Der Fall Latzel und die Intoleranz der neuen Toleranz

von Jochen Klautke
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Der Fall Latzel und die Intoleranz der neuen Toleranz

Kurz nach meinem Abitur im Jahr 2007 begleitete ich meinen Vater für ein Wochenende nach Bremen. Er war von der evangelisch-reformierten St.-Martini-Gemeinde für einige Vorträge und eine Predigt eingeladen worden. Diese Gemeinde ist in mehrfacher Hinsicht besonders. Sie gehört zum Bremer Teil der evangelischen Landeskirche und trifft sich in einer großen Kirche in der Innenstadt direkt an der Weser. Während die evangelischen Landeskirchen generell dafür bekannt sind, dass ihre Kirchen immer leerer und ihre Theologie immer verwässerter wird, bekennt sich die St.-Martini-Gemeinde mutig zur Wahrheit der gesamten Bibel und stellt das Evangelium ins Zentrum ihres Gemeindelebens.

Als ich damals im Gottesdienst saß, war ich beeindruckt, dass um die 300 Leute eine alte Kirche zum Gottesdienst besuchten, darunter auch viele junge Leute. Die Gemeinde selbst steckte damals in einem Umbruch. Der damalige Pastor stand kurz vor dem Ruhestand, der neue Pastor war gerade gefunden worden. Sein Name ist Olaf Latzel. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Leute aus der Gemeinde viel über den Pastorenwechsel sprachen. Seitdem hatte ich Pastor Latzel und auch die Gemeinde weitgehend aus den Augen verloren. Irgendwann las ich dann irgendwo, dass ihn die BILD-Zeitung einmal als „Macho-Pastor“ bezeichnete, weil er der Auffassung ist, dass von der Bibel her nur Männer Pastoren werden sollen. Aber ansonsten hatte ich nie wieder bewusst etwas von ihm gehört – bis vorgestern.

Eine Predigt, die einschlägt…

Seit vorgestern ist der Bremer Pastor nämlich in zahlreichen Medien vertreten – wegen einer Predigt, die er zehn Tage zuvor in seiner Gemeinde gehalten hatte. Grundlage der Predigt war die Geschichte des Richters Gideon, der den Auftrag hatte, den Götzenaltar seines Vaters zu zerstören und das auch tat (Richter 6,25-32). Diese Götzenvernichtung Gideons bezog der Pfarrer in seiner Predigt (man kann sie hier nachhören) auf unsere heutige Zeit. Er forderte von den Christen eine klare Abgrenzung zu allen falschen Religionen, die dem biblischen Evangelium widersprechen. Genau wie Gideon seien Christen heute dazu aufgerufen, sich klar zum wahren Gott der Bibel zu halten und alle anderen Götter zu meiden. Kurz zusammengefasst ist die Aussage seiner Predigt: Alle Religionen außer das biblische Christentum sind falsch. Deswegen kann es mit ihnen keine religiöse Gemeinschaft geben (beispielsweise in Form von gemeinsamen Gebeten).

Für die Bremer Öffentlichkeit war das zu viel. Die Bremische Evangelische Kirche distanzierte sich von Pastor Latzel unmissverständlich. Die Partei „die Linke“ freute sich über den „Beweis“, dass es auch bei den Christen ganz schlimme Fundamentalisten gibt. Der Oberbürgermeister sah den sozialen Frieden der Stadt gefährdet und die Medien verglichen den Pfarrer mit dem islamischen Hassprediger Pierre Vogel (siehe hier). Die entscheidende Frage ist: Warum versetzt eine Predigt, in der ein Pastor die Bibel auslegt, eine halbe Großstadt in Aufruhr?

Die alte und die neue Toleranz

Die Antwort liegt in dem Konzept begründet, was man als Toleranz bezeichnet. Seit der Aufklärung, also seit etwa 300 Jahren, ist die Forderung nach Toleranz eines der höchsten ‚Gebote‘ unserer westlichen Gesellschaft. Seit dieser Zeit gibt es in Europa immer mehr Religionen und Weltanschauungen, die alle nebeneinander existieren und miteinander klarkommen müssen. Dies sei nur möglich, indem wir uns gegenseitig dulden (lateinisch: tolerare). So forderte es beispielsweise der Engländer John Locke Ende des 17. Jahrhunderts und prägte damit unser Denken. Nach dieser Sichtweise kann es sein, dass ich eine Meinung habe, und du die gegensätzliche. Toleranz bedeutet nun, dass ich zwar sage: „Ich habe recht und du liegst falsch“. Trotzdem respektiere ich dich und gestehe dir das Recht zu, deine Meinung frei zu äußern. Für mehr als zwei Jahrhunderte war das das allgemein akzeptierte Verständnis der Toleranz.

Seit einigen Jahrzehnten wird dieses Verständnis der Toleranz langsam aber sicher von einem anderen Verständnis verdrängt. Diese neue Sichtweise argumentiert so: „Ich habe eine Meinung, du hast vielleicht eine andere. Ich bin nur dann tolerant, wenn ich dich mit deiner Meinung fördere und unterstütze, selbst wenn ich sie nicht teile.“ Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieser neue Toleranzbegriff nur geringfügig vom alten, aber die Verschiebung hat große Auswirkungen. In seiner umstrittenen Predigt gibt Pastor Latzel selbst ein Beispiel dafür, wie die neue Toleranz funktioniert. Er berichtet, dass es im Gebiet seiner früheren Gemeinde evangelische Landeskirchen gebe, die Geld für die Moschee im Ort gesammelt hätten. Akzeptiert man nun die Existenz der Moschee, wehrt sich aber gegen den Gedanken, für diese Moschee zu spenden, dann ist man nach der alten Definition der Toleranz tolerant, nach der neuen Definition intolerant.

Mit der alten Definition der Toleranz können Christen gut leben. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter, als einfach nur tolerant zu sein. Christen sollen Andersdenkende nicht einfach dulden. Sie sollen sie sogar lieben, selbst wenn die anderen Feinde sind (Matthäus 5,43-48). Die neue Toleranz können Christen auf der anderen Seite nicht akzeptieren. Denn die neue Toleranz sagt: „Keine Religion darf einen absoluten Wahrheitsanspruch haben.“ Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Johannes 14,6) Die neue Toleranz sagt: „Keine Religion darf sagen, dass sie der einzige Weg zu Gott und der einzige Ausweg aus den Problemen des Lebens ist.“ Die Bibel sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ (Johannes 3,36)

Aus der Perspektive der neuen Toleranz sind bekennende Christen intolerant. Die Ironie ist: Die neue Toleranz ist ebenso intolerant gegenüber bekennenden Christen. Und damit wären wir beim Problem der Predigt von Pastor Latzel. Für die Bremer Öffentlichkeit hat er zu laut und zu deutlich gesagt, was in der Bibel steht. Dafür wird er jetzt kritisiert und als „Hassprediger“ abgestempelt. Man kann daran gut erkennen, wie sehr viele Politiker, Medien und Kirchenvertreter den neuen Toleranzbegriff verinnerlicht haben. Gleichzeitig freue ich mich über Latzels Mut, sich auch in den Medien klar zu seiner Predigt zu bekennen.

Und weiter?

Was heißt das jetzt für uns, die wir nicht direkt mit diesen Ereignissen zu tun haben? Als landeskirchlicher Pfarrer steht Olaf Latzel ganz anders in der Öffentlichkeit als die Freikirchen. Und genau das macht die Sache so erschreckend. Warum hat deine oder meine Gemeinde so etwas noch nicht erlebt? Möglicherweise nur aus einem einzigen Grund: weil deine Gemeinde einfach unbekannter ist. Oder – was noch schlimmer wäre – hat sie vielleicht schon längst aufgehört, das Wort Gottes so klar zu predigen – sei es aus Anpassung an den Zeitgeist oder aus Angst vor Widerstand?

