Die Natur – Begegnungsort von Gott und Mensch

von JOSIA-Redaktion
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Die Natur – Begegnungsort von Gott und Mensch

Wenn wir daran denken, wo wir Gott begegnen können, denken wir schnell an den Gottesdienst, das Bibellesen und die Begegnung mit Menschen. Gott ist allgegenwärtig, also an jedem Ort erlebbar. Die Bibel beschreibt die verschiedensten Orte, an denen er Menschen begegnet und diese seine Eigenschaften entdecken können. Erstaunlicherweise wählt Gott immer wieder die Natur, ihre Schönheit, Bewohner und Ruhe um sich in ihr zu offenbaren. In Zeiten von Digitalisierung und Urbanisierung lohnt es sich, sich darauf zurückzubesinnen.

1. Was sagt Gottes Wort zur Natur als Offenbarungs- und Begegnungsort?

Gott offenbart sich durch die Natur (universell)

Die Schönheit der Natur lässt uns immer wieder staunen, sei es ein wunderschöner Sonnenuntergang, das gewaltige Rauschen der Meereswellen oder der Ausblick nach einer Bergbesteigung. Der unsichtbare Gott offenbart seine Größe, Macht und Schönheit in seiner Schöpfung. In Römer 1 Vers 19, heißt es, dass Gottes Existenz durch die Schöpfung bezeugt wird, sodass jeder die Möglichkeit hat von Gott zu wissen. In der Theologie nennt man das die allgemeine Offenbarung, zu der die spezielle Offenbarung Gottes durch sein niedergeschriebenes Wort und das lebendige Wort, Jesus Christus, hinzukommt. Das Staunen über die Natur soll zur Anbetung führen, jedoch nicht zur Anbetung des Geschaffenen, also von Pflanzen, Tieren und Menschen, sondern zur Anbetung des Schöpfers. Viel zu oft tätigen wir genau diesen Trugschluss.

Wenn ich in einer wolkenfreien Nacht den Sternenhimmel anschaue, kann ich nicht anders, als mich klein zu fühlen. So ging es auch bereits König David. Er schreibt in Psalm 8: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“. Die Natur offenbart uns, wie klein wir sind und wie unfassbar groß Gott ist.

Gott begegnet Menschen in der Natur (individuell)

Gott ruft Abraham dazu auf, hinauszugehen und den Sternenhimmel anzuschauen (1. Mose 15,5). ER nutzt diesen um Abraham sein Versprechen, im wahrsten Sinne des Wortes, vor Augen zu führen. Jedes Mal, wenn Abraham nun die Sterne sieht, wird er sich an Gottes Zusage um Nachkommenschaft erinnern. Die Sterne sind für ihn von Gott eingesetzte Erinnerungsstützen.

Auch Elia wird von Gott dazu aufgefordert unter den freien Himmel zu treten (1. Könige 19,11). Er war erschöpft und entmutigt. In diesem Zustand begegnet Gott ihm. Nicht wie vielleicht erwartet im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer. Der große, allmächtige Gott entscheidet sich dazu Elia im stillen und sanften Sausen zu begegnen. Wäre Elia abgelenkt gewesen, hätte er Gottes Anwesenheit nicht wahrgenommen. Doch in der Stille und Ruhe der Wüste hat Elia eine beeindruckende Gottesbegegnung, die ihm neue Kraft zum Dienst schenkt.

Der Prophet Jona findet nach seiner turbulenten Reise nach Ninive unter einem Rizinusstrauch Schutz von der brennenden Sonne (Jona 4). Gott ließ diesen Strauch wachsen, um Jona mit ihm eine wichtige Lektion zu lehren. Am nächsten Tag lässt Gott den Strauch eingehen, um Jona zu zeigen, wie wertvoll diese Pflanze für ihn ist, obwohl er nicht derjenige ist, der verantwortlich für deren Wachstum war. Gott lehrt ihm seine Macht über die Natur und wie wichtig Barmherzigkeit ist.

Abraham, Elia und Jona sind nur wenige der vielen biblischen Beispiele dafür, wie Gott die Natur nutzt, um sich selbst oder Wahrheiten über sich für uns Menschen greifbar und erlebbar zu machen.

