Klassenzimmer – Apologetik

von Lars Reeh
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Klassenzimmer – Apologetik

Bestandsaufnahme

Du: Hast Sommerferien. Bist am auspennen. Bist Christ (irgendwie). Hast Zeit. Willst Bibel lesen (klappt spärlich). Relativismus? Kennst du vage. Apologetik? Nie gehört.

Klassenzimmer: Das Klassenzimmer ruft aus der Ferne. Die Lehrer sind eigentlich ganz okay; irgendwie engagiert, meistens freundlich. Sie verteilen zu viele Arbeitsblätter, aber was soll’s. Auch wenn in diesem Klassenzimmer mäßig gelernt wird; eins ist gewiss:

Wahrheiten gibt es viele. „Die Wahrheit“ gibt es nicht. Jeder soll machen was er will, solange er niemand anderem dabei schadet.

Um was geht’s

Diese Haltung heißt Relativismus. Relativismus bedeutet: Es gibt nichts gültiges, was wirklich gültig ist. After all wer bin ich, jemandem meine Meinung aufzuzwingen?

Wem das bekannt vorkommt, fragt vielleicht: So what? Steht nicht schon in der Bibel anything goes? Also, warum der Terz? Antwort: Weil Jesus den Relativismus hasst!

Ich bin die Wahrheit (Joh 14,6), sagt der Herr Jesus.

Jesus ist nicht die Wahrheit, sagt der Relativismus.

Merkst du‘s schon, oder relativierst du noch? Wahrheit hui; Relativismus pfui.

Klassenzimmer – Apologetik

Klassenzimmer-Apologetik (Apologetik = Verteidigung des Glaubens) erkennt den Relativismus und lässt sich von ihm nicht hinters Licht führen. Ein gutes Argument dafür geht so: Zu sagen, es gibt keine absolute Wahrheit (= Relativismus), ist eine absolute Aussage (nämlich: Es gibt KEINE Wahrheit). Die Verneinung der Wahrheit ist in sich schon ein Wahrheitsanspruch. Damit führt die Hauptaussage des Relativismus zu einem Selbstwiderspruch. Der Relativismus widerlegt sich also selbst. Nachdem das geklärt ist, kann der Unterricht anfangen. Denn wo die Beliebigkeit aufhört, beginnt das echte Lernen.

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Heiko 3. September 2013 - 21:01

Baam! Sehr gut auf den Punkt gebracht!

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Annalena 4. September 2013 - 23:48

sehr hilfreich, danke 🙂 das werd ich demnächst im sogenannten religionsunterricht mal sagen, wenn ich wieder mal wegen meines glaubens an jesus christus verurteilt werde.
😛

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Andy 5. September 2013 - 01:39

klasse Argumentation! 🙂

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Lars 5. September 2013 - 15:29

Vielen Dank! Es freut mich, wenn der Artikel weiterhilft.

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Lars 9. September 2013 - 16:15

Wenn hier schon über „Wahrheit“ bzw. „Wiedersprüchlichkeit“ geredet / geschrieben wird, könnte man sich doch z.B. auch mal über die Paradoxität von Allmacht und Allwissenheit unterhalten. Nur so ein Denkanstoß…

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Simon 9. September 2013 - 22:06

@ Lars: Warum sind Allmacht und Allwissenheit widersprüchlich? Wie auch immer: Die Idee, mehr Beiträge in die Richtung zu verfassen ist gut.
@ Lars Reeh: Bitte mehr davon 🙂

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Lars R. 10. September 2013 - 12:40

Hallo Lars,

entnehme ich deinem Kommentar, dass du meiner Argumentation im Artikel nicht zustimmst? Wenn ja, warum?

Gruß Lars R.

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Lars 10. September 2013 - 16:39

richtig, ich stimme dem artikel nicht zu. das problem mit der „wahrheit“ ist, dass es keine allgemein gültige definition gibt. jeder erfährt wahrheit anders. mir ist bewusst damit genau in die kerbe deine „der relativismus verneint sich selbst“-these zu schlagen. deshalb habe ich darauf verwiesen, das auch im christlichen glauben wiedersprüchlichkeiten stecken, die sich nicht ohne weiteres wiederlegen lassen und nur durch den „glauben“ und somit durch eine für das individuum gültige „wahrheit“ legitimiert werden.
ausserdem stören mich im artikel mehrere aussagen:
1. „Weil Jesus den Relativismus hasst!“ – finde ich sehr anmaßend so eine aussage im namen des herren zu treffen (passend zum thema hass usw. siehe: Mt 5,43).
2. „Jeder soll machen was er will, solange er niemand anderem dabei schadet“ und „After all wer bin ich, jemandem meine Meinung aufzuzwingen?“ – scheinen mir ironische formulierungen zu sein. ich bin für dialog, toleranz und nächstenliebe, nicht für indoktrination und ausgrenzung.