Ich will kein übertriebener Pessimist oder Schwarzmaler sein. Aber als Christen müssen wir uns darauf einstellen, dass mit der Verbreitung der neuen Toleranz auch der Widerstand gegen uns wächst, so lange kein deutliches Umdenken in unserer Gesellschaft stattfindet. Ich denke es gibt von daher fünf Dinge, die wir aus den Ereignissen in Bremen mitnehmen sollten:

  • Lasst uns mit aller Entschiedenheit daran festhalten, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist (Johannes 14,6)
  • Lasst uns Gott bitten, dass er noch einmal ein Umdenken, eine Reformation in Deutschland schenkt.
  • Lasst uns verstehen, dass Widerstand gegen Christen das Normale ist. Paulus schreibt im zweiten Timotheusbrief 3,12: „Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden.“
  • Lasst uns für Pastor Latzel und seine Gemeinde beten, dass sie den Mut nicht verlieren, sich klar zu Gott und seinem Wort zu bekennen.
  • Und lasst uns fest glauben, was uns Jesus in Matthäus 5,11-12 verspricht: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort gegen euch reden um meinetwillen! Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel!“

PS.: Wer sich für das Thema „Toleranz“ weiter interessiert, dem kann ich folgende Bücher empfehlen:

  • D.A. Carson: Die intolerante Toleranz, Waldems 2014, zu bestellen hier.
  • Josh McDowell & Bob Hostetler: Die neue Toleranz, Bielefeld 2001, zu bestellen hier.
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Der Fall Latzel: Die Intoleranz der neuen Toleranz | Hanniel bloggt. 30. Januar 2015 - 18:24

[…] Freund Jochen Klautke nimmt auf josiablog.de Stellung zur Empörung, der über einer Predigt des Pastors Olaf Latzel ausgebrochen ist. […]

antworten
Waldemar 30. Januar 2015 - 18:51

Jochen, ganz hervorragend analysiert und geschrieben. Vielen Dank für deine Eingliederung dieses aktuellen Falles in den weiteren gesellschaftlichen Kontext!

antworten
Doro 30. Januar 2015 - 19:04

Ich hab mir die Predigt von Olaf Latzel heute angehört und, obwohl ich ihm in der Sache komplett zustimme und auch darin, dass klare Worte zu dem Thema wichtig sind, so finde ich doch, dass er teilweise in der Wortwahl daneben gehauen und sehr abwertende Formulierungen gewählt hat. Vielleicht ist sein Temperament und Eifer mit ihm durchgegangen? Seine Gemeinde kennt ihn ja und kann das sicher einordnen, aber er macht es anderen Hörern zusätzlich schwer, sich in dieser Weise konfrontieren zu lassen. Wie geht es euch damit, findet ihr den Tonfall passend?

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Jochen Klautke 30. Januar 2015 - 22:58

Hallo Doro,

danke für deinen Kommentar!

Ich stimme dir insofern zu, dass die Wortwahl sehr klar und teilweise gewagt war. Ich persönlich glaube, dass diese Art der Sprache nicht für jeden Anlass angemessen ist. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass es Latzels Anliegen war, seine eigene Gemeinde (also Christen) eindringlich vor Götzendienst und Religionsvermischung zu warnen, finde ich die Sprache angemessen.
Johannes der Täufer und Jesus haben die Juden der damaligen Zeit unter anderem als „Schlangen- und Otterngezücht“ bezeichnet. So haben sie nicht immer gepredigt, aber manchmal war es anscheinend nötig. Diese Notwendigkeit gibt es von Zeit zu Zeit auch oder vielleicht gerade heute. Deswegen bin ich so dankbar für diese Predigt.

antworten
Doro 31. Januar 2015 - 12:52

Danke, Jochen, damit kann ich was anfangen zum Weiterdenken. Ich hoffe einfach, dass wir alle echt vom Heiligen Geist geleitet werden in unseren Formulierungen und nicht davon, wie wir „seelisch drauf“ sind. Ist nicht einfach und betrifft mich auch 😉

antworten
Daniel 31. Januar 2015 - 15:47

Auch wenn ich das Hauptanliegen von Herrn Latzel nachvollziehen kann, verstehe ich eine Sache nicht:
Wenn es sein Anliegen ist, die Reinheit der Gemeinde zu thematisieren und gegen Religionsvermischung innerhalb der Gemeinde zu sprechen (analog zu Gideons Reinigung von den Götzen),wieso muss er in diesem Zusammenhang dann Merkels Satz, dass der Islam zu Deutschland gehöre, kommentieren? Ungeachtet, wie man politisch steht, gilt doch folgendes: Hier springt Latzels Anwendung des Bibeltextes von der innergemeindlichen Ebene (kein Synkretismus) auf die politisch-gesellschaftliche Ebene und deutet Gideon auf die Bewahrung des „christlichen Abendlandes“, was trotz Verfassung schlichtweg nicht mehr existiert. Und genau da ist seine Predigt nach außen hin missverständlich, da überhören dann die Kritiker gerne auch den Rest der Predigt. Das wirkt auf mich wie die schwarz-rot-goldenen Kreuze einiger Pegida-Demonstranten.
Insofern finde ich es gut, wie die Allianz in Bremen differenziert Stellung bezogen hat.

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Andreas Schwalm 31. Januar 2015 - 21:20

Vom Kern der Predigt ist Pastor Latzel zuzustimmen wenn er sich an seine Gemeinde als Adressat der Predigt wendet. Ich stimme Daniels Einschätzung zu das Pastor Letzel die Aussage von Frau Merkel innerhalb der Predigt nicht kommentieren sollte . Ebenso das er die Anwendung des Bibelltextes nicht auf die politisch -gesellschaftliche Ebene ziehen sollte. Denn der biblische Text bezieht sich auf die Situation Israels in seinem Verhältnis zu Gott. „Das Christliche Abendland“ von dem so oft in den letzten Tagen zu hören ist, hat es ja nie gegeben. Es suggereirt eine Staatsform die vom neuen Testament her nicht ableitbar ist. Christus predigte das reich Gottes als eine andere Daseinsgröße. Für das leben „in der Welt“ gilt für Jesus::“Gebt dem Kaiser was dem keiser ist“. Es ist leider eine fehlentwicklung innerhalb der christlichen Theologie-und Kirchengeschichte das man glaubte auf Erden einen rein christlichen Staat kreieren zu können.Gottes Reich ist nicht von dieser Welt. Aber in dieser durch uns als seine Gemeinde sichtbar. Insofern wir als seine Nachfolger authentisch Leben. Dazu gehört dann auch das wir uns nicht anderen Göttern zu wenden und eine Religionsvermischung akzeptieren. Der Absolutheitsanspruch Jesu ist unbestritten, Aber ER drängt sich nicht auf und überlässt es dem menschen ihn anzunehmen oder abzulehnen.

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Walde 31. Januar 2015 - 17:22

Wer bei Olafs Predigt lange einen Fehler suchen wird, der wird einen auf jeden Fall finden; Tonfall und Wortwahl nicht richtig, keine gesunde theologische Auslegung usw. „Die Predigt soll bloß nicht zu streng sein, sie soll bloß die Sünde nicht ansprechen…“
Schade, dass Christen seinen Mut und sein öffentliches Bekenntnis nicht loben. Welcher landeskirchlicher Pastor predigt so klar und unerschrocken das Evangelium?

Ich bin stolz, so einen Pastor zu kennen…

antworten
Daniel 31. Januar 2015 - 17:55

Sehr gute Analyse. Ich würde sogar noch weitergehen. In den letzten Jahren hat sich in Abgrenzung zu den Ideologien des 20. Jahrhunderts die philosophische Schule des Konstruktivismus durchgesetzt. Diese besagt, es gibt keine absolute Wahrheit, sondern alle Wahrheit entsteht durch den Betrachter (wird individuell konstruiert). Diese Sichtweise scheint sich so langsam zur Ideologie des 21. Jarhunderts zu entwickeln.

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Peter 31. Januar 2015 - 18:54

ich habe mir auch die predigt von pastor latzel angehört und bin nicht einverstanden mit was er sagt und argumentiert. trotzdem bin ich mit ihm solidarisch weil die predigkritik jeden treffen kann. es kann jede gemeinde treffen. die lukasschule in münchen wurde wegen einer macarthur bibel massivs angegriffen.
was mich stört ist die argumentation gegen den islam wie sie politisch diskutiert wird.
eines der hauptprobleme der evangelikalen ist das sie leute mit islamischen hintergrund viel zu wenig wirklich erreichen in unserem lande. daher sind die äusserungen von latzel öl ins feuer der allgemeinen islam kritik.
viele christen in deuschland haben sich der allgemeine islam kritik angeschlossen ohne selbst zu sehen das die aufgabe eine ganz andere ist.
mein text ist hier nur fragmentarisch es gebe sehr viel zu sagen.

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Frank Hermann 31. Januar 2015 - 23:11

Hallo Herr Klautke, danke für die klaren Worte. Gruß aus Marburg Dipl.-Ing. Frank Hermann

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Bernhard Dura 1. Februar 2015 - 06:06

Vielen Dank für den Beitrag der ermutigt den kompromisslosen Weg mit Jesus Christus zu gehen der allein uns zu einem http://www.kindgottes.ch macht.

antworten
Michael Sack 1. Februar 2015 - 10:06

Ihr Lieben, ich habe Radio Bremen auch geschrieben, aber ich denke, sie werden meinen Kommentar nicht veröffentlichen. Dies habe ich schon viel erlebt, denn ich argumentiere biblisch. Aber, mal sehen.

