Was hat Jerusalem mit Hameln zu tun?

von Mario Tafferner
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Was hat Jerusalem mit Hameln zu tun?

Eine der bekanntesten deutschen Sagen ist die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln, die bereits in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm aufgenommen wurde. In der Geschichte geht es um einen bunt gekleideten Rattenfänger, der die Stadt Hameln im Jahre 1284 gegen einen gewissen Lohn von Ratten befreien sollte. Durch das Pfeifen einer Melodie auf seiner Flöte war der Rattenfänger tatsächlich in der Lage die Ratten aus Hameln zu führen und anschließend in der nahen Weser zu ertränken. Die Bürger der Stadt verweigerten ihm jedoch später die Bezahlung. So kehrte der Rattenfänger in Gestalt eines Jägers zurück, führte die Kinder der Stadt durch sein Flötenspiel nach Osten aus der Stadt heraus und brachte sie in einen Berg östlich der Stadt hinein.

Viel später, im 19. Jahrhundert, deuteten die Gebrüder Grimm die Geschichte als eine Sage, die erklären sollte, wie Bürger die Stadt verließen, um in den Osten Europas nach Siebenbürgen (im heutigen Rumänien) umzusiedeln. Doch bis jetzt stimmen nicht alle dieser Deutung der Geschichte zu. Vielleicht habt ihr bis heute gedacht, dass die Geschichte vom Rattenfänger vollkommen frei erfunden ist. Es gibt jedoch mehrere Indizien, die darauf hindeuten, dass es sich beim Rattenfänger von Hameln nicht bloß um ein „Märchen“ handelt.

Die Gebrüder Grimm erwähnen den 26. Juni 1284 als das Datum der Wegführung der Kinder. Dieses Datum findet sich sowohl auf einem alten Torstein aus Hameln aus dem 16. Jahrhundert als auch auf einer historischen Hausinschrift in der „Bungelosenstraße“ in Hameln (wohl die Straße, durch die die Kinder auszogen). Noch interessanter ist, dass eine Handschrift (die sog. Lüneburger Handschrift von etwa 1420) eine Augenzeugin dieses Auszugs nennt: „die Mutter des Herrn Johann von Lüde“, während bereits im 13. Jahrhundert (!) also maximal 16 Jahre nach dem Ereignis, ein Glasfenster in der Hamelner Stadtkirche angebracht wurde, das einen bunt gekleideten Mann zeigte, der Kindern vorausgeht. Die meisten historischen (und alten) Quellen berichten von vier wiederkehrenden Fakten, die das Ereignis beschreiben:

  1. Sie nennen den 26. Juni 1284 als ein exaktes Datum;
  2. Sie nennen die genaue Anzahl der 130 verschwundenen Kinder;
  3. Sie beschreiben den Rattenfänger als einen bunt gekleideten Mann;
  4. Sie geben den Koppenberg, einen Berg etwa 15 Kilometer östlich von Hameln, als Endpunkt des Kinderzugs an.

Dieses wiederkehrende und schon früh bezeugte Muster von Fakten hat viele Historiker überzeugt, dass am 26. Juni 1284 tatsächlich etwas in Hameln geschehen sein muss, bei dem 130 Kinder der Stadt von einem bunt gekleideten Mann in Richtung des Koppenberges aus der Stadt geführt wurden. Nun gibt es verschiedene Deutungen dieses Ereignisses (Umsiedlung, Pest, Kinderkreuzzug, Vergiftung, heidnisches Fest mit anschließendem Mord) sowie die Annahme, dass die Ratten eine spätere zusätzliche Hinzufügung darstellen. Die grundlegende Geschichtlichkeit wird jedoch nicht wirklich bestritten. Der Rattenfänger von Hameln, das Märchen der Gebrüder Grimm, ist keine erfundene Sage, sondern geht auf eine wahre Begebenheit zurück.

