Vom Reis zur Nachfolge

von Alina Nordheimer
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Vom Reis zur Nachfolge

Damit ich am nächsten Morgen etwas zu Essen auf der Arbeit hätte, stand ich noch um 22 Uhr in der Küche und wollte mir ein sehr einfaches Gericht machen. Reis mit Champignon-Rahm-Soße. Tausendmal gemacht, Rezept ist nicht nötig und es wird einfach nach Gefühl mit Gewürzen um sich geworfen. Da ich eine Vorliebe für stärkeres Würzen habe und lieber zu viel Salz als zu wenig nehme, war ich dieses Mal irgendwie besonders großzügig bei der Soße. Manchmal ist weniger eben doch mehr… Beim Abschmecken hätte ich fast alles wieder ausgespuckt, denn die Soße war absolut ungenießbar. Als hätte ich einfach einen großen Schluck vom Meerwasser genommen. Ich hatte es versucht noch zu retten. Mit viel Schlagsahne hatte ich gehofft den Geschmack zu neutralisieren. Jedoch vergebens. Mit einem kurzem Gebet, dass das Essen doch irgendwie schmecken würde (ich weiß nicht ob ihr schon mal solche Gebete gesprochen habt, aber auch in kleinen Dingen dürfen wir ja auch zu Gott kommen) und ich morgen nicht hungrig dastehe, schaltete ich den Herd aus. Währenddessen hatte der Reis gekocht. Der wärmte sich ungestört im heißen Wasser und bekam dementsprechend auch keine Aufmerksamkeit von mir.

Warum diese ganze Geschichte? Zum einen, weil ich eine kleine Lernpause brauche und währenddessen so tun muss als würde ich arbeiten 😀 Zum anderen fand ich den Vergleich einfach gut. Nur keine Ahnung, ob ihr den verstehen werdet, da ich recht kompliziert und über tausend Ecken denke:

Ungenießbar

Die Pfanne mit der Soße sind meine Probleme oder Entscheidungen, die mich als Mensch beeinflussen und meinen Charakter bilden. Der Topf mit dem Reis ist hier Jesus/Gott.
Manchmal konzentrieren wir uns so sehr auf unsere Probleme oder Entscheidungen, die wir treffen müssen und lassen uns von dem Stress oder von den Handlungen anderer beeinflussen, dass wir den Überblick über das Gesamte verlieren. Ich konzentriere mich so sehr darauf, dass meine eigenen Handlungen immer mehr und mehr meinem eigenen Willen entsprechen. Jemand arbeitet zu langsam, ich werde ungeduldig. Ich laufe gegen den Tisch und werde wütend, weil es weh tat und ich wieder einen blauen Fleck bekomme, der so groß ist wie meine Faust. Mein Auto geht kaputt und ich bekomme Panik, dass ich kein Geld habe für ein neues Auto und wieder mit dem Zug fahren muss.

Und das Schlimmste, du bist so weit entfernt von Gott, dass du bei super Möglichkeiten, Menschen von Gott zu erzählen, … einfach schweigst. Die Resultate sind: Ungeduld, Reizbarkeit, Wut, Trauer, Panik, Reserviertheit, eine „Mir-ist-jetzt-alles-egal-Einstellung“, Trennung von Gott. Ich als Christ werde ungenießbar. Mit mir kann man nichts anfangen. Eigentlich würde man mich verwerfen. Gott ist weit entfernt, hatte ich gesagt. Man beachtet ihn nicht, schenkt ihm keine Aufmerksamkeit und will nur in Ruhe gelassen werden. „Mach du dein Ding, ich mach meins.“ So (oder so ähnlich) wie der Reis, der einfach vor sich hin kocht und man ihm keine Beachtung schenkt. So ein bisschen Salz habe ich ja hinzugefügt. Mehr muss da nicht sein, mehr muss ich nicht machen. So ein bisschen hatte ich ja in der Bibel gelesen. So ein bisschen habe ich ja gebetet. Das wird reichen.

Das Problem mit der Schuldzuweisung

Es gibt Phasen, da lebe ich tatsächlich in diesem Minimal-Prinzip „Ein bisschen wird reichen“. Aber wenn ich dann ehrlich zu mir selbst bin, läuft das dann so ab: Gott ist nur eine Hintergrundgeschichte, ich drängle mich vor und werde dadurch aber unglücklich. Dabei denkt man immer „Wenn es so läuft wie ich es will, dann werde ich ja glücklich sein.