Ja, was Walde oben ungefähr schreibt, das ist richtig : Wer Fehler sucht, der findet sie. Aber JESUS, der SOHN GOTTES, ist nun mal der HERR, vor dem wir alle einmal stehen müssen. Was dort zählt ist nur die Gnade in IHM, der für uns starb auf Golgatha. Und diese Predigt vom Herrn Latzel kann auch Moslems helfen, den einzigen Heiland der Welt vom wahren GOTT, der natürlich auch Heiland-GOTT ist, wirklich zu erkennen. Denn die Aufforderung Latzels zur Liebe und zum Verständnis für Moslems ist unzweifelhaft gegeben. Und das sollen wir sagen : So wie Latzel es predigte, so ist es recht, aber prüfet alles und das Gute behaltet. Das eine gesprochene Predigt Schnitzer hat, ist sozusagen ganz normal – es geht aber um den Kern. Also, war die Predigt biblisch ? : Ja, sie war es. Nun, ich selber kann Pastoren, die in der Kirche bleiben, nicht akzeptieren, aber das Evangelium hat er richtig gepredigt.
MfG, MS

antworten
Michael Sack 1. Februar 2015 - 10:11

Lieber Jochen, Deine Darlegung ist sehr gut. Folge aber JESUS treu nach, so, wie es geschrieben steht. Das ist mir nun zum wichtigen Thema geworden. MfG, MS

antworten
Werner 1. Februar 2015 - 12:48

Toleranz ist ihrem Wesen nach eine Formalie. Sie sagt aus: „Es ist mir gleich, was du denkst oder glaubst. Mein Verhalten dir gegenüber wird davon nicht bestimmt.“
Das entspricht auch Art. 1 der UNESCO_Erklärung von 1995 (http://www.unesco.de/erklaerung_toleranz.html), der Wert darauf legt, dass niemandem die eigene Meinung aufgezwungen werden darf.
Dem Europaparlament liegt nun ein Entwurf vor, der Toleranz neu justiert und auf bestimmte Gruppen ausrichtet. Den Abgeordneten liegt ein Entwurf einer NGO (Nichtregierungsorganisation) vor, die sich als Wächtern der Toleranz versteht. Nach ihren Vorstellungen sollen die 28 EU Länder sogar Dienststellen einrichten, um die Einhaltung der in diesem Entwurf definierten neuen Toleranz zu überwachen. Junge Menschen sollen in entsprechenden Einrichtungen umerzogen werden, falls man bei Ihnen Defizite feststellt. Nachzulesen hier; leider nur in Englisch:(http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/libe/dv/11_revframework_statute_/11_revframework_statute_en.pdf)
Eine kritische Stimme dazu hier: http://sciencefiles.org/2014/10/19/gegen-die-europaischen-toleranzwachter/

Neu in dem Entwurf ist, dass Toleranz nicht nur eine Haltung ist sondern auch inhaltlich gefüllt wird. Hier wird dann Meinungsfreiheit mehr als eingeschränkt. Der Empörungsjournalismus unserer Tage ist da schneller als das EU Parlament und säbelt schon jetzt regelmäßig unliebsame Menschen ab, weil deren Inhalte nicht gefallen. So ist auch Pastor Latzel ein Opfer derselben geworden.

Zur gemeindlichen Situation:
Warum schlägt diese Predigt solche Wellen? Weil man sie so nur selten hört. Wer traut sich noch, die Botschaft so klar zu verkündigen? Es ist einfach über Gemeindebau und Gemeindewachstum zu reden; das tangiert die Welt nicht. Aber Anspruch Gottes zu verkünden stößt auf Widerstand. Der ist uns auch in der Schrift verheißen.
Mich jedenfalls hat die Predigt zum Nachdenken gebracht.

antworten
Michael 1. Februar 2015 - 20:27

Ich finde Pastor Latzel sollte nicht „nur“ das Wort predigen, sondern auch Taten folgen lassen, vorallem in dem Gebäude in dem er normal predigt. Dann wäre Seine Predigt glaubwürdig!

antworten
Georg 2. Februar 2015 - 07:16

Hallo Jochen & Co.!

Deine Beobachtungen zur Toleranz sind sicher großteils zutreffend. Viele meinen heute, jede Meinung sei im Grunde gleich richtig und man dürfe seine eigene Meinung nicht mehr entschlossen vertreten, weil man andere Meinungen ja dadurch abwerte. Das ist natürlich Unsinn.

Dass Pastor Latzel wegen seiner Predigt kritisiert und verfolgt wird, ist aber trotzdem in Ordnung. Es ist eine Sache, seine Meinung entschlossen zu vertreten, und eine ganz andere Sache, religiöse Gewalt zu verherrlichen. Wer die Meinung vertritt, man müsse Andersgläubige beleidigen, schlagen und umbringen und die Bibel oder Gott fordere und belobige solche Dinge, ist ein Friedensstörer. Friedensverletzer sind nicht nur keine Christen, sondern dürfen natürlich auch von der Gesellschaft und vom Staat in die Schranken gewiesen werden. Das ist also keine unzulässige Einmischung in religiöse Angelegenheiten, sondern gerade die Aufgabe der Gesellschaft, solche Leute aus dem Verkehr zu ziehen.

Viel ärgerlicher und bedrückender finde ich aber, dass Du und andere Christen (sogar studierte oder studierende Theologen!) offenbar der Meinung sind, der Pastor habe ganz recht und seine Predigt sei christlich. Einer der Vorredner hat sogar gesagt, Latzel habe „das Evangelium … richtig gepredigt“. Das ist völliger Humbug. Latzel hat genau das Gegenteil vom Evangelium gepredigt und (neben diversen anderen und z.T. grotesken sachlichen und theologischen Fehlern und Falschaussagen) die Person unseres Herrn J.C. verfälscht und beleidigt, indem er Gideon als Vorläufer Christi und Jesus als Gewaltbefürworter zeichnet. Das ist im Grunde unverzeihlich. Er hat durch seine Worte Menschen zum Zorn und zur Sünde verführt (Jesus verspricht solchen Leuten den Mühlstein). An der Predigt von Olaf Latzel ist bis auf die ersten Worte („Gnade sei mit euch und Friede …“) – und natürlich die Schriftlesung – kein einziges Wort christlich.

Das ist meine Meinung 🙂

antworten
Reinhard 2. Februar 2015 - 09:05

Das ist das Konzept der „repressiven Toleranz“ der Frankfurter Schule. So Herbert Marcuse in einem gleichnamigen Artikel:
http://www.marcuse.org/herbert/pubs/60spubs/65reprtoleranzdt.htm

antworten
Jochen Klautke 2. Februar 2015 - 10:46

Hi Georg,

vielleicht habe ich etwas verpasst oder überhört, aber an welcher Stelle in der Predigt verherrlicht Olaf Latzel religiöse Gewalt, oder ruft dazu auf, dass man Andersgläubige schlägt oder umbringt?

In der Predigt geht es darum, dass wir als Christen entschieden und konsequent gegen die Vermischung von anderen Göttern/Religionen/Weltanschauungen mit dem Christentum eintreten sollen. So ruft er dazu auf, dass Christen Buddhastatuen aus ihren Häusern entfernen sollen, aber er fordert an keiner Stelle, dass wir Christen alle Buddhastatuen dieser Welt zerstören sollen. Diese Unterscheidung ist wichtig, sonst tut man Pastor Latzel unrecht. Es geht ihm um Reinigung im eigenen Lager, nicht um Gewalt gegen andere Religionen.
Hätte er dazu aufgerufen, gegen Vertreter andere Religionen gewalttätig zu werden, dann würde ich dir uneingeschränkt zustimmen.
Das entschiedene Vorgehen gegen die Vermischung des Christentums mit anderen Weltanschauungen bzw. Götzen ist die Lektion der Begebenheit aus Richter 6. Das hat Pastor Latzel gepredigt. Und genau dasselbe fordern nicht nur Gideon und Latzel, sondern unser Herr Jesus Christus selbst:

Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß [zur Sünde] wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengeht, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.
Und wenn deine rechte Hand für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengeht, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. (Matthäus 5,29-30)

In dieser Stelle fordert Jesus nicht Gewalt gegen Andersdenkende oder Andersgläubige. Aber er fordert die konsequente Ablehnung jeder Form der Sünde in unserem eigenen Leben und in unseren Gemeinden.

Leider wird Jesus heute oft so dargestellt, als sei er ein harmloses, hypertolerantes „Liebesmonster“ gewesen. Aber für Jesus schließen sich bedingungslose Liebe sogar gegen seine Feinde und konsequenter Hass gegen die Sünde (auch die der Religionsvermischung) nicht aus.

Ja, Jesus ist der Friedefürst. Aber der Friede, den er gebracht hat, ist zunächst einmal der Friede zwischen Gott und den Menschen. In einem nächsten Schritt ist es dann der Friede zwischen unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Gemeinde. Darüberhinaus herrscht bis Jesus wiederkommt oftmals sogar kein Friede. Jesus sagte sogar einmal:

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert! (Matthäus 10,34)

Um auch hier nicht falsch verstanden zu werden: Christen sollen es nicht darauf anlegen, in Konflikt mit Andersdenkenden zu geraten, aber dieser Konflikt ist die Folge davon, wenn Christen klar und deutlich bekennen, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist. Das ist genau das, was Pastor Latzel und seine Gemeinde gerade erleben.

