Geld ist immer, vor allem aber unter Christen, ein Thema, mit dem man sich auf Messers Schneide bewegt. Zum einen, weil das materielle Wohl nicht nur Gesellschaften spalten kann, sondern weil es oft auch ein Thema ist, das sehr privat ist und über das „man nicht redet“. Zum anderen muss man auch zugeben, dass dieses Thema in der Bibel trotz seiner Präsenz nicht immer ganz einfach zu verstehen ist.
Wie sind Aussagen wie: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt“ (Mk 10,25) gemeint? Spricht sich die Bibel gegen den Besitz von viel Geld aus?
Erschwert wird das auch durch gesellschaftliche und geschichtliche Gegebenheiten.
Was ist davon zu halten, dass die Kirche in der Vergangenheit viel Geld hatte und das oft für viele falsche Dinge ausgegeben hat? Und wie sollten wir darüber denken, dass wir hier in Europa viel reicher sind als die meisten Menschen auf unserer Erde?
Das Problem des Materialismus
Wenn wir den Umgang mit Geld in unserer Zeit anschauen, dann sehen wir einen „Ich-bezogenen“ Materialismus. Nina Chubas‘ Lied „Wildberry Lillet“ ist dafür ein sehr gutes Beispiel.
Im Refrain singt sie:
„Ich will Immos, ich will Dollars, ich will fliegen wie bei Marvel
Ich hab‘ Hunger, also nehm‘ ich mir alles vom Buffet
Will ein Haus für meine Mama an der Küste von Catania
Zum Frühstück Canapés und ein Wildberry Lillet“
Das ganze Lied dreht sich darum, was sie sich wünscht: Angefangen bei Geld über Häuser bis hin zu gutem Essen und Getränken und Wohlstand im Allgemeinen.
Hieran sehen wir, wie unsere Kultur tickt. Wir wollen immer mehr. Größer. Besser. Reicher. Das ist das Motto und die Einstellung zum Geld und zu irdischen Gütern, die wir als Christen viel zu oft übernehmen.
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“
Das Problem mit Materialismus ist nämlich der Fokus, den man auf materielle Dinge legt. Materielle Dinge an und für sich sind nichts Schlechtes, das werde ich später noch genauer erläutern. Das Problem ist jedoch, dass der Materialismus die Erfüllung und den Lebenssinn im Geld sucht. Für Materialisten ist Geld das alles Entscheidende, der materielle Reichtum wird zum Götzen. Etwas eigentlich Gutes wird durch den Fokus und die falsche Herzenshaltung zum Götzen und damit zum Problem. Das ist ein typisches Phänomen, das sich bei vielen Dingen beobachten lässt. Wir Menschen nehmen Gottes gute Schöpfung und verkehren sie ins Schlechte, weil wir sie an Gottes Platz stellen. Deshalb ist Materialismus und nicht materielle Dinge an sich das Problem. Nicht der Reichtum, sondern der Fokus darauf. Matthäus 6,21 fasst passend zusammen: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“.
Ein weiterer Punkt, der bei Nina Chubas‘ Lied sehr deutlich wird, ist der starke Fokus auf das „Ich“. ICH will das, ICH will jenes. Gottes Wort sagt uns eindeutig, dass wir anderen gegenüber großzügig mit unserem Geld umgehen sollen. Eines der zentralen Themen, das im Zusammenhang mit Geld immer wieder in der Bibel vorkommt ist das Spenden. Sowohl das Geben an Bedürftige als auch das Geben an die Gemeinde und christliche Organisationen, wird hier erwähnt. Unser Umgang mit dem Geld sollte also nicht auf uns selbst fokussiert sein, sondern auch den Nächsten und die Gemeinde im Blick haben.
Die falsche Reaktion auf den Materialismus
Einige Christen fallen in der Reaktion auf den Materialismus auf der anderen Seite vom Pferd, indem sie Geld und den Wohlstand an sich verteufeln, anstatt eine biblische Sicht darauf zu entwickeln. Sie sagen dann, dass wir uns völlig von materiellen Dingen lossagen sollen und nur mit dem absolut Nötigsten leben sollten. Eine Extremform davon sind mit Sicherheit einige Mönchsorden, die (früher noch mehr als heute) in absoluter Armut leben und selbst nichts besitzen als nur ihre Mönchsrobe. Sie gehen nicht arbeiten, sondern leben von Essensspenden, die sie von anderen bekommen.
Diese Christen vergessen, dass auch Geld zu den guten Gaben Gottes gehört. Anstatt ihn für diese Gaben zu loben und verantwortlich damit umzugehen, glauben sie, dass das Enthalten davon frömmer oder heiliger ist.
Andere Christen hingegen springen auf das Pferd des Materialismus auf und legen noch eine Schippe drauf, indem sie sagen, dass Gott jedem Christen Wohlstand schenkt, wenn er wirklich glaubt. Wenn ein Christ nicht in Wohlstand lebe, dann nur, weil sein Glaube nicht stark genug sei.
Diese Reaktion ist bei weitem schlimmer als die erste, weil sie das Evangelium leugnet und auf irdische Dinge fokussiert ist. Das Problem ist nämlich offensichtlich: Der Glaube ist ein Mittel, um Wohlstand zu erlangen und kein herzliches Vertrauen in die Wahrheiten der Bibel, die unsere Erlösungsbedürftigkeit und eben diese Erlösung beschreibt, die Gemeinschaft mit Christus in Ewigkeit möglich macht.