Ich habe schon lange bemerkt, wie sehr ich mich ins Negative entwickelt habe. Ich wurde anderen gegenüber immer ungeduldiger. Wenn ich genervt war, zeigte ich das auch immer offen. Dinge beim Organisieren wollte ich immer allein machen, weil es mir zu „anstrengend“ war, mit anderen zusammen zu arbeiten und ich nicht wollte, dass irgendetwas fehlt oder schiefläuft und ich nicht darauf vertraute, dass die anderen es perfekt machen. Licht sein für die Welt? Warum ich und die anderen nicht? Was ist mit der oder mit dem? Auf die könntest du doch schauen Gott, nicht auf mich. Die machen doch genauso Fehler. Schau, dass die gute Christen werden.

Solche absurden Gedanken kommen einem dann hoch. Bis man diesen Nullpunkt erreicht und sagt: „Bringt mir eh nichts gut zu sein. Nimm mich aus dem Visier Gott, ich kann und will gerade nichts für dich tun.“ Wart ihr schon mal wegen den kleinsten Kleinigkeiten sauer auf Gott? „Warum Gott muss diese Kassiererin noch ewig mit dem Kunden reden, wenn ich es gerade eilig habe? Du weißt doch, dass ich schnell wohin muss! Das kann doch nicht dein Ernst sein!“ „Wieso musste mir der 50€ Schein aus der Hosentasche fallen? Hättest du das nicht verhindern können?“ Und wenn man erst in diesen Kleinigkeiten so sauer und genervt ist, wie viel schlimmer ist das dann bei größeren Problemen?

Der geduldige Vater

Und dann versuch mal die andere Seite zu sehen, die Perspektive Gottes: In dieser Zeit, in der ich nur auf mich selbst fixiert bin, bin ich unbrauchbar, ungenießbar. Ich lasse mich nicht auf Gottes Wort ein, ich will davon nichts hören, weil ich nicht mit meinen Sünden konfrontiert werden will. Predigten hört man schwerfällig zu. Mit anderen über Gott zu reden fällt einem immer schwerer. Ganz zu schweigen, wenn man mit Ungläubigen über ihn redet. Und Gott sieht das, und er findet das furchtbar und grausam. Wie ein Vater der „hilflos“ dabei zusieht, wie man im Viereck um einen Block zieht und jedes Mal denke dahinter muss doch mehr stecken! Und dann läufst du und läufst und es nimmt kein Ende. Dabei stehen so viele Schilder um dich herum die sagen: „VORSICHT TEUFELSKREIS! HIER BITTE ABBIEGEN!“ Manchmal muss man eben mit 200 km/h in ein Schild hinein brettern, damit man es bemerkt. Und das kann dann richtig weh tun.

Viele Menschen hätten dich schon längst verlassen. Die hätten gesagt, du bist ein hoffnungsloser Fall. DU bist selbst schuld an deiner Misere. Also schau DU wie du selbst zurechtkommst. Und dann kommt die Schlagsahne ins Spiel. Man versucht und versucht alles wieder gerade zu biegen. Aus eigener Kraft willst du wieder was „Gutes“ anfangen und musst jedes Mal wieder aufs Neue Fallen. Aber vergebens. Was ungenießbar ist, kann man nicht retten. Aus Verdorbenem kommt auch nur Verdorbenes (vgl. 2Tim 2) Man braucht sich darüber eigentlich nicht zu wundern. Und alles was man dann macht, bleibt dann auch verdorben. Ungenießbar. Nur zum Wegwerfen geeignet.

Was Gott dann aber macht, das gleicht jedes Mal aufs Neue einem Wunder:

Einfach unmöglich!

Leute, die Soße war wirklich absolut widerlich. Man hätte die niemals essen können. Es hat geschmeckt als würde ich pures Salz essen. Die Champignons waren gefühlt ummantelt mit Salz, wie eine Panade. Der kleine Rest an Hoffnung, es nicht nochmal neu zu kochen, war, dass der Reis den Geschmack wieder ausgleicht. Aber das war gefühlt unmöglich.