Schade, dass du dich als Christ gegen ihn stellst…

antworten
Georg 2. Februar 2015 - 14:25

Lieber Jochen, nochmal ganz klar und deutlich: Was Latzel da gepredigt hat, ist nicht christlich. Es geht nicht darum, ob man sich als Christ für oder gegen Latzels Predigt positioniert. Wer Latzels Predigt richtig findet, ist nicht mehr für Christus, sondern gegen ihn. Da muss man ganz klare Schnitte machen, da hat der Pastor schon recht. Nur ist er es selbst, der sich vom Christentum abschneidet. Gewalt gegen Unschuldige im Namen Gottes ist falsch, da gibt es keine Kompromisse und da kann man sich als Christ auch nicht aufs AT berufen. Wer sich dafür ausspricht, steht auf der Seite derjenigen, die Jesus ans Kreuz schlugen oder seine Kreuzigung forderten, nicht auf unserer Seite. Und wer behauptet, Christus hätte so etwas gefordert, lügt seinen Schäfchen ins Gesicht. Weg damit, aus dem Herz und aus den Hirnen! Das sind die Anstöße, von denen Jesus in den von Dir zitierten Logien spricht: Wenn deine Faust dich zur Gewalt reizt, hack sie ab (bildlich gesprochen natürlich). Wenn dein Pastor dich zur Gewalt anstachelt, schick ihn in die Wüste (auch bildlich gesprochen).

Du solltest Dir die Predigt wirklich nochmal genau anhören.

antworten
Jochen 2. Februar 2015 - 17:07

Hallo Georg,

du warst bei deinem ersten Post schon sehr deutlich. Erst war Pastor Latzel gegen Christus, seit deinem zweiten Post bin ich es auch.

Bevor wir gerne weiterdiskutieren, würde ich dich jedoch bitten mal zwei Zitate von Latzel zu nennen (wörtlich und ggf. im Kontext!), in denen er zur „Gewalt gegen Unschuldige“ aufruft, „religiöse Gewalt verherrlicht“ und fordert, dass „Andersgläubige umgebracht werden müssten“. Das wäre doch recht hilfreich bei der Beurteilung, wer von uns beiden denn nun die Predigt richtig verstanden hat, denn scheinbar gibt es da einen großen Unterschied. Danke!

antworten
Ben 3. Februar 2015 - 13:26

Hallo Jochen,

Ich klinke mich mal an dieser Stelle ein, da mich ähnliche Bedenken wie die von Georg umtreiben.

Zunächst mal: Du hast Recht, Latzel hat nicht dazu aufgerufen Andersgläubige zu schlagen oder umzubringen. Trotzdem halte ich deine Darstellung der Predigt für geschönt. Er hat nicht einfach nur seinen Glauben als ‚allein selig machend‘ gepredigt. Das würde mich als ‚Unglaeubigen‘ wenig jucken – und vermutlich auch die meisten anderen Zeitgenossen.

Ich finde es zunächst mal Kritikwürdig, dass er die Glaubensinhalte anderer beschimpft – als ‚Dreck‘, ‚Quark‘ und ‚Blödsinn‘. Das ‚Bekenntnisbeschimpfung‘ in Deutschland strafbar ist (Art 166 StGB) halte ich zwar für bedauernswert. Von mir aus soll keiner deswegen juristisch belangt werden. Gleichzeitig finde ich es aber angebracht wenn er dafür deutlich kritisiert wird. Wenn die EKD sich nicht mit Beschimpfungen anderer Religionen identifizieren kann, dann muss sie sich davon abgrenzen wenn einer ihrer Pastoren das tut.

Aber das ist nicht mein größtes Problem. Du schreibst:

‚Genau wie Gideon seien Christen heute dazu aufgerufen, sich klar zum wahren Gott der Bibel zu halten und alle anderen Götter zu meiden.‘

Gideon ‚mied‘ die anderen Götter nicht nur, er zerstörte ihre Heiligtümer. Und Latzel ruft ganz explizit dazu auf Gideons Sachbeschädigung und Brandstiftung als solche als Vorbild zu nehmen. Ich zitiere:

„Die Angst vor der Welt, die darf uns nicht dazu bringen, dass wir die Furcht des Herrn lassen. Das ist wichtiger. Und da muss man eben auch Schnitte machen, wie hier Gideon. Schnitte – und ich sag das ganz bewusst. Der Name Gideon heißt ‚Hacker‘! ‚Hacker‘, ja? Der ist nicht so bisschen, so nach dem Motto: ‚Ich häng mal ’n Betttuch drüber über die Aschera, damit’s mal nicht gesehen wird, dann hab ich ja meinen Protest ausgedrückt halt, nicht?‘ oder: ‚Ich mach mal heimlich nachts ’n Graffiti drauf.‘ Gott sagt: ‚Umhauen! Verbrennen! Hacken! Schnitte ziehen!‘“

Worum geht es hier? Was sollen die Zuhörer nicht nur mit Protest belegen? Was sollen sie nicht ’nur‘ ‚heimlich nachts‘ mit Graffiti besprühen? Die Buddhastatue im eigenen Wohnzimmer? Wohl kaum. Unmittelbar im Anschluss macht Latzel deutlich worauf er an dieser Stelle hinaus will:

„Ja, das ist viel verlangt. Ja, da hat man Angst. Und da denken Sie jetzt vielleicht an die Situationen, wo Sie gefordert sind. Aber das fordere nicht ich. Das fordert unser Herr und Gott. Wir sollen dort die Schnitte ziehen. Auch in einem Vaterland, wo die Bundeskanzlerin erklärt, so mit einem Strich, nicht?, diese falschen Dinge zu wiederholen, die Bundespräsident Wulff gesagt hatte, nicht?: ‚Der Islam gehört zu Deutschland.‘ Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Die Muslime, die hier leben – ja, absolut. Aber der Islam hat nichts zu tun mit dem Gott, von dem es in der Präambel unseres Grundgesetzes heißt: ‚Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen […]‘.“

Latzels Predigt ist aus meiner Sicht nicht empörend weil er seine Religion für die einzig wahre hält. Auch die Staatsanwaltschaft dürfte sich herzlich wenig für seine Heilslehre interessieren. Die Grenzen der Toleranz und Meinungsfreiheit (und zur Volksverhetzung) sind nicht dort überschritten wo einer seinen Glauben für den einzig richtigen hält. Sondern dort wo zu Gewalt gegenüber den Heiligtümern anderer aufgerufen wird. Ob Latzel an diesen Grenzen nur kratzt oder sie überschreitet – genau darüber dürften sich die Leute von der Staatsanwaltschaft gerade Gedanken machen.

antworten
Jochen Klautke 3. Februar 2015 - 15:10

Hallo Ben,

danke für deine faire und differenzierte Kritik!

Zu dem Punkt der Beschimpfungen:
Ich persönliche finde die Verwendung dieser drei Wörter nicht als Beschimpfung. Ich gebe allerdings zu, dass das natürlich irgendwo subjektive Ermessenssache ist. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass das – wenn überhaupt – eine harmlose Form der Beschimpfung im Vergleich zur „Religionsverhöhnung“ von Magazinen wie Titanic oder eben Charlie Hebdo ist. Solange diese Magazine mit ihren antireligiösen Karikaturen nicht gegen Art. 166 verstoßen, ist Latzels Wortwahl in einem sehr „gesetzestreuen“ Bereich.

Zu dem Punkt der Zerstörung der Heiligtümer:
Gideon zerstörte die Heiligtümer. Da hast du recht. Aber er zerstörte in dieser Begebenheit nicht irgendwelche Heiligtümer, sondern die Heiligtümer im Haus seines Vaters, also fremde Götter innerhalb seines Volkes und seiner Familie.

Diesen Punkt macht auch Latzel in seiner Predigt, wenn er beispielsweise fordert, Christen (also Mitglieder des Volkes Gottes) sollten Götzen (Buddhastatuen in Analogie zu Baal) aus ihren eigenen Häusern verbannen. Um dieses Thema geht die Predigt und das greift er auch immer wieder auf.

Du hast recht, dass die Passage über „der Islam gehört nicht zu Deutschland“ missverständlich ist, weil sie für sich genommen suggeriert, Christen sollten gegen den Islam in Deutschland kämpfen. Ich halte diesen kurzen Abschnitt auch für deplatziert, gerade weil politische Statements in Predigten nichts zu suchen haben. Wäre es das Ziel meines Artikels gewesen, eine differenzierte und detaillierte Bewertung der Predigt zu verfassen, dann hätte ich das erwähnt. Ich wollte aber mit dem Artikel auf das verweisen, was dahinter steht und was meines Erachtens der Grund für den Aufschrei ist.

Um die Gesamtaussage der Predigt zu verstehen, ist es gut, sich den Anlass der Predigt zu vergegenwärtigen: Wie Latzel in der Predigt erwähnt, ist es so, dass sich sein Vorgänger (Pastor Jens Motschmann – Ehemann der CDU-Kandidatin Elisabeth Motschmann bei der anstehenden Bürgermeisterwahl) in einer Zeitung für die Errichtung eines „House-of-One“ ausgesprochen hat. Darunter versteht man ein Gebetshaus für alle Religionen. Latzel wollte seine Gemeinde davor deutlich warnen, sich an diesem Haus zu beteiligen. Das ist das Ziel der Predigt. Und das sollte man bei aller Kritik (der sich jeder Pastor für jede Predigt stellen muss) berücksichtigen.