Dieses Wohlstandsevangelium führt weg vom wahren Evangelium und muss deshalb als eindeutige Irrlehre angesehen werden.
Eine christliche Sicht auf Geld
Wie wir gesehen haben, ist also weder das Verleugnen des Wohlstands, noch das Verherrlichen desselben die richtige Reaktion auf die Fehlentwicklung, die Nina Chuba in ihrem Lied besingt.
Wie sollten wir aber als Christen über Geld und Wohlstand denken? Im Folgenden möchte ich dir einige Prinzipien für den richtigen Umgang mit Geld an die Hand geben:
1. Betrachte Geld als Gottes Gabe
Geld ist eine Gabe Gottes. Prediger 5,18 sagt uns: „Auch wenn Gott irgendeinem Menschen Reichtum und Schätze gibt und ihm gestattet, davon zu genießen und sein Teil zu nehmen und sich zu freuen in seiner Mühe, so ist das eine Gabe Gottes.“
Geld als Gottes Gabe zu betrachten wird uns helfen richtig damit umzugehen, denn am Ende ist es nichts, was dir gehört, sondern etwas, das Gott gehört. Gott hat dir das Geld gegeben, damit du verantwortungsbewusst damit umgehst und es recht nutzt.
2. Sei dankbar für den Wohlstand, den du hast
Wenn wir verstehen, dass Geld etwas ist, das Gott uns gibt, dann ist es logisch, dass wir dankbar dafür sein sollten. Viel zu oft vergessen wir dankbar zu sein, vor allem für die Dinge, die wir für selbstverständlich nehmen; dabei fordert uns Gottes Wort dazu auf: „Ehre den HERRN mit deinem Besitz“ (Sprüche 3,9).
3. Teile von deinem Wohlstand, wo möglich
Gottes Wort sagt uns an vielen Stellen, das wir unser Geld spenden sollen. Ob an Bedürftige oder an die Gemeinde: das Spenden hat einen wichtigen Einfluss auf unseren Umgang mit Geld, weil es uns lehrt die ersten beiden Prinzipien besser zu verstehen. Wenn ich mein Geld von Gott bekommen habe und dankbar für dieses Geschenk bin, dann wird es mir einfacher fallen dieses Geld anderen zu Verfügung zu stellen, die es nötig haben. Denn leider gibt es auch im Bereich des Geldes sehr viel Missbrauch und Menschen, die unter diesem Missbrauch leiden. Das ist eine Folge des Sündenfalls und in keinem Fall von Gott so gewollt. Hier gibt es auch Momente in denen Weisheit gefragt ist, denn nicht immer ist es weise Bedürftigen Geld zu geben. Z.B. kann es in Entwicklungsländern sinnvoll sein, nicht mit reinen Geldspenden durch das Gießkannenprinzip zu helfen, sondern eher durch Entwicklungshilfe, auch, wenn das die Lebensbedingungen der Menschen nicht sofort verbessert. Gesteuert von der Nächstenliebe gilt es hier, das Beste für seinen Nächsten zu suchen und auch sein Geld zum Besten des Nächsten einzusetzen (vgl. Römer 13,8-10).
4. Beneide andere nicht, die mehr Geld haben als du
Eine Gefahr, die das Geld oft mit sich bringt, ist der Neid. Wenn du nicht gerade Elon Musk bist, dann gibt es Menschen auf dieser Erde, die reicher sind als du. Und weil uns Prediger 5,9 sagt: „Wer Geld liebt, bekommt vom Geld nicht genug, und wer Reichtum liebt, nicht vom Gewinn“, müssen wir aufpassen, dass wir nicht blind hinter unserem Reichtum und der Vermehrung unseres Geldes herlaufen.
Viel zu schnell vergessen wir alles um uns herum und fokussieren uns zu sehr darauf reicher zu werden. Gott möchte aber, dass wir zufrieden mit dem sind, was er uns schenkt und selbst in Notsituationen auf ihn vertrauen. Die Witwe, von der wir in Lukas 21 lesen ist dabei ein wahres Vorbild. In ihrem großen Vertrauen auf Gott hat sie all ihren Besitz gespendet und darauf vertraut, dass Gott sie versorgt. Anstatt neidisch zu sein, sollten wir also viel mehr Gott vertrauen und uns auch an den Gaben erfreuen, die er anderen gegeben hat.
5. Häng dein Herz nicht an dein Geld, sondern an Jesus
Als Grundprinzip könnte man sagen, dass wir unser Herz nicht an irdisches, materielles Vermögen hängen sollen, sondern allein an Jesus. Unser irdisches Vermögen ist zwar nicht grundsätzlich böse, sondern Gottes gute Gabe – und trotzdem laufen wir Gefahr, zu sehr darauf fokussiert zu sein. Gottes Wort sagt uns: „Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen“ (1. Tim 6,10). Wir sollten diese Warnung ernst nehmen und nicht zu sehr auf unsere irdischen Güter schauen, sondern auf Jesus.
Denn in ihm haben wir einen Schatz, der mit Geld nicht zu bezahlen ist. Er ist wertvoller als alles Geld, das wir jemals besitzen können.