoung formuliert wird, hat wahrscheinlich jeden Christen entweder unterbewusst oder bewusst schon einmal beschäftigt: Gott scheint eine unerreichbare Messlatte an unser Leben anzulegen, welche uns immer mit einem schlechten Gewissen oder Resignation zurücklässt.
Diesem Eindruck stellt sich Kevin DeYoung entgegen und zeichnet ein Bild von einem Gott, der seine Kinder wie ein liebevoller Vater anblickt.
Auf 144 kurzweiligen Seiten, werden verschiedene Bereiche thematisiert, in denen Christen Nachfolge zu einem unmöglichen Unterfangen gemacht haben. DeYoung will Christen zu einer Hingabe mit Freude und Vertrauen ermutigen und ihnen die Angst vor einem Gott nehmen, der unmögliche Ansprüche an sie stellt und ständig enttäuscht ist.
Die Widerlegung des Titels
Der Autor stellt fest, dass Versagensangst zu Passivität und Stagnation führt. Diese Angst beobachtet er auch im Gleichnis der anvertrauten Talente (Matthäus 25,14–30). Dort handelt der dritte Knecht aus Angst vor einem strengen Herrn, welchen er sowieso nicht zufrieden stellen kann. Unterfüttert mit vielen persönlichen und anschaulichen Beispiel lernt der Leser eine realistischere Sicht auf Gottes „Ansprüche“ zu entwickeln und falsche Vorstellungen abzulegen.
In den 8 Kapiteln des Buches reißt Kevin DeYoung verschiedene Themen an, welche alle die Frage nach einem möglichen Christsein beleuchten. Hier einige interessante Schlaglichter aus den Kapiteln:
1. Der Glaubenslauf ist möglich.
Paulus verwendet in seinen Briefen das Bild des Laufs, um unseren Glaubensweg zu beschreiben. In 2. Tim 4,7 schreibt er, dass er den Lauf vollendet hat. Das würde er nicht schreiben, wenn der Lauf unmöglich zu vollenden wäre. Paulus hält den Lauf für möglich und Gott tut es auch – nicht wie ein Preisrichter, sondern wie ein Vater, der stolz auf den Lauf seiner Kinder ist und diese nicht als Versager ansieht, nur weil sie keine Höchstleistungen erbringen.
2. Heilsgewissheit muss sein.
Die ständige Angst das eigene Heil zu verlieren, macht ein friedvolles Glaubensleben unmöglich. Diese Gewissheit darf sich auf Anzeichen im Leben stützen, welche keine Bedingung, sondern Indizien darstellen. Der Glaube an Jesus, ein rechtschaffendes Leben und Liebe zu den Mitmenschen zeugen von einem neuen und lebendigen Geist.
3. Die Bergpredigt soll nicht in die Verzweiflung treiben.
Das bekannte Narrativ ist, dass es das Anliegen der Bergpredigt ist, uns unsere Erlösungsbedürftigkeit vor Augen zu führen. Das stimmt, jedoch will Jesus uns durch diese Predigt auch zeigen, wie wir als Christen leben sollen. Jesus fordert keinen vollständigen Gehorsam von uns, was unmöglich wäre, sondern wünscht sich wahren Gehorsam, der unsere Herzenshaltung widerspiegelt.
Die oben angeführten Punkte veranschaulichen den Aufbau der einzelnen Kapitel. Anhand biblischer Beispiele führt er seine Argumentation verständlich und nachvollziehbar aus.
Dabei kommt er zu dem Schluss, dass selbst die Glaubenshelden der Bibel trotz vieler Sünden in ihren Leben am Ende wegen ihres Vertrauens auf Gottes Verheißungen als gottgefällig dargestellt werden. Christsein schafft man!
Eigene Meinung
„CHRISTSEIN SCHAFFT EH KEINER“ ist eine kurzweilige Lektüre, welche sich gut für zwischendurch eignet. Die jeweiligen Kapitel können gut einzeln gelesen werden, da sie eigene Gedankengänge ausführen. Die Beispiele sind leicht ausschweifend, dies fällt jedoch aufgrund der Kürze des Buches kaum ins Gewicht.
Das Buch eignet sich für Christen, die resigniert oder von den scheinbar unmöglichen Ansprüchen des Christentums deprimiert sind. Es bietet auf Grund seiner Kürze zudem einen leichten Einstieg in das Lesen christlicher Ratgeberbücher.
Der Autor präsentiert eine befreiende Wahrheit – Gott liebt mich und ist nicht enttäuscht von einem Lebenslauf, der ehrlich und bemüht gelaufen wird. DeYoung schafft es den schmalen Grad zwischen Werksgerechtigkeit und Relativismus zu gehen und ermutigt dadurch die Leser seines neuen Buches.