Somit ist es mE unfair, die gesamte Predigt auf die Aussage zum Islam und Deutschland zu reduzieren. Das machen übrigens auch die meisten Kritiker nicht. Hätte Latzel es wirklich beabsichtigt, durch die Predigt seine Gemeinde zu Gewalttaten gegen andere Religionen aufzurufen, dann wären Sätze wie die folgenden völlig kontraproduktiv:

„Das heißt nicht – das sag ich auch in aller Klarheit –, dass wir nicht den Muslimen in Liebe und Nähe zu begegnen haben“

„Wir haben den Menschen muslimischen Glaubens in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen!“

Außerdem ist es auch immer wichtig auf das Ende eines Textes/einer Rede zu schauen, um die Gesamtaussage zu erfassen. Dort sagt Latzel:

„Reinigt euch von allem, was falsch ist in eurem Leben, wo falsche Götter und Götzen sind.“

Auch hier verwendet er kein Wort auf Gewalt gegen andere Religionen, sondern er spricht von Reinigung in unseren eigenen Häusern und Kirchen – also von Reinigung innerhalb des Volkes Gottes.
Diese Forderung unterstreicht er durch die gesamte Predigt (mit einer Ausnahme von wenigen Sätzen) in einer erfreulichen Klarheit. Deswegen bewerte ich die Predigt insgesamt so positiv.

antworten
Ben 3. Februar 2015 - 18:02

Hallo Jochen,

Danke fuer deine schnelle Antwort.

Was die strafrechtliche Bewertung der Beschimpfungen angeht stimme ich dir zu. Art. 166 kommt kaum zur Anwendung, von daher wuerde es mich ueberraschen, wenn das in diesem Fall geschieht. Die Frage ob Latzel sich in diesem Punkt ‚gesetzestreu‘ verhalten hat ist aber relativ unabhaengig von der Frage ob sich die EKD von dieser Art Herabwuerdigung anderer Konfessionen und Religionen zu Recht distanziert.

Du meinst Latzels Predigt und die damit verbundene Aufforderung zur ‚Reinigung‘ sei rein intern zu verstehen. Ich hingegen denke, dass das alles andere als klar ist. Gerne gehe ich auf deine Argumente im einzelnen ein.

Latzel spricht zwar davon das die ‚Reinigung‘ von ‚fremden‘ Goettern im eigenen Haus ‚beginnen‘ solle. Aber er spricht an keiner Stelle davon, dass sie sich darauf beschraenken solle. Im Gegenteil, fuer das Vorbild Gideon war das nur der Auftakt. Du weist darauf hin, dass Latzel Beispiele einer solchen internen Abgrenzung verwendet. Ja, er predigt das Verbannen der Buddhastatue aus dem Wohnzimmer und die Ablehnung von Einladungen zu Festen muslimischer Verwandter. Aber er beschraenkt sich eben nicht darauf – nachts und heimlich wird niemand die Buddhastatue im eigenen Wohnzimmer mit Grafitti bespruehen. Und ob der Islam zu Deutschland gehoert oder nicht, ist eine Frage, die ebenfalls deutlich ueber den Horizont des eigenen Wohnzimmers hinausreicht.

Du sagst, das Thema der Textvorlage sei eine solche, rein ‚interne‘ Reinigung, Gideon zerstoere die Heiligtuemer ‚im Haus seines Vaters‘.

-> Erstens kann ich das Richter 6 nicht entnehmen. Dort ist lediglich davon die Rede, dass der Baalsaltar seinem Vater gehoerte. Zu den Besitzverhaeltnissen des verbrannten Ascherabildes schweigt der Text. Und ich kann auch keine Ortsangabe finden. Es scheint aber naheliegend, dass beide sich nicht ‚im Haus seines Vaters‘ befanden, sondern auf eben jenem Gipfel auf dem Gideon dann auch das Ascherabild verbrennt. Gideon versucht seine Volksgenossen auf die reine Lehre einzuschwoeren und zwar in dem er den Ort ihrer ‚falschen‘ Anbetung zerstoert.

-> Zweitens kann ich nicht erkennen, dass der Umstand, dass Joas der Baalsaltar gehoerte als notwendiger Rechtfertigungsgrund behandelt wuerde – weder in Richter 6 noch in der Predigt. Im Gegenteil, die Autoren des alten Testaments hielten ausgesprochen wenig vom Recht auf freie Baalsanbetung. Elia z.B. schlachtet die Baalspriester kurzerhand ab – ganz ohne Hinweis auf Verwandtschaftsverhaeltnisse.

-> Drittens kann ich nicht verstehen wie eine wichtige Rolle dieser Verwandtschaftsbeziehung das Ganze in der Uebertragung auf die Gegenwart besser machen wuerde, selbst wenn wir sie unterstellen. Darf und soll der Sohn des Imams die Moschee anstecken?

In dem Zusammenhang sprichst Du auch von ‚Volkszugehoerigkeit‘, ein Begriff den Du offenbar rein geistlich meinst. Latzels Predigt ist da weniger restriktiv. Die Aufforderung zum Hacken und Verbrennen stellt er in Zusammenhang mit der (verneinten) Zugehoerigkeit des Islams zu Deutschland. Damit beschraenkt er seinen Anspruch auf ‚Reinheit‘ wesentlich weniger als Du es hier tust.

Du sprichst auch davon, die Passage zum Islam in Deutschland sei fuer sich genommen missverstaendlich. Sie wird m.E. aber gerade erst im Kontext richtig brisant, denn das ist der vom Hacken und Verbrennen.

Weiter sagst Du, aus dem Anlasskontext der Predigt gehe hervor, dass Latzel sich vor allem gegen das House-of-One richte. Es ginge ihm also ausschliesslich um eine in die Kirche hinein gerichtete Frage der Abgrenzung und Auflehnung gegen die als falsch empfundene ‚Religionsvermischung‘. Selbst wenn das der Fall waere – auch hier wuerde der Zweck nicht die Mittel heiligen. Auch das House-of-One sollten die Mitglieder St Martini weder heimlich nachts mit Graffiti versehen, noch es umhauen oder verbrennen. Und ihr Pastor nicht dazu aufrufen.

Du weist darauf hin, dass es kontraproduktiv sei wenn Latzel gleichzeitig zur Gewalt aufriefe und dazu Muslimen in Liebe zu begegnen. Ganz offensichtlich sieht Latzel keinen Widerspruch in der ‚Liebe und Barmherzigkeit‘ fuer andere und darin, dass was ihnen heilig ist als ‚Dreck‘ zu bezeichnen. Er sieht sicher auch keinen Widerspruch im Verhalten Gideons und dessen Naechstenliebe (und wenn, dann hat er mehr als versaeumt darauf hinzuweisen). Das Umhauen, Hacken und Verbrennen geht seiner Ansicht nach offenabr gut zusammen mit Barmherzigkeit und Naechstenliebe. Das kann man durchaus als Widerspruch empfinden und es ist letztlich nicht an mir den aufzuloesen. Aber ich denke Latzel gibt Hinweise auf die interne Logik, der er hier folgt. Es ist die der von ihm so betonten Unterscheidung zwischen ‚Suende‘ und ‚Suender‘. Gideon versucht ja auch mit seiner Sachbeschaedigung und Brandstiftung die anderen von ihrem ‚Irrglauben‘ zu ‚retten‘. Ganz entscheidend scheint also die Differenzierung der Aggression gegenueber ‚Suendern‘ auf der einen Seite (auch in Latzels Universum nicht okay, weil im Widerspruch zur Naechstenliebe). Und Aggression gegen die ‚Goetzen‘ und Heiligtuemer der ‚Suender‘ auf der anderen (Latzel: Umhauen! Hacken! Verbrennen! – steht ganz offensichtlich nicht im Widerspruch zu seinem Verstaendnis von Naechstenliebe und Barmherzigkeit).

Worauf bezieht sich denn deiner Meinung nach – ganz konkret – die Auffordeung sich nicht mit naechtlichen Grafitti zufrieden zu geben?

antworten
Jochen Klautke 3. Februar 2015 - 18:25

Hi Ben…die Fenster werden immer kleiner. Deswegen findest du meine Antwort unten als eigenen Kommentar…

jesaja662 2. Februar 2015 - 18:22

Sehr guter Beitrag zum Nachdenken!
Haben es reblogged!

antworten
Börny 2. Februar 2015 - 21:02

Habt Ihr schon mal daran geacht, dem Olaf Latzel vielleicht eine mutmachende mail zu schicken?

antworten
Georg 3. Februar 2015 - 08:26

Morgen Jochen!
Bitte rede das nicht schön.