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Lars R. 11. September 2013 - 10:20

Hallo Lars.

Woher weißt du, dass es keine allgemeingültige Definition von Wahrheit gibt?
Wie begründest du, dass „jeder Wahrheit anders erfährt“?
Deine beiden Aussagen „es gibt keine allgemeingültige Definition von Wahrheit“ und „jeder erfährt Wahrheit anders“ sind jeweils Wahrheitsansprüche. Inwieweit bist du nach deinen eigenen Denkvoraussetzungen gerechtfertigt, diese Aussagen zu treffen? Ich widerspreche deiner ersten Aussage und bedingt auch deiner zweiten Aussage. Wenn du nun meinst, ich würde das falsch sehen, handelst du entgegen deiner eigenen Denkvoraussetzung und begehst den von dir so verschmähten Selbst-Widerspruch.
Somit schlägst du, wie du selbst erkannt hast, genau in meine Kerbe – in der du dann auch erstmal hängen bleibst. Der Verweis auf angebliche Widersprüchlichkeiten im Christentum entkräftet deinen Selbstwiderspruch allerdings nicht.

Zu 2. Diese beiden Aussagen habe ich sinngemäß im Alltag bereits vernommen; und zwar völlig ironiefrei.
Die Begriffe Dialog, Toleranz und Nächstenliebe sind ohne ein Dogma und ein Verständnis von Inklusion/Exklusion inhaltsleere Floskeln, die (ohne Dogma) nicht lebbar und kaum denkbar sind.

Gruß Lars R.

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Lars 11. September 2013 - 11:10

ich habe nicht gesagt das ich den selbst-wiederspruch verschmähe und wenn ich sage „jeder erfährt Wahrheit anders“ ist das meine subjektive wahrheit. mir ist bewusst, dass andere leute das anders sehen. somit erkenne ich in meiner aussage keinen selbstwiederspruch und wenn doch, so kann ich diesen annehmen, da ich auch die von mir angesprochenen wiedersprüche im christentum annehme. Ein weiteres beispiel könnte hier die reformation bieten, da luther wohl auch eine andere „wahrheit“ als die in den damaligen katholischen lehren verbreitete gesehen hat.

zu 2.: du hast sie im alltag vernommen und stehst dem negativ gegenüber wenn ich deinen artikel richtig verstanden habe. der umkehrschluss wäre also: es ist ok jemandem seine meinung aufzuzwingen bzw. gefühle zu verletzen. war das so von dir gemeint? das würde nämlich auch deine ausführungen zu toleranz und nächstenliebe erklären.
zu 1. has(s)t du dich nicht geäußert.

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Lars R. 12. September 2013 - 15:52

Hallo Lars,

Die von dir postulierten „Widersprüche“ innerhalb des Christentums sind nicht in der gleichen Kategorie wie der Selbst-Widerspruch des Relativismus. Auf andere Widersprüche hinzuweisen, seien sie nun vorhanden oder nicht, macht den Relativismus nicht intellektuell redlicher.

zu 1. In meinem Artikel zitiere ich Joh.14,6, worin Jesus sagt: „Ich bin die Wahrheit“. Bei „die Wahrheit“ haben wir es mit einem definitiven Artikel zu tun. Jesus sagt also, dass er die absolute, objektive Wahrheit ist. Der Relativismus widerspricht mit seinen Behauptungen Jesu Worten, wodurch sich der Relativismus in Opposition zu Jesus stellt. Jesus Christus wird seine unbußfertigen Feinde im Endgericht bestrafen. Von daher ist es angemessen, in Bezug auf den Relativismus von Hass zu sprechen (vgl. Psalm 5)

zu 2. Die Aussage „jeder soll machen was er will, solange er niemand anderem dabei schadet“, ist eine hochgradig ideologische Aussage (Relativismus, Utilitarismus). Das Gegenteil von „jeder soll machen, was er will“ ist nicht „jemandem seine Meinung aufzuzwingen“, sondern „jeder soll machen was er will“ ist bereits ein Aufzwingen einer Meinung.