Aber, „was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“ (Lk 18,27). Denn „durch seine große Güte wurdet ihr reingewaschen von aller Schuld“ (Tit 3,7). Verrückt wie mich so eine total „unwichtige“ Situation an diese Verse denken lässt.

Normalerweise ist es doch so: Man versucht etwas durch „hinzufügen“ zu retten. Ich hatte so viel Schlagsahne reingemacht und doch wurde es nicht besser. Das gute wurde durch das verdorbene auch verdorben (Ich hoffe ihr versteht was ich meine). Die Schlagsahne gehört ja noch zur Soße, zum Rezept. Schlagsahne = Meine eigenen Werke, mit denen ICH versuche, meine Probleme und Sünden zu bereinigen. Es funktionierte nicht. Also muss etwas anderes her. Etwas dem man erst im letzten Moment seine Aufmerksamkeit widmet. Dem Reis. Jesus.

Der auf ewig genießbare Gott

Manchmal unterschätzen wir Gott. Reis ist nichts Besonderes. Er ist halt da. Wenn man ihn isst, ist es schön und gut, aber ohne geht auch. (Vielleicht ein bisschen zu weit hergeholt :D). Es geht auch ohne Gott in dieser Entscheidung. Lieber lass ich mich sofort auf diesen Deal ein, sonst ist das Angebot ja weg. Ich kann ja DANACH dafür beten, dass es gut wird. Und wenn ich nicht dafür bete? Jo mei. Dann ischeshaltso. Dass Gott dann aber vielleicht einen Ferrari statt einen 1er BMW für den gleichen Preis anbietet, daran denken wir nicht. Und prompt nervt es uns, wenn das Auto dann einen Schaden hat und nicht mehr fährt. „Ach hätte ich nur…“ (Also ich bin mega zufrieden mit meinem Auto, versteht mich nicht falsch. Ich wollte nur ein Auto nehmen, bei dem sich niemand angegriffen fühlt 😉). Aber zurück zur Geschichte. Wir denken: Gott macht eh nichts. Warum sollte er? Wie soll er mich ändern können, wenn ich so verdorben und ungenießbar bin? Das ist unmöglich (wir denken an die Stelle in Lukas).

Wenn man etwas Gutes in etwas Schlechtes wirft… wird es dann nicht auch schlecht? Nein. Nicht bei Gott. Gott ist der einzige, dessen Gut-Sein NIEMALS schlecht wird. Gott zu verderben ist unmöglich, aber nicht, dass Gott uns verändern kann (der Satz ist etwas komplizierter, aber nach ein paar Anläufen, weiß man vielleicht was ich hier geschrieben habe). Seine Güte befreit uns von aller Schuld (Titus), von all dem Dreck, von all unserer Lieblosigkeit von all unserer Ungeduld, von all unserem schlechten Denken. Gott ist gut. Er ist genießbar und wenn wir ihn in unser Leben lassen, so werden wir, durch ihn, auch genießbar sein.

Der (P)Reis, der alles besser macht

Und BAM. Machsch den Reis in die Soß‘ und das Gericht schmeckt perfekt. Mir hat dieses einfache und simple Gericht, nie so geschmeckt wie es das gestern getan hat. Und es war wirklich mega superlecker. Und es ist nur Reis mit Soße. So einfach. Und doch so gut. So einfach ist es, wenn man alles im Einklang mit Gott macht. Denn ohne, sind wir komplett aufgeschmissen. Auch wenn wir manchmal anders denken. Gott wartet geduldig bis wir ihn vom Herd nehmen, und ihn in unser eigenes Gericht, das wir Leben nennen einfügen.

Für jeden, der bis hierher gekommen ist und das Ganze durchgelesen hat: Meinen Respekt.
Für jeden, der auch verstanden hat, was ich hier überhaupt geschrieben habe: Chapeau.
Bitte nicht auf Rechtschreib- Grammatik, Schönschrift oder Anderweitiges achten. Ich bin Ausländerin. Ich darf das.
Ihr Lieben, lasst uns nicht müde werden. Nicht nur im Gutes tun, sondern auch im Glauben daran, dass Gott Unmögliches möglich machen kann.

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