Das Zeitalter des Selbst – und seine Grenzen
Das Zeitalter des Selbst ist vom Streben nach Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung gekennzeichnet, mit dem Ziel, sich selbst zu verherrlichen. Die Befriedigung unserer Bedürfnisse gilt dabei als höchste Priorität. Der Zeitgeist ruft dazu auf, die Realität in unsere eigenen Hände zu nehmen und diese so zu formen, wie es uns gefällt.
„Ich selbst als höchste Autorität – Ich selbst als Zentrum meines eigenen Lebens.“
Das ist das Zeitalter, in dem wir uns aktuell befinden.
Die Hoffnung, wahre Erfüllung und Freude in sich selbst zu finden, bricht jedoch schnell zusammen. Der Motivation und dem Ehrgeiz, die beste Version seiner Selbst zu erreichen, folgen Enttäuschung und Frustration. Wir müssen uns eingestehen: Wir schaffen es nicht.
Der Blick weg von uns – hin zu Christus
Und genau da setzt Jen Oshman an. In ihrem Buch „Genug von mir“ untersucht die Autorin genau dieses, vor allem unter Frauen weit verbreitete Phänomen – der Wunsch, einem Ideal eines makellosen Selbst gerecht werden zu wollen. Dafür erforscht sie die Wurzeln dieses Problems sowie den Einfluss, den es auf uns Frauen hat und wie wir, als Nachfolgerinnen Jesu damit umgehen sollten. Zentral wird die Frage behandelt, wie es möglich ist, echte Freude in diesem Zeitalter zu finden, trotz der erdrückenden modernen „Strategie der Selbstverbesserung“.
Das Buch ruft Frauen dazu auf, den Blick weg von sich zu richten und auf Christus zu schauen, da er es ist, der unsere Identität bestimmt und nur er uns mit wahrer Freude erfüllen kann.
Persönlich, anschaulich, herausfordernd
Das Buch ist aufgeteilt in sieben Kapitel. Jedes dieser Kapitel leitet Oshman mit Beispielen aus ihrem alltäglichen Leben ein, die einen komplexeren Zusammenhang anschaulich und verständlich machen. Der Leser hat so die Möglichkeit, sich ein Stück weit mit ihr zu identifizieren und Parallelen festzustellen. Durch ihre direkte Ansprache an den Leser gelingt es ihr, diesen persönlich einzubeziehen und zur Reflexion zu bewegen.
Die Wurzel des Problems – und unsere wahre Bestimmung
Oshman geht der Ursache unseres Verlangens nach Selbstverbesserung anhand von mehreren Weltanschauungen aus den letzten Jahrhunderten auf den Grund. Unser Irrglaube, wie Gott sein zu können, begann schon beim Sündenfall und zieht sich bis heute durch die Menschheitsgeschichte. Wir selbst ernannten uns zur Quelle von Weisheit und Sinn und entfremdeten uns somit von dem Auftrag, zu dem wir geschaffen wurden.
Sie macht deutlich, dass nicht wir, sondern Gott das Zentrum unserer Existenz ist. Oshman erinnert daran, weshalb wir von ihm geschaffen wurden und was folglich unser Auftrag als Geschöpfe Gottes ist: Unsere Aufgabe ist es nämlich nicht, uns selbst zu dienen, sondern Gott allein. Oshman formuliert es so: „Unser Treibstoff ist Selbstverbesserung, Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung. Der Kraftstoff des Selbst ist jedoch ausgegangen. Deshalb sind wir müde und entmutigt und stecken in einer Krise. […] Wenn wir vorankommen möchten, müssen wir von dem Treibstoff angetrieben werden, für den wir gemacht wurden – von Gott selbst. Bis dahin werden wir ruhelos bleiben.“
Widerstand gegen den Selbstbetrug der Kultur
Oshman stellt die gesunde Beziehung zu Gott in den Vordergrund. Sie betont die Wichtigkeit, Gott gut zu kennen und sein Wort zu studieren. Denn erst wenn wir die Wahrheit kennen, erkennen wir auch die Lüge. Hinter alltäglichen motivierenden Leitsprüchen wie „Du schaffst das!“, „Folge deinen Träumen!“ oder „Nimm dein Schicksal selbst in die Hand!“, die heutzutage überall zu finden sind, versteckt sich die Illusion, alles alleine schaffen zu können.
Jesus ist genug – und das macht frei
Wir sind nicht genug und unsere Leistung reicht niemals aus. Dies entspricht nicht der gesellschaftlich vertretenen Ideologie, die vergeblich versucht, dies zu widerlegen. Doch es ist die Realität. Zunächst ist diese Wahrheit ernüchternd, aber sie schenkt Freiheit, wenn wir von unserer Unvollkommenheit wegsehen und auf den blicken, der vollkommen gut ist: Wir haben Jesus und er ist genug.
Wir sind nicht länger auf uns gestellt, sondern können auf Jesus vertrauen. Wir brauchen keine weiteren Selbstverbesserungsvorschläge, um von anderen Menschen Ansehen zu bekommen oder uns selbst zu bestätigen.
Wenn wir in Jesus tief verwurzelt, gegründet und gefestigt sind und uns selbst verleugnen, so wie Jesus es von seinen Nachfolgern verlangt, werden wir frei von unserer zerstörerischen Selbstzentrierung und finden bleibende Freude und Erfüllung in Christus.
Dieser Weg ist nicht leicht und Veränderung kommt nicht sofort. Es ist ein Prozess, der Selbstaufopferung und Selbstlosigkeit fordert.
Ein wertvolles Buch für Frauen, Gruppen und Jüngerschaft
Ich empfehle dieses Buch jeder Frau, die mit dem Frust der ständigen Selbstverbesserung kämpft und tiefere Freude in einem auf Christus zentriertem Leben finden möchte.
Das Buch eignet sich sehr gut für die persönliche Lektüre, ist aber auch ideal für Jüngerschaften oder Frauenkreise geeignet. Oshman gibt der Leserschaft am Ende jedes Kapitels Fragen und Denkanstöße an die Hand, die dazu dienen, sich selbst zu reflektieren und den gemeinsamen Austausch über persönliche Erfahrungen und Gedanken anzuregen.
Die Autorin stellt Christus immer wieder klar in das Zentrum ihres Buches und bringt somit eine oft vergessene, aber heilende Realität in den Vordergrund.
Eine Rezension von Maria Krampulz