Hier eine kleine Auflistung an Beispielen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die Natur als Begegnungsort / Begegnungsmittel

– Der Engel des Herrn begegnet Hagar an einer Quelle in der Wüste (1. Mose 16)
– Gott begegnet Mose im brennenden (aber nicht verbrennenden) Dornenbusch (2. Mose 3)
– Gott begegnet Mose auf dem Berg Sinai (2. Mose 19–20)
– Der Geist Gottes kommt in Form einer Taube auf den getauften Jesus herab (Matthäus 3,16)

Die Natur als Zeichen Gottes

– Gott erinnert Noah durch den Regenbogen an seine Bundestreue (1. Mose 9)
– Gott nutzt einen sprechenden Esel, um Bileam die Augen zu öffnen (4. Mose 22,31–35)
– Gott lässt Sonne und Mond stillstehen, um Israel zu helfen (Josua 10,12–14)
– Ein Stern am Himmel weist den Weg zum König der Juden – Jesus (Matthäus 2)

Die Natur als Ort der Machterweise Gottes

– Gott zeigt den Ägyptern seine Macht über die Natur anhand der Plagen (2. Mose 7–11)
– Gott lässt Feuer vom Himmel fallen, um seine Autorität zu unterstreichen (1. Könige 18,36–39)
– Jesus zeigt seine Macht anhand der Sturmstillung (Markus 4)

2. Wie nutzt Jesus die Natur und was können wir davon lernen?

Jesus nutzt die Natur als Rückzugsort und als Veranschaulichung

Jesus ging selbst immer wieder in die Natur, um dort zu beten. Sein Alltag war geprägt von großen Menschenmengen und der ständigen Begleitung seiner Jünger. Umso mehr schätzte er die Einsamkeit in der Natur, welche er nutzte, um mit seinem Vater ins Gespräch zu kommen. Ein Beispiel dafür ist in Matthäus 14 zu finden. Jesus hatte gerade von der Ermordung Johannes des Täufers gehört, als er versuchte an einem öden Ort Ruhe zu finden folgte ihm eine große Volksmenge dorthin. Bis in den Abend hinein heilte er kranke und schwache Menschen. Es war spät geworden und die Menschen hatten Hunger. Mit fünf Broten und zwei Fischen sättigte Jesus 5000 Männer und viele Frauen und Kinder. Nach diesem turbulenten Tag zieht sich Jesus zurück und besteigt einen Berg, um dort in der Einsamkeit zu beten. Wenn selbst Jesus, Gottes Sohn, die Ruhe der Natur aufsucht, um zu beten, wie viel mehr haben auch wir das nötig!

Doch nicht nur als Rückzugsort, sondern auch als Veranschaulichung nutzt Jesus wiederholt die Natur. In vielen Gleichnissen bedient er sich Bildern aus der Natur. Sehr einprägsam erklärt Jesus anhand der Blumen und Vögel, dass uns Gott versorgt und wir uns um nichts sorgen müssen (Matthäus 6,26-32). Er fordert seine Zuhörer auf die Vögel anzusehen und die Lilien anzuschauen. Schnell liest man über solche Imperative hinweg. Vielleicht meint Jesus jedoch nicht nur an diese zu denken, sondern fordert uns dazu auf, wenn wir in der Natur unterwegs sind, bewusst die Blumen und Vögel anzuschauen und so seine Zusage zu verinnerlichen. Indem Jesus Bilder nutzt, die den Menschen bekannt sind, schenkt er ihnen Erinnerungsstützen innerhalb ihres Alltags, die sie an geistliche Wahrheiten erinnern.

Vier Prinzipien für uns, abgeleitet von Jesus

1. Die Ruhe der Natur aufsuchen.

Nach einem turbulenten Tag, voller Begegnungen und Eindrücke lohnt es sich bewusst zur Ruhe zu kommen. – so wie Jesus. Die Natur ist dafür ein sehr guter Ort. Abseits aller Ablenkungen kann unsere Seele entspannen. In Psalm 46 Vers 10 heißt es: „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“ Wenn wir innehalten und ruhig werden, fällt es uns oftmals einfacher uns auf Gott zu besinnen.