Der Pastor hat 9 Tage nach den Pariser Geschehnissen eine Geschichte vorgelesen, in der ein junger Gewalttäter ein religiös motiviertes Attentat verübt und vermeintlich im Auftrage Gottes Götzenbilder zerstört. Nachdem die Leute aus dem Dorf ihn identifiziert haben und umbringen wollen, droht der Vater des Jungen unverhohlen, die Baalsanhänger noch am selben Morgen zu töten (ab 2:09).

Unter anderem ab Minute 24:27 stellt Latzel das als Vorbild hin und fordert dazu auf, Gideon nachzueifern.

Die Angriffe, wenn du Reinigung betreibst von den falschen Götzen, die gehören mit dazu. Aber genauso gehört auch die Hilfe bei der Reinigung dazu, nicht. Gideon hat Angst, das sagt er hier ganz deutlich: Ich habe Angst vor den Menschen dieser Stadt, ich habe Angst vor meines Vaters Haus. Und jetzt kommen die Menschen auch, die Angst ist berechtigt. Die kommen und sagen: Wir wollen den umbringen. Und auf einmal kommt Hilfe von einer Seite, von der man es nicht zu erwarten hat. Jetzt stellt sich sein Vater vor ihn. Ihn, dessen Götze er ja umgebracht hat, nicht, den er kaputtgeschlagen hat, den er zerhackt hat. Der stellt sich hin und nimmt auf einmal Partei und sagt: Ich steh für ihn ein. So nicht. Sollte das so sein, nicht, dass ihr das wollt, dass ihr mehr für diesen Baal eintreten wollt halt, nicht, dann werde ich auch euch alle zur Verantwortung ziehen halt, nicht. Dann kommt auf einmal Hilfe von einer Seite, wo man’s nicht erwartet hat.
Ja, die Angriffe kommen, aber das darf ich euch auch sagen: Wenn ihr klar für Jesus eintretet, wenn ihr ganz klare Sache macht, nicht, und, wenn ihr Reinigung betreibt, dann kommen die Angriffe, aber ihr werdet erleben, wie ihr auch Hilfe bekommt. Und manchmal von ganz anderer Seite, von der man es gar nicht erwartet. Luther …
[Bsp. mit Friedrich dem Weisen]
Das ist dann so manchmal auch der Aberwitz, wie unser Herr und Gott die Geschichte lenkt. Wenn wir zu dem treu sind, dann wird der uns auch bewahren. Ja, wir müssen in die Angriffe hinein, nicht, aber der wird uns auch bewahren. Und darauf dürfen wir vertrauen, halt. Ich hab das selber auch erlebt …
[Bsp., wo Latzel angegriffen wurde, weil er gesagt hatte, „dass Allah nicht derselbe Gott ist wie unser Herr und Heiland Jesus Christus“]
Wir bekommen auch die Hilfe, wenn wir klar mit Jesus gehen, wenn wir für ihn einstehen und wenn wir für die Reinigung gegen die Götzen einstehen, dann werden wir’s erleben, wie wir auch Hilfe bekommen, genau wie hier eben der Gideon. Und das ist eben auch so’n Bild nochmal, dass der Vater eintritt […] Selbst wenn wir für den Moment alleine sind, kein Mensch da ist, nicht, dann möchte ich das aus dieser Geschichte mitnehmen: Einer ist immer da und steht uns zur Seite, wenn wir für seinen Namen einstehen. Das ist der Vater. Das ist der lebendige Gott, halt, der Vater, nicht. Der ist auf unserer Seite. Und wenn Gott für uns ist, kann letztlich niemand wider uns sein. Und deshalb möchte ich euch Mut machen halt, nicht. Gerade in diesen Zeiten, in der unsere Position in der klaren Nachfolge Jesu, in der alleinigen Nachfolge Jesu, wo er allein der Weg und die Wahrheit ist, angefochten wird.

Distanzierung von religiöser Gewalt hört sich anders an.

antworten
Judith 3. Februar 2015 - 10:26

Lieber Georg
Erstmal ging es bei dem ersten Beispiel darum, dass Gideon nicht Gewalt gegen Personen eingesetzt hat sondern praktisch seine ‚eigenen‘ Götzenfiguren zerstört hat. Und vielleicht kannst du mir eine Stelle in der Bibel zeigen, wo Gott je ’sinngemäß‘ gesagt hätte: Hey ihr habt Götzenfiguren, das ist ja prima, macht nur!
Nein Gott war zu allen Zeiten gegen falsche Götter die neben ihm bestehen und nun hat er Gideon beauftragt in seinem eigenen Haus für Abhilfe zu sorgen. Die Reaktion der ‚Gesellschaft‘ war dann: Lasst ihn uns umbringen, sowas geht ja gar nicht! Woraufhin sein Vater dann ihm zur Hilfe gekommen ist. Das sehe ich klar als Notwehr an.

Des weiteren… Diese Welt ist nun mal eine gefallene Welt, die im Grunde von Gott und der Verantwortlichkeit vor ihm nichts wissen will. Und die Bibel sagt an mehreren Stellen, wenn ihr klar Position zu Gott bezieht, dann werden die Leute euch hassen, verfolgen und angreifen. Was man heute ja deutlich auch wieder sehen kann. Was Herr Latzel hier beschreibt ist kein Aufruf zu religiös motivierter Gewalt gegen Andersgläubige, sondern das Vertauen auf Gottes Gewalt über diese Welt und die Hoffnung, dass er uns zur Seite steht wenn wir für ihn eintreten. Und ich garantiere, Gott hat wesentlich mehr und elegantere Möglichkeiten uns zur Hilfe zu kommen als lediglich mit dem Hammer auf seine Gegner draufzuhauen, wie du ihm hier vermutlich unterstellst.

Herr Latzel hat lediglich anhand der Bibel dargelegt was unsere Einstellung sein soll und womit wir dann zu rechnen haben. Erwähnte Aktionen im Zusammenhang mit Personen außerhalb der Gemeinde und des Glaubens kann ich nur finden an Stellen wo er klar sagt, dass wir unseren Mitmenschen in Liebe und Barmherzigkeit begegnen sollen und ihnen in Bedrängnis beistehen sollen. Ebenso wie Jesus es von uns erwartet. „Liebet eure Feinde!“

Allerdings kann ich bei der Art der gesamten Berichterstattung und dem Verhalten seiner Vorgesetzten zu dem Thema nur sagen, sie sollten sich diesen Vers einmal zu Herzen nehmen. denn die Ausdrucksweise und Grundhaltung von dieser Seite empfinde ich als wesentlich feindlicher und aggressiver als die paar (Hand aufs Herz) vergleichsweise ‚milden‘ Kraftausdrücke die Herr Latzel hier benutzt.

Der Segen Gottes sei auf allen, die ihn bezeugen!

antworten
Jochen Klautke 3. Februar 2015 - 13:23

@ Judith: danke! Sehe ich auch so.

@ Georg: Mir ist immer noch unklar, an welcher Stelle Pastor Latzel zur Gewalt aufruft. In dem Abschnitt, den du zitierst, tut er das jedenfalls nicht.
Natürlich können wir uns bei der Auswahl der Schriftlesungen und Predigtabschnitte nach dem richten, was das politisch-korrekte Establishment von uns verlangt oder wir können in die Zeitung gucken und dann aufpassen, dass wir ja keinem Menschen auf die Füße treten.
Wir können aber auch wie Jesus, Paulus, Augustinus, Luther und jetzt Latzel einfach die Wahrheit in Liebe predigen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob vielleicht jemand ein Problem damit hat.
Ich bin für die zweite Variante, weil ich glaube, dass sie biblisch ist.

Außerdem würde ich die Konversation an dieser Stelle gerne beenden, weil wir uns sonst im Kreis drehen und nicht auf einen Nenner zu kommen scheinen.

antworten
Jochen Klautke 3. Februar 2015 - 19:45

@Ben: Ich glaube viele von deinen Fragen/Einwänden klären sich, wenn ich kurz darauf eingehe, wie bereits die Apostel in den Briefen und auch die meisten Christen seit der Frühen Kirche das Alte Testament auslegen:

Im Alten Testament war das Volk Gottes das Volk Israel. Sie lebten über lange Zeit (so auch zur Zeit Gideons) in einem eigenen Land mit einer eigenen Gesetzgebung. Im Neuen Testament hat sich das geändert. Nun ist das Volk Gottes die weltweite Gemeinde. Diese Gemeinde gibt es auf der ganzen Welt. Aber sie hat kein eigenes Land mehr.