Was aber hat Jerusalem mit Hameln zu tun? Auch in Jerusalem hat sich um das Jahr 30 n. Chr. ein Ereignis zugetragen, dessen historische Glaubwürdigkeit sich durch vier früh und mehrfach bezeugte Fakten herausstellt. Das Neue Testament berichtet von der Auferstehung Jesu von Nazareth von den Toten. Ein Märchen ohne historischen Hintergrund? Wie im Fall des Rattenfängers sollen vier historische Fakten helfen:

1. Jesus von Nazareth starb an einem römischen Kreuz

Es gibt keinen ernst zu nehmenden Historiker, der bestreitet, dass Jesus tatsächlich in Jerusalem gekreuzigt wurde und dabei auch tatsächlich zu Tode kam. Viele alte historische Quellen berichten von diesem Ereignis: die Evangelien (die fast alle in das 1. Jahrhundert datiert werden), der römische Historiker Tacitus und der jüdische Historiker Josephus Flavius (und noch einige weitere).

2. Am Ostermorgen war das Grab leer

Das Grab Jesu in Jerusalem war bekannt. Die Evangelien geben den Namen des Besitzers des Grabes an: Josef von Arimathäa. Ein „Märchen“ vom leeren Grab hätte somit leicht identifiziert werden können. Die Evangelien berichten jedoch einheitlich von Frauen, die das Grab leer vorfanden. Dies ist insofern interessant, als dass das Zeugnis von Frauen in der Zeit Jesu wesentlich weniger wert war als das Zeugnis von Männern. Hätte jemand die Geschichte vom leeren Grab erfunden, dann hätte er sich wahrscheinlich männliche Kronzeugen ausgedacht.

3. Jesus erschien Menschen nach seiner Auferstehung

Der Apostel Paulus berichtete in seinem ersten Brief an die Korinther von 500 Menschen, die Jesus nach seiner Auferstehung begegneten. Dieser Brief wird in der Regel in die Mitte der 50er Jahre des ersten Jahrhunderts datiert. Das sind gerade einmal etwa 20 Jahre nach dem Ereignis der Kreuzigung. Paulus wies mit Recht darauf hin, dass viele dieser Zeugen „noch leben“ und somit damals befragt werden konnten.

4. Die Mission der frühen Kirche

Die ersten Christen eroberten die damals bekannte Welt im Sturm mit ihrem Glauben. Viele starben den Märtyrertod beim Verkündigen des Evangeliums und der Auferstehung Jesu. Wäre Jesus einfach im Tod geblieben, müsste ein besonderer Grund für diese plötzliche Motivation gefunden werden. Die Auferstehung Jesu, bestätigt durch 500 (!) Zeugen, erklärt jedoch ganz einfach, woher die Hingabe der frühen Christen kam. Sie glaubten an die Auferstehung, weil sie sehr gute Gründe dafür hatten.

Diese vier Fakten lassen sich am effektivsten und einfachsten deuten, wenn man den frühesten historischen Quellen im Neuen Testament glaubt und die Geschichtlichkeit der Auferstehung Christi akzeptiert. Auch wenn einige die Auferstehung als „Märchen“ abstempeln wollen, so haben wir doch gesehen, dass sogar der Rattenfänger von Hameln wahrscheinlich eine historische Gestalt ist.[1] Wenn wir unsere Vorurteile über die Glaubwürdigkeit der Auferstehung einmal kurz zur Seite legen, dann erscheint die Geschichtlichkeit dieses Ereignisses sehr gut begründbar zu sein.[2]

Was nun? Die Auferstehung ist nicht bloß ein historisches Ereignis, dessen Geschichtlichkeit angenommen werden kann. Wenn Jesus auferstanden ist, dann bestätigt das seine Lehren und Taten. Diese könnt ihr gemeinsam mit den glaubwürdigsten Texten über die Auferstehung im Neuen Testament finden.


[1] Die Informationen zum Rattenfänger von Hameln sind sehr übersichtlich in der Dokumentation „Rattenfänger, was in Hameln wirklich geschah?“ in der Reihe „Planet Wissen“ zusammengefasst.

[2] Die Fakten über die Auferstehung können bei Habermas und Licona, „The Case for the Ressurection of Jesus“ (Grand Rapids: Kregel, 2004) nachgelesen werden.

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1 Kommentar

Reformierter Spiegel #20 | 7. Februar 2016 - 01:07

[…] WAS HAT JESUS MIT HAMELN ZU TUN? […]

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