2. Die Einsamkeit in der Natur aufsuchen.

Der Mensch ist für Gemeinschaft geschaffen. Es tut uns gut Zeit mit Anderen zu verbringen, uns auszutauschen und einander zu dienen. Doch auch die Zeit, die wir ohne unsere Mitmenschen verbringen ist wichtig, damit wir und regenerieren und neu Kraft tanken können. Jesus ging immer wieder allein in die Natur, um dort Gemeinschaft mit seinem Vater zu haben (Lukas 5,16). Zeit allein zu verbringen ist also nicht egoistisch, sondern sogar von Gott vorgesehen.

3. Gottes Nähe in der Natur suchen.

Jesus ging nicht in die Natur um endlich „seine Ruhe“ von den Volksmengen und seinen Jüngern zu haben, sondern um dort zu beten. Er wählt hierfür bewusst die Natur als Ort aus, da er dort ungestört ist. Er kann sich voll und ganz auf das Gespräch mit seinem Vater konzentrieren. Wann hast du dir das letzte Mal bewusst Zeit dafür genommen, mit Gott zu sprechen?

4. Göttliche Wahrheiten in der Natur suchen.

Die Natur ist Teil von Gottes Schöpfung. In ihr offenbart Gott Wahrheiten und hat uns in der Bibel viele verschiedene Veranschaulichungen für seine Liebe, Treue und Gnade geschenkt. Jesus hat diese Bilder in seinen Predigten verwendet, um seine Hörer an sie zu erinnern. Gottes Schönheit offenbart sich im Sonnenaufgang. Seine Liebe offenbart sich in der Fürsorge einer Tiermutter zu ihren Jungen. Seine Macht offenbart sich im gewaltigen Gewitter.

3. Wie können wir Gott in der Natur begegnen?

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Psychologie stützen den Aufruf, der sich durch die gesamte Bibel zieht, in die Natur zu gehen. Die Natur hat positive Auswirkungen auf die Gehirnregionen, die mit Stress assoziiert werden. In der Natur zur Ruhe zu kommen, dient unserem mentalen Wohlsein, Gott hat den Menschen nicht ohne Grund in den Garten Eden hineingesetzt.

Idee: Vielen Hobbys kann man auch gut draußen nachgehen, wie zum Beispiel zeichnen, verschiedene Sportarten und lesen. Gehe das nächste Mal, wenn du eines deiner Hobbys machen willst nach draußen und genieße die frische Luft.

Die Schönheit der Natur ist ein Anlass für uns Gott zu danken. Unsere Reaktion sollte der, des schwedischen Liederdichters Carl Bobert gleichen, der folgende Verse dichtete: „Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte, die Du geschaffen durch Dein Allmachtswort, wenn ich auf alle jener Wesen achte, die Du regierst und nährest fort und fort, dann jauchzt mein Herz Dir, großer Herrscher, zu: Wie groß bist Du!“

Fazit

Idee: Nimm dir 20 Minuten Zeit und gehe in die Natur. Für alles, was du siehst und über das du dich freust, danke Gott.

Mithilfe von Gebetsspaziergängen können wir es Jesus gleichtun. Es lohnt sich Zeit im Alltag dafür zu reservieren, mit Gott zu sprechen und all das, was uns beschäftigt vor ihn zu bringen. Ablenkungen jeglicher Art können uns davon abhalten wahrlich zur Ruhe und in die Anbetung Gottes zu kommen. Diese zu reduzieren ist herausfordernd, aber überaus nützlich.

Idee: Schalte dein Handy auf Flugmodus oder am besten ganz aus und mache einen Gebetsspaziergang in der Natur. Vielleicht hilft es dir laut zu beten und mit Gott zu reden, als würde er mit dir gemeinsam einen Spaziergang unternehmen.

Der berühmte Reformator Johannes Calvin hat einmal gesagt: „Es gibt keinen Grashalm, keine Farbe in dieser Welt, der nicht dazu bestimmt ist, uns zu erfreuen.“ Ich würde noch hinzufügen: und der nicht dazu bestimmt ist Gott zu verherrlichen.

Die wunderschöne Schöpfung Gottes gilt es also zu genießen und wertzuschätzen. Indem wir in ihr zur Ruhe kommen, wird eine Möglichkeit dazu geschaffen Gott zu begegnen und in ihm Frieden zu finden.

Also Schuhe und Jacke an und ab nach draußen!             

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