Für Christen stellt sich jetzt die Herausforderung, wie man viele von Gottes Befehlen im Alten Testament umsetzen soll bzw. wie man jetzt eine Geschichte wie die von Gideon auf die heutige Zeit anwenden soll.
Die Antwort, die man seit der frühen Kirche gegeben hat ist folgende. Die Kirche im Neuen Bund hat die Aufgabe, die Beispiele aus dem Alten Testament nachzumachen, aber nicht 1:1, sondern in einem geistlichen Sinn oder – anders formuliert – dem Prinzip nach. Ich habe nicht die Zeit, das jetzt für das gesamte Alte Testament aufzuzeigen, aber für die Geschichte Gideons heißt das: Im Alten Testament hatte Gideon die Aufgabe, die Götzenstatuen in Israel zu zerstören. Es gilt:
Israel = Volk Gottes ~ Kirche (heute).
Die Lektion also für heute: Die Kirche hat mit Nachdruck dafür zu sorgen, dass keine anderen Götter neben dem Gott der Bibel in ihren Reihen verehrt werden.
So habe ich die Geschichte schon vor dieser Predigt verstanden und so habe ich auch Latzels Predigt verstanden.
Dass Gideon in seinem eigenen Haus begonnen hat, heißt dann für heute: Beginne bei dir selbst. Dass er das später im weiteren Rahmen (im Volk Israel) fortgesetzt hat, heißt: Anschließend sollen wir uns dafür einsetzen, dass auch unsere Kirche/Gemeinde von allem, was nicht der Verehrung des biblischen Gottes dient, gereinigt wird.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Altem und Neuem Testament ist die Art und Weise, wie gegen die falschen Dinge vorgegangen wird. Im Alten Testament war das oft gewaltsam (wie bei Gideon). Im Neuen Testament lesen wir, dass sich unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut richtet (Epheser 6). Das Prinzip beim „Umhacken“ bleibt dasselbe: Konsequentes Vorgehen gegen andere Götter in den eigenen Reihen. Die Form bzw. Praxis hat sich geändert: Im alten Bund oft gewaltsam, im Neuen Bund je nach Situation durch Reden, Gebet, Absonderung…

Ich schreibe das nicht in erster Linie, um dich davon zu überzeugen, dass man so das Alte Testament verstehen muss. Dazu müsste ich das noch wesentlich ausführlicher erklären.
Ich will nur sagen, dass Pastor Latzel und seine Gemeinde das Alte Testament so verstehen. Er setzt in gewisser Weise voraus, dass seine Gemeinde die Prinzipien kennt, die hinter seiner Auslegung des Alten Testaments stehen.

Nun, haben wir ja schon darüber gesprochen, was Pastor Latzel über Deutschland und den Islam sagt:

„Wir sollen dort die Schnitte ziehen. Auch in einem Vaterland, wo die Bundeskanzlerin erklärt, so mit einem Strich, diese falschen Dinge zu wiederholen, die Bundespräsident Wulff gesagt hatte: Der Islam gehört zu Deutschland. Der Islam gehört nicht zu
Deutschland. Die Muslime, die hier leben, ja. Absolut! Aber der Islam hat nichts zu tun mit dem Gott, von dem es in der Präambel unseres Grundgesetzes heißt: Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, vom Willen beseelt als gleichberechtigtes Glied im vereinten Europa geben wir uns dieses Grundgesetz. Dieser Gott, der da gemeint ist, das ist jedem, der nur ein bisschen historische Ahnung hat (klar), ist der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Und ist nicht Allah. Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Hier verlässt er die Ebene des eigenen Hauses und der Kirche und spricht nun über die Bedeutung für das Vaterland. Er macht implizit die Gleichung auf: Israel (im Alten Bund) = Volk Gottes ~Deutschland.
Wie schon gesagt, sind das die Sätze, denen ich nicht zustimmen kann. Das Volk Gottes heute ist nach der Bibel die weltweite Gemeinde/Kirche und kein bestimmtes Land.

Ich habe allerdings den Eindruck, dass du die gesamte Predigt von diesen Sätzen aus interpretierst.

Ich sehe diese Aussagen auf der anderen Seite als Makel in einer sehr guten Predigt, in der Latzel ansonsten nur die Reinigung von den Götzen in unseren Kirchen und Häusern fordert. Der Grund für meine Ansicht ist, dass er nur in diesen Zeilen den „Interpretationsschlüssel“ aufgibt, nachdem das Volk Israel des Alten Bundes die geistlichen Prinzipien für die Kirche des Neuen Bundes vorlebt.

Ich hoffe, das ist in der Kürze etwas verständlicher geworden. Sonst frag‘ gerne nochmal nach…

Zum Schluss zu deiner Abschlussfrage:
Das bezieht sich darauf, dass wir als Christen, Götzen in unseren Häusern oder Kirchen nicht tolerieren dürfen. Wir sollen sie nicht nur ansprayen, verschönern oder abdecken, sondern wir sollen sie entfernen. Das gilt für offensichtliche Götzen (wie Buddhafiguren), aber auch für die vielen anderen Dinge, die wir als Chrsten gerne zu unseren Götzen machen, indem wir sie höher achten als Gott.

antworten
Ben 3. Februar 2015 - 22:07

Danke fuer die Erklärungen Jochen.

Allerdings glaube ich nicht das meine Verständnis der Predigt auf der von dir vermuteten Wissenslücke beruht. ich kenne den Umgang evangelikaler Theologie mit dem AT ganz gut und auch den der Autoren des Neuen Testaments (würde allerdings zwischen beidem differenzieren, das ist aber ein anderes Thema).

Hier bietest Du eine Interpretation nach der die Sätze über den Islam, der nicht zu Deutschland gehöre, und jene von den Graffiti strikt voneinander zu trennen sind. Die beiden Passagen haben laut deiner Interpretation verschiedene Zielrichtungen. Das passt m. E. schlicht nicht zu dem was Latzel sagt. Er verbindet beides unmittelbar:

„[…] Gott sagt: ‚Umhauen! Verbrennen! Hacken! Schnitte ziehen!‘ Ja, das ist viel verlangt. Ja, da hat man Angst. Und da denken Sie jetzt vielleicht an die Situationen, wo Sie gefordert sind. Aber das fordere nicht ich. Das fordert unser Herr und Gott. Wir sollen dort die Schnitte ziehen. Auch in einem Vaterland, wo die Bundeskanzlerin erklärt, so mit einem Strich, nicht?, diese falschen Dinge zu wiederholen, die Bundespräsident Wulff gesagt hatte, nicht?: ‚Der Islam gehört zu Deutschland. […]“

Genau an der Stelle, an der die Zuhörer gefordert sind sich zu Fragen in welchen Situationen sie was umhacken und verbrennen sollen, bezieht Latzel das auf den Islam. Diese Sätze sind eben dann am brisantesten wenn man sie im Zusammenhang liest. Deine Lesweise funktioniert nur wenn man sie aus diesem Zusammenhang reisst – in den ich sie nicht etwa mutwillig zwinge, sondern in dem Latzel sie predigt.

Deiner weiteren Interpretation seiner Sätze kann ich auch nicht folgen:

„Das bezieht sich darauf, dass wir als Christen, Götzen in unseren Häusern oder Kirchen nicht tolerieren dürfen. Wir sollen sie nicht nur ansprayen, verschönern oder abdecken, sondern wir sollen sie entfernen.“

Ich finde Du nimmst an dieser Stelle nicht ernst was Latzel sagt. Er wendet sich ganz klar _nicht_ gegen eine Art Lackierung des Buddhas im eigenen Wohnzimmer. Sein Beispiel handelt davon _nachts_ _heimlich_ _Graffiti_ zu sprühen (anstatt zu verbrennen). Niemand hat nötig das eigene Wohnzimmer nachts und heimlich zu tapezieren.

Dein Eindruck ist das ich die gesamte Predigt von diesen Sätzen aus interpretiere. Ich erhebe nicht den Anspruch seine gesamte Predigt zu würdigen. Das mich diese Sätze besonders interessieren liegt genau darin begründet, dass mir seine exklusive Heilslehre relativ Wurst ist. Entgegen der These deines Blogs liegt für mich der Stein des Anstosses nicht darin, dass Latzel seine Religion für die einzig wahre hält. Kann er von mir aus ruhig tun. Ich persönlich halte weder seine noch die Religionen und Konfessionen gegen die er polemisiert für wahr, kann aber ganz gut damit leben wenn in religiösen fragen jeder für wahr und unwahr hält was er eben will. Interessant – und gefährlich – werden seine Worte für mich aber an der Stelle an der ihn sein Exklusivanspruch dazu treibt im imperativ und im Zusammenhang mit dem Islam in Deutschland von nächtlichen Graffiti und vom Verbrennen zu reden. Mein Eindruck ist dass Du dich an dieser Stelle einer genauen Betrachtung verschliesst.

antworten
Joschie 4. Februar 2015 - 17:31

Irgendwie kommt mir doch das alles sehr bekannt vor, da ich die ersten Jahre meines Glaubensleben in der ehmaligen DDR gewohnt habe. Zu dieser Zeit wurden immer wieder Predigten zensiert und beschnitten, viele hatte die Sprichwörtliche Scherre im Kopf. Genau diese Scherre im Kopf stelle ich heute immer öfter bei Gesprächen leider wieder fest. Nur dieses Scherre hat heute einen neunen Namen, er ist die neue Toleranz.