Joseph Ratzinger sprach von der Diktatur des Relativismus.

Meine Ausführung über Toleranz ist korrekt (John Locke würde mir zustimmen). Ich bin ein sehr toleranter Mensch! Vielleicht bist du derjenige, der Toleranz nicht richtig verstanden hat?

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Lars 13. September 2013 - 12:30

aua. war es nicht eben jener john locke der gesagt hat das die meinung der bibelinhalte immer ungewiss bleiben wird, da sie gottes wille in menschlichen worten ausdrückt? du willst mir also wirklich toleranz mit einem verweis auf jemanden erklären, der deine „absolute, objektive“ und „hochgradig ideologische“ aussage zur wahrheit, die du anhand der bibel begründest, in frage stellt? Nach locke ist deine äusserung „jesus hasst den relativismus“ dann übrigens auch hinfällig und ich bin mir deshalb nicht sicher ob er dir zustimmen würde…

bei der aussage „jeder soll machen was er will, solange er niemand anderem dabei schadet“ handelt es sich wenn überhaupt um negativen utilitarismus, da nicht die maximierung des glücks, sondern das vermeiden von leid im vordergrund steht. Und dennoch: wie jemandem eine meinung aufgezwungen werden kann, wenn er frei ist sich seine meinung selbst und ohne einwirken anderer zu bilden, will sich mir einfach nicht erschließen.
Bei ratzingers „diktatur des relativismus“ liegt der hase im pfeffer: er sagt das relativismus für eine demokratie unabdingbar ist, die werte und ethik einer gesellschaft jedoch durch glauben und kirche geschaffen werden sollen. Die kirche will also mit verweis auf „die eine wahrheit“ die grundlage für entscheidungen für das gesellschaftliche zusammenleben geben. Wird dieser anspruch zurückgewiesen, gilt dies als intoleranz gegenüber der kirche und dem glauben. eben als „diktatur des relativismus“, da „die eine wahrheit“ nicht akzeptiert wird (und dies allein sollte schon auf mehrere wahrheiten hinweisen). Das viele ansichten der (katholischen) kirche selbst höchst intolerant sind und somit im umkehrschluss zu einer „diktatur der einen wahrheit“ für viele menschen führen würde, wird hierbei ausgeklammert.

Was von was das gegenteil ist bleibt eigentlich nebensächlich. Deshalb formuliere ich meine frage um: bist du der meinung das es gerechtfertigt ist bei der verteidigung der „einen wahrheit“ gefühle anderer zu verletzen bzw. jemandem die „eine wahrheit“ aufzuerlegen so wie es dein artikel impliziert?

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Lars R. 14. September 2013 - 11:21

Ich habe mich auf Locke’s Toleranzbegriff bezogen. Da du dich bei Locke auskennst, ist dir sicher nicht entgangen, dass er Atheisten und Katholiken aus seinem religiösen Toleranzbegriff ausschliesst. Soviel zu „aua“.

„Die Gefühle anderer verletzen“? Das muss ein Scherz sein? Ich werde in einer Diskussion wie dieser nicht über „verletzte Gefühle“ sprechen. Du kennst bestimmt ganz viele Leute, mit denen du besser über Gefühle sprechen kannst.

zu) „Eine wahrheit auferlegen“:
Ich bin Anhänger der Zwei-Reiche-Lehre.

Ich habe zu dem Thema erstmal alles gesagt und möchte die Diskussion jetzt beenden.

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Lars 14. September 2013 - 12:04

ok. nur noch so viel: locks brief über toleranz ist grade in bezug auf atheisten und katholiken inkonsequent. deshalb schlechtes beispiel.
ob und mit wem ich über gefühle spreche ist egal und das du über eine persönliche ebene versuchst meiner frage auszuweichen und dein verweis auf die zwei-reiche-lehre sind mir antwort genug. deshalb stimme ich dir zu die diskussion besser zu beenden.

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Interview: Du hast genau die Eltern bekommen, die du bekommen solltest | Hanniel bloggt. 28. September 2013 - 19:03

[…] Lars Reeh ist 26 Jahre alt, studiert Lehramt in Gießen und verbringt seine Freizeit gerne mit Lesen bzw. Spaziergängen. Seine Arbeitsbereiche und Interessenschwerpunkte sind Apologetik, Pädagogik, Postmoderne und Pop-Kultur. Hier geht es zu seinem Artikel “Klassenzimmer-Apologetik”. […]

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