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K. Becker 6. Februar 2015 - 13:23

Allen, die sich hier so über Pastor Latzels Predigt aufregen, wünschte ich, sich mit Martin Luther und seinen Predigten zu beschäftigen. Luther:
„Sollte ich je einen Fehler haben, so ist mir’s lieber, dass ich zu hart rede und die Wahrheit zu unvernünftig herausstoße, als dass ich… die Wahrheit für mich behielte.“ Das einzige, was diesem Pastor vorzuwerfen ist, ist, dass er nicht politisch korrekt, multikulti-tolerant gepredigt hat.
Als einfacher Christ und theologischer Laie habe ich mir die Predigt angehört und fühlte mich keineswegs dadurch aufgefordert, über meine nichtchristlichen Mitmenschen herzufallen und deren Götzen oder sonstwas zu zerstören. Auch fühlte ich mich nicht aufgefordert, diesen Mitmenschen Verachtung und Hass entgegen zu bringen.
Wo werden denn sonst Predigten so zerrissen, kontrolliert und auf politisch korrekte Tol(l)eranz geprüft? In faschistischen Staaten. Hier frage ich mich, wo wir in unserem Land bereits gelandet sind und wohin die Reise noch gehen wird, besonders für gläubige Christen. Es wird in keinster Weise gefragt, was in den Moschee gepredigt wird. Keiner fragt gläubige Moslems, ob sie den christlichen Gott tolerieren und wie es mit der Toleranz gegenüber Christen und Juden aussieht. Hier wäre doch wirklich großer Bedarf mal nachzuhaken. Im Jahre 2014 (nicht 1934) brüllen Tausende Moslems „Jude, Jude, feiges Schwein“ und „Juden ins Gas“ auf unseren Strassen. Ich habe keinen Aufschrei seitens der Kirchen gesehen. Aber das ist wohl weiter nicht schlimm. Ich schäme mich für dies unerträgliche Scheinheiligkeit und Heuchelei der Kirchenherrschaften, und für unser Land!

antworten
Arthur Schopenhauer 7. Februar 2015 - 22:36

Liebe Mitchristen,
was mich verwundert ist, dass die Attacke von Olaf Latzel auf seinen Vorgänger Pastor Jens Motschmann unerwähnt bleibt. Gehört es sich als Christ, einen Pfarrer, der Jahrzehntelang das klare Evangelium verkündet hat, derart in einer im Internet für alle Welt zugänglichen Predigt in die Pfanne zu hauen?

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Joschie 8. Februar 2015 - 13:38 antworten
Martin Apitz 4. April 2015 - 21:40

Danke Jochen.
Im Nachklang des medialen Echos finde ich zumeist Verurteilung und religiösen Kitsch einer multireligiösen Gesellschaft, darunter aber auch:

„Die allgegenwärtige Sehnsucht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner ist das Ergebnis von Konfliktscheu und Denkfaulheit.“
Cicero: http://www.cicero.de/salon/wutrede-gegen-die-oekumene-warum-wir-danken-sollten/58871

Was in der Diskussion ein wenig fehlt ist der Adressat. Bei Gideon war es Israel, eine Theokratie. Bei Latzel ist es die Gemeinde, ebenso eine Theokratie, nur keine volkseigene.
Was mischen sich Andersgläubige in Geschäften anderer ein? Des Christen ist es, die wahre Religion beizubehalten, weil sie, Christus und ganz Israel klar war, dass es nur einen Gott gibt, der sich in der Bibel offenbart. Das gilt für Christen.
Latzel darf nicht politisch sein, sein Statement über „Deutschland“ ist murks, weil Deutschland nichts ist, nicht christlich und nicht islamisch. Christus enttäuschte damit, eben nicht politisch zu sein und mit dem Caesarenkult in Israel endlich Schluss zu machen. Mehr noch, wir sollen diesem Götzenkönig noch geben, was des Caesars ist…
Ich kann nun gerne der sinnlosen Diskussion hier folgen, möchte aber folgende Fragen stellen: Stört uns die Tatsache, dass Christus der einzige Weg ist und alle anderen, Katholiken, Muslime, Mormonen in die ewige Hölle geworfen werden. Oder stört uns die Art, wie so etwas vermittelt wird.
Ersteres ist nicht nett, tolerant oder ökumenisch, aber wahr. Wer das verneint, kann gleich mit dem Christentum aufhören, weil es dann keins mehr ist.
Letzteres steht im Können des Pastors. Man sollte ihm viel verzeihen, nicht aber, dass er die Wahrheit ausspricht.

Christen haben sich in der Causa Latzel sehr wohl gesündigt (die Hassbriefe an die Linke sind echt nicht christlich). Aber es wird schon wieder einmal klar, warum uns Christus Verfolgung versprochen hat.

antworten
Wurst 4. Juni 2016 - 13:20

b) Infragestellung des modernen Toleranzgedankens
Viele fundamentalistische Gruppen gehen ­davon aus, dass die göttliche Wahrheit allein von der eigenen Gemeinschaft vollständig ­erkannt wird. Die eigene Identität wird durch Abgrenzung vom theologischen Gegner ­gewonnen. Dies macht sie jedoch zum Dialog mit anderen Überzeugungen unfähig. Dadurch wird es unmöglich, Wahrheitsmomente in der Ansicht des Gegners anzuerkennen. Die Folge ist eine Tendenz zum Fanatismus, zur Gesprächsunfähigkeit, ja zur Spaltung bis hin zur Sektiererei. Hier wird missachtet, dass unser aller Erkenntnis Stückwerk ist (1. Kor 13,9) und wir daher nie alle „gleich“ denken werden. Das Wissen um die Bruchstückhaftigkeit unseres Erkennens sollte uns bescheidener werden lassen und zur Liebe mahnen, die den anderen höher achtet als sich selbst.

Viele dieser Gruppen sind geprägt von fortdauernden Streitereien und Spaltungen, die in der Missachtung der Liebe beim Engagement für die Wahrheit wurzeln. Sehr schnell wird ein mit der eigenen Auffassung nicht Konformer ausgeschlossen, der Kontakt mit dem „Gegner“ abgebrochen, woraufhin die Vorurteile über die Meinung des Gegners wuchern und sich verfestigen. Die eigene Erkenntnis absolut zu setzen, verhindert die Entstehung einer positiven Streitkultur. Notwendig ist das Einüben von Toleranz, die nicht mit Indifferenz zu verwechseln ist. Toleranz beinhaltet ein aktives „Aushalten“ der Erkenntnis des Gegenübers im Wissen, dass die eigene ­Erkenntnis immer Stückwerk bleibt.

antworten
Lars 5. Juni 2016 - 14:03

Hallo Wurst [sic],

du hast ja tiefe Einsichten in fundamentale Dynamiken des Diskurses.

Ich widerspreche jedoch der folgenden Aussage: „Die eigene Erkenntnis absolut zu setzen, verhindert die Entstehung einer positiven Streitkultur.“

Im Gegenteil: Die eigene Erkenntnis absolut zu setzen, ermöglicht echten Dialog, wenn der Inhalt der Erkenntnis dem Inhalt der christlichen Offenbarung entspricht!

Alles andere ist Geschwätz – im Stückwerk.

antworten
Wurst 5. Juni 2016 - 20:56

Hi Lars,

das sind nicht meine Gedanken, sondern die von Peter Zimmerling (Ich bin nur eine kleine Wurst die versucht demütig zu werden :)). Ich bin auf seinen Text gestoßen und habe mich bzw. mein früheres Denken darin wiedergefunden. Hier der link zum ganzen Text, interessiert mich was du davon hälst.

http://www.ojc.de/salzkorn/2010/fundamente/fundamentalismus-begriff-definition/.

Weißt du worin meiner momentanen Meinung nach (die kann sich tatsächlich ab und zu mal ändern) der Unterschied zwischen dem Reden Zimmerlings von seinen „theologischen Gegnern“ und dem Reden der Leute hier in den Kommentaren von ihren „theologischen Gegnern“ liegt? Er spricht ihnen nicht den Glauben ab. Und das ist demütig.

antworten
Lars 6. Juni 2016 - 20:42

Hallo,

ich habe den Aufsatz „Trügerische Sicherheiten“ gerade gelesen.

Der Text deckt wichtige Themefelder ab, ist gut geschrieben und relativ differenziert.

Was Prof. Zimmerling unter Punkt C) im ersten Absatz zur Ablehnung der akademischen Theologie schreibt trifft zu.

Den Fundamentalismus als Reaktion auf die Postmoderne zu deuten finde ich spannend und klug. Absolute Wahrheitsansprüche und weitere Merkmale, welche mit dem Fundamentalismus in Verbinduing gebracht werden, gab es allerdings schon lange vor der Moderne. Es greift daher zu kurz, den Fundamentalismus ausschliesslich als Reaktion auf die Postmoderne zu verstehen, auch wenn er das auch ist.

Die Kritik an Zimmerlings Toleranzverständnis habe ich bereits in meiner ersten Antwort formuliert – ohne zu wissen, dass die Sätze von Zimmerlin stammen 🙂

Viele Grüße

